Hasskommentare bei "Queen of Drags": Teilnehmerinnen kontern mit Video

Unterföhring - Die ProSieben-Show "Queen of Drags" findet - wie nicht anders zu erwarten - nicht nur Fans unter den deutschen Zuschauern, sondern stößt auch auf Gegenwind.

Das Thema "Grusel & Horror" stand bei der Halbfinal-Show im Mittelpunkt.
Das Thema "Grusel & Horror" stand bei der Halbfinal-Show im Mittelpunkt.  © ProSieben/Sven Doornkaat

Dass man sich über ein weiteres "Irgend ein Promi richtet über Menschen mit einem Traum"-Format missmutig äußert, ist dabei ja auch soweit legitim - dann gehört man eben nicht zur Zielgruppe.

Eine ganz andere Qualität wird jedoch erreicht, wenn man die Teilnehmer solcher Sendungen selbst als Zielscheibe aufstellt und sie öffentlich an den Pranger stellt.

Zumindest, wenn ihr einziges Vergehen darin besteht, anders zu leben und zu sein, als man selbst. Schließlich greifen sie niemanden an oder verletzen jemanden.

Dennoch ist auch im Jahr 2019, also mehr als 20 Jahre nach der artverwandten Sendung "Die Travestie-Show" auf RTL, die Gesellschaft noch sehr weit von "Leben und leben lassen" entfernt.

Einziger Unterschied zu 1996/1997: Früher dachte man sich: "Das ist nicht meins" und hat eine andere Ziffer der Fernbedienung gedrückt. Zack - Thema erledigt.

Heute jedoch beschäftigt man sich unnötig lange