Frau verhaftet, weil sie sich nicht auf der Rolltreppe festhält

Québec (Kanada) - In Kanada wurde jetzt ein langjähriger Gerichtsprozess beendet. Es ging darum, ob sich eine Frau auf der Rolltreppe festhalten muss oder nicht.

Der Frau wurde vorgeworfen, sich nicht ordnungsgemäß festgehalten zu haben (Symbolbild).
Der Frau wurde vorgeworfen, sich nicht ordnungsgemäß festgehalten zu haben (Symbolbild).  © 123RF/PANUWAT KATLUNGKA

Der Sachverhalt ist eigentlich ganz einfach erklärt: Eine Frau fuhr im Jahr 2009 in einer U-Bahn-Station mit der Rolltreppe abwärts und kramte nebenbei in ihrer Handtasche. Oben an der Rolltreppe standen jedoch Hinweisschilder mit den Aufschriften "Vorsicht" und "Haltegriff".

Ein Polizist beobachtete die Frau. Er soll ihr zugerufen haben, dass sie sich festhalten solle. Doch Bela Kosoian, so heißt die Rolltreppen-Frau, kramte weiter, berichtete Fox News.

Als sie unten ankam, erwartet die Kanadierin nicht nur eine ordentliche Standpauke: Der Beamte verhaftete die Frau, stellte ihr einen Strafzettel über 100 kanadische Dollar (umgerechnet rund 68 Euro) aus, weil sie sich nicht festhielt.

Weil Kosoian nicht glaubte, etwas falsch gemacht zu haben und deshalb ihren Ausweis nicht vorzeigen wollte, gab es direkt noch ein Ticket: 320 kanadische Dollar (umgerechnet fast 220 Euro) berechnete der Cop für den Widerstand gegen einen Polizisten.

Die Frau ließ sich das nicht gefallen, sie zog deshalb vor Gericht und wollte gegen die Quatsch-Bußgelder vorgehen.

Gerichte entscheiden teilweise gegen die Frau

Der Oberste Gerichtshof in Kanada entschied zugunsten Bela Kosoian.
Der Oberste Gerichtshof in Kanada entschied zugunsten Bela Kosoian.  © 123RF/Jerome Cid

2012 war ihr erster Termin vor Gericht: Sie erhielt Recht, die 100 kanadischen Dollar hätten nicht verhängt werden dürfen. Doch Bela Kosoian reichte das noch nicht.

Als sie Recht bekam, fasste sie sich nämlich den Entschluss, noch ein weiteres Mal vor Gericht zu ziehen. Sie forderte nun von der Verkehrsbehörde der Stadt Québec 45.000 kanadische Dollar (umgerechnet knapp 30.750 Euro) Schadensersatz!

Doch auf den Verhandlungen in den Jahren 2015 bis 2017 gab es nichts zu holen. Die Gerichte betonten, die Frau sei die "Autorin ihres eigenen Unglücks".

Dann schaltete sich der Oberste Gerichtshof ein. Die Richter sehen den Fall anders: Das Hinweisschild vor der Rolltreppe ist kein Gesetz, es ist nur eine Warnung, befinden sie einstimmig.

Es "war falsch, sie anzuhalten und zu durchsuchen, nachdem sie ein Gesetz brachen, das es nicht gab", sagten die Richter laut Fox News.

"Ein vernünftiger Polizist hätte wissen müssen, dass die Menschen keine Geländer festhalten müssen", ist dem Gerichtsurteil nun zu entnehmen, weiß der Fernsehsender. "Auch wenn Frau Kosoian nicht auf die beste Weise gehandelt hatte, sie hatte keine rechtliche Verpflichtung, den Handlauf zu halten."

Das Gericht schloss damit ab, dass der Frau nun 20.000 kanadische Dollar (umgerechnet etwa 13.667 Euro) zustehen. "Ich wusste, dass ich nichts falsch gemacht habe. Es ging ums Prinzip", sagte Kosoian.

Titelfoto: 123RF/PANUWAT KATLUNGKA


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