"Queen & Slim": Rassistischer Polizist von Afroamerikaner in Notwehr erschossen!

USA - Heftige Ausgangslage! In "Queen & Slim" (Kinostart am 9. Januar) steht der Alltagsrassismus in den Vereinigten Staaten von Amerika im Fokus.

Queen (l., Jodie Turner-Smith) und Slim (Daniel Kaluuya) haben ihr erstes Date in einem Diner.
Queen (l., Jodie Turner-Smith) und Slim (Daniel Kaluuya) haben ihr erstes Date in einem Diner.  © PR/© 2019 Royalty Holdings LLC. All Rights Reserve

Dabei ist der Beginn noch ganz ruhig: Queen (Jodie Turner-Smith) und Slim (Daniel Kaluuya) sitzen bei ihrem ersten Date in einem Diner.

Dass es ein zweites Treffen gibt, ist unwahrscheinlich, denn Queen suchte für den Abend nur Gesellschaft - und nicht wie Slim etwas mehr. Er wählte diesen Ort ganz bewusst aus, weil der Inhaber wie er ein Afroamerikaner ist.

Als Queen ihm nach dem Date im Auto das Handy abnimmt und er es sich wiederholt, dabei versehentlich eine Schlangenlinie fährt, nimmt das Unheil seinen Lauf.

Denn ein Polizist heftet sich an ihre Fersen und hält sie an. Officer Reed (Sturgill Simpson) entlarvt sich schnell selbst als Rassist, der nur einen Vorwand sucht, um gewalttätig zu werden.

Als Queen ihn anschreit und er auf sie schießt, greift Slim ein und bringt ihn zu Fall. Er bekommt die Pistole zu fassen, drückt ab - und erschießt Reed.

Die beiden wissen: Einen gerechten Prozess können sie nicht erwarten. Also fliehen sie quer durch die USA zu Queens Onkel Earl (Bokeem Woodbine) und dessen Freundinnen Goddess (Indya Moore) und Naomi (Melanie Halfkenny), die ihnen helfen.

Unterdessen macht ein Dashcam-Video des Vorfalls die Runde, weshalb sie über Nacht zu Berühmtheiten werden. Die einen sehen sie als Polizistenmörder, die anderen als heldenhafte Symbole ihrer Rasse, weshalb sich viele Afroamerikaner gegen Polizeigewalt und unschuldig getötete Schwarze auflehnen...

Musikvideo-Regisseurin Melina Matsoukas hat "Queen & Slim" durchwachsen umgesetzt

Die Unruhen und Proteste der Afroamerikaner gegen die Polizeigewalt nehmen nach dieser Tat zu.
Die Unruhen und Proteste der Afroamerikaner gegen die Polizeigewalt nehmen nach dieser Tat zu.  © PR/© 2019 Royalty Holdings LLC. All Rights Reserve

Diese hochinteressante und aktuelle Geschichte im Stile von "Bonny & Clide" hat Melina Matsoukas bei ihrem Langspielfilmdebüt durchwachsen umgesetzt.

Der größte Kritikpunkt, den sich die sonstige Musikvideo-Regisseurin (unter anderem für Rihanna, Beyoncé Knowles und Jennifer Lopez) gefallen lassen muss, ist die unausgewogene Charakterdarstellung und -entwicklung.

Das beste Beispiel ist die Szene, in der Slim Officer Reed erschießt. Queen wird zu Beginn als hochintelligente Anwältin eingeführt, verhält sich dann aber trotz ihrer Erfahrung mit Polizisten selten dämlich und schreit den erkennbar angespannten Cop mehrfach an, was in so einem Spielfilm natürlich dazu führt, dass er die Nerven verliert.

Auch auf der gemeinsamen Flucht gibt es mehrfach solche widersprüchlichen Momente. Die mangelnde Voraussicht für die Konsequenzen ihrer Handlungen steht dabei in krassem Kontrast zu ihrer eigentlichen Intelligenz, weshalb diese fehlende Balance mit der Zeit sogar nervt.

