"Tuntensuppe" und Müll-Mode: "Queen of Drags" stürzt ab

Unterföhring - Heidi Klum (46), Bill Kaulitz (30) und Conchita Wurst (31) auf der Jagd nach der "Queen of Drags". In der zweiten Folge der ProSieben-Castingshow wurde es galaktisch.

Die beiden Juroren Heidi Klum und Bill Kaulitz beobachten die Queens.
Die beiden Juroren Heidi Klum und Bill Kaulitz beobachten die Queens.  © ProSieben/Martin Ehleben

Warum die Sendung mit einer Comedyeinlage auf dem Humorniveau einer Wurzelbehandlung eröffnet werden musste, mag verstehen, wer will.

Was auf jeden Fall leicht verständlich war: Dass ab sofort ein gut trainiertes Männermodel (in der Sendung als "Male Mann" bezeichnet) im knappen Höschen den Queens ihre Wochenaufgaben überreichen wird. In der Episode 2 war es "Future and Universe".

Gleich darauf begannen Tanz- und Choreographie-Übungen für die schwächeren Kandidaten - gecoacht von Jurymitglied Conchita Wurst. Sie brachte "den Mädels" bei, stilvoll und gekonnt die Gestiken beim Performen zu übertreiben - wegen der Wirkung. Im Gegenzug brachten diese ihrem Coach das verlangte "knappeste Badehöschen", das gefunden werden konnte.

Anschließend ging es teilweise in High Heels - wie es Bambi-Mercury-Darsteller Tim nannte - in die "Tuntensuppe", also in den hauseigenen Pool. Nebenher wurde sich durchgehend fröhlich angezickt und gestritten. Also in diesem Bereich im Grunde kein nennenswerter Unterschied zu jeder beliebigen "Germany's Next Top Model"-Folge.

Doch der Gegenpol ließ nicht lange auf sich warten: Zwischen Aria Addams und Hayden Kryze scheint es glitter-süß zu knistern. Und auch Katy Bähm und Yoncé zeigten sich kurz händchenhaltend dem Publikum.

"Queens of Dreck"? Wie kreiert man Mode aus Abfällen?

Wackelkandidatin Samantha Gold: Sie musste besonders zittern. Ob es gereicht hat?
Wackelkandidatin Samantha Gold: Sie musste besonders zittern. Ob es gereicht hat?  © ProSieben/Boris Breuer

Natürlich musste dann auch die große Zeitdruck-Panik eingebaut werden: Die Challenge.

Zwei Stunden hatten die Teilnehmerinnen Zeit, sich ihr Outfit zu basteln. Und weil ja das Thema "Nachhaltigkeit" gerade zu Recht hoch im Kurs steht, mussten die Queens ihre Kostüme aus Müll basteln.

Natürlich war an dem Müll nichts dreckig. Es waren saubere, bunt durchgemischte Kunststoff-Gegenstände, wie man sie in jeder Tonne finden könnte: Ein makellos lackierter Lacrosse-Helm, durchsichtige Abdeckplanen, bunte Luftpolsterfolie oder optisch tadellose Fahrradmäntel.

Also Müll im weitesten Sinne. Aber es geht ja um die Herausforderung, die dahinter steckt: Klamotten daraus zu designen.

Und die Kandidatinnen tobten sich beachtenswert kreativ aus, während sich Heidi Klum durch die Halle inszenierte und Glückskeks-Weisheiten verteilte. Bill Kaulitz hingegen präsentierte sich im Umgang mit Kamera und Kandidatinnen deutlich souveräner und authentischer - vielleicht auch zeitgemäßer. Und absolut auf Augenhöhe mit Kollegin Conchita Wurst.

Zwischen erfrischend schonungsloser Ehrlichkeit unter den Performerinnen, Neckereien und Versöhnungen, übertriebenem Auftreten und halblauten Geständnissen hangelte sich die Sendung in Richtung Live-Performances. Nach dem Glitz-Krieg in der Auftaktfolge (TAG24 berichtete) söhnten sich zuvor aber noch Aria Addams und Katy Bähm aus. Und auch Candy Crash legte den Streit mit Katy ad acta.

Gast-Jurorin Amanda Lepore kann Samantha Gold nicht retten

Alles fest im Blick: Conchita Wurst und Gast-Jurorin Amanda Lepore
Alles fest im Blick: Conchita Wurst und Gast-Jurorin Amanda Lepore  © ProSieben/Martin Ehleben

Schließlich wurde die aktuelle Gast-Jurorin und Drag-Megastar Amanda Lepore vorgestellt - was die Teilnehmer angesichts dieser Ikone völlig aus dem Konzept brachte. Zumindest für den Moment, denn: "The show must go on."

In ihren Future-Dresses performten sich die Kandidatinnen die Seele aus dem Leib und tanzten und sprangen in ihren High Heels teilweise so elegant, dass man als Zuschauer nur Respekt zollen konnte.

Die darauf folgende Modenschau der Müll-Outfits war skurril und kurzweilig, zeigte jedoch eine Sache sehr deutlich: Auch in Zukunft wird die Menschheit - zumindest freiwillig - keine Kostüme aus Abfällen im Alltag tragen. Was die kreative Leistung der Queens nicht schmälern soll.

Dann fällten die Juroren ihr Urteil. Und am Ende war es Gast-Richterin Amanda Lepore, die es in der Hand hatte. Doch es kam so, wie es sich bereits abgezeichnet hatte: Samantha Gold musste die Show verlassen. Gerade einmal 4 von möglichen 36 Punkten konnte sie sich sichern. Sie war also bei allen Jury-Mitgliedern das Schlusslicht.

Ein weißer Tüllrock und Sneackers waren trotz bunter Frisur dann doch nicht genug, um sich gegen die abgespacete Konkurrenz durchzusetzen. Aber auch die Sendung selbst musste Federn lassen.

Von den 1,5 Millionen Menschen, die zum Auftakt noch die Glamour-Show verfolgten, schalteten am Donnertag nur noch 1,13 Millionen ein. Der Marktanteil in der klassischen Zielgruppe fiel damit von 11,4 Prozent ins Einstellige, auf 9,4 Prozent.

Titelfoto: ProSieben/Martin Ehleben

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