Polizisten-Bonus? Richter räumt angeklagtem Beamten Zeit ein

Der 41-Jährige soll auf den
Der 41-Jährige soll auf den  © Wolfgang Rudolf

Bielefeld/Herford - Dieser Fall erinnert an so viele aus den Vereinigten Staaten: 2015 prügelte ein 41-jähriger Polizist ohne ersichtlichen Grund brutal auf einen Autofahrer mit türkischen Wurzeln ein. Die Tat wurde auf psychisch Kranken überfahren wurde und nach langem Krankenhausaufenthalt seinen ersten Prozess leitete, am Freitag bekannt, an diesem Tag nicht verhandeln, sondern den Prozess zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen zu wollen, wie die Neue Westfälische berichtet.

Der angeklagte Polizist (rechts) und seine Anwälte.
Der angeklagte Polizist (rechts) und seine Anwälte.  © Wolfgang Rudolf

Damit kommt der Vorsitzende dem Anwalt des Angeklagten entgegen: Martin Lindemann will nämlich herausfinden, bis zu welchem Strafmaß, das für die Karriere des Polizisten vertretbar ist, man bereit sei, eine Strafe hinzunehmen.

Anhand dessen solle dann die Verhandlungsstrategie erarbeitet werden, so der Verteidiger. Obwohl Nebenklagevertreter Detlev Binder dieses Vorgehen kritisierte, fand er kaum Gehör.

Der Anwalt bezweifelte, dass in diesem Fall noch ein der Tat und Schuld angemessenes Urteil gesprochen werden würde. Diese Zweifel entstanden auch, nachdem der Richter äußerte, er überlege immer, was er den Angeklagten Gutes tun könne.

Allerdings sammelte auch der Nebenkläger, der gleichzeitig das Opfer der Prügel-Attacke wurde, Minuspunkte: Zu einer zunächst für diesen Tag vorgesehenen Zeugenvernehmung erschien er nämlich nicht.

Im Gerichtssaal wurde dem Angeklagten eine Karenzzeit eingeräumt.
Im Gerichtssaal wurde dem Angeklagten eine Karenzzeit eingeräumt.  © Wolfgang Rudolf

Andere Zeugen warteten wegen der Aussetzung des Prozesses wiederum vergeblich auf eine Vernehmung. Sie wurden im Vorfeld nicht abgeladen und hatten sich dementsprechend umsonst auf den Weg gemacht.

Und auch das Ende des Verhandlungstages verlief ungewöhnlich: Nachdem er einen neuen Termin im neuen Jahr festlegen wollte, unterbrach der Richter die Sitzung für gut 20 Minuten. Als er zurückkam, sagte er, er könne keinen Kalender für 2018 finden.

Im Anschluss sprach der Vorsitzende dann einige Zeit ohne Robe, bis er bemerkte, dass die beiden Schöffen noch gar nicht wieder am Richtertisch waren. Eigentlich hatte ihn die Protokollführerin darauf sogar bereits aufmerksam gemacht.

Insgesamt muss der gesamte Prozesstag als konfus eingeschätzt werden. Letztendlich wurde sich darauf geeinigt, die Verhandlung am 4. Oktober fortzusetzen.

DIESES PRÜGEL-VIDEO BRACHTE DEM BEAMTEN 15 MONATE BEWÄHRUNG EIN:

Titelfoto: Wolfgang Rudolf