Deshalb reißt der 132 Minuten lange Film, der einige Durchhänger hat, emotional nie vollends mit. Doch ein Reinfall ist er trotz dieser Probleme glücklicherweise nicht geworden. Denn er hat auch einige große Stärken.

Jodie Turner-Smith und Daniel Kaluuya sind ein geniales Leinwandpaar in "Queen & Slim"

Zwischen Queen (r., Jodie Turner-Smith) und Slim (Daniel Kaluuya) sprühen die Funken.
Zwischen Queen (r., Jodie Turner-Smith) und Slim (Daniel Kaluuya) sprühen die Funken.  © PR/© 2019 Royalty Holdings LLC. All Rights Reserve

Vor allem die starken schauspielerischen Leistungen sind hier zu nennen. Das liegt am perfekten Casting der Hauptdarsteller.

Die Chemie zwischen Kaluuya ("Get Out", "Black Panther", "Sicario") und Neuentdeckung Turner-Smith ("The Neon Demon") stimmt nämlich erkennbar.

Sie schaffen es trotz der Schwächen, die Zuschauer bei der Stange zu halten und für ein intensives Kinoerlebnis zu sorgen. Zwischen ihnen sprühen die Funken - und diese elektrisierende Energie überträgt sich auch auf das Publikum.

Außerdem wird ersichtlich, dass Matsoukas ein großes cineastisches Auge hat. In Verbindung mit ihrem Kameramann Tat Radcliffe ("White Boy Rick") und den genial ausgesuchten Locations erschafft sie reihenweise Bilder voll poetischer Schönheit.

Auch die Kostüme, die eine eigene Filmfigur sind, begeistern. Letzteres gilt auch für den hypnotischen Score, der immer wieder große Momente heraufbeschwört.

Dennoch ist "Queen & Slim" ein mitunter problematisches Werk geworden. Denn einige Werte, die hier vertreten werden, müssen kritisch hinterfragt werden (Selbstjustiz wird beispielsweise zu positiv dargestellt).

"Queen & Slim" verschenkt mit einigen unglücklichen Entscheidungen zu viel Potenzial

Queens Onkel Earl (Bokeem Woodbine) und dessen Freundin Goddess (Indya Moore) helfen Slim und ihr.
Queens Onkel Earl (Bokeem Woodbine) und dessen Freundin Goddess (Indya Moore) helfen Slim und ihr.  © PR/© 2019 Royalty Holdings LLC. All Rights Reserve

Dazu ist auch das Drehbuch von schwankender Qualität. Schon durch den Titel und die Anspielungen ist nach wenigen Minuten klar, wie der Film ausgeht.

Die Regisseurin und ihre Autoren schaffen es im weiteren Verlauf dann leider nicht, zu überraschen.

Dafür fehlt ihnen unter anderem die Subtilität. Mit dem Dampfhammer lassen sie ihre Hauptfiguren durch das Leben treiben und es zelebrieren - an sich eine schöne und gute Idee, wenn sich die Protagonisten hierbei nicht immer wieder völlig realitätsfern verhalten würden.

So gehen sie zwischenzeitlich (auf der Flucht) feiern, obwohl ihre Gesichter überall im TV zu sehen sind. Für die Entwicklung zwischen ihnen beiden ist diese Szene essenziell, logisch oder glaubwürdig wirkt sie aber nicht.

Denn natürlich werden sie erkannt, doch die Leute sind alle auf ihrer Seite. So muss man festhalten, dass dem Skript und Schnitt erkennbar der Feinschliff fehlt.

Deshalb ist "Queen & Slim" ein durchwachsener Film geworden, der viel mehr Potenzial gehabt hätte. Dieses blitzt in vielen Einzelszenen immer wieder auf, doch emotional richtig mitgehen kann man leider nicht.

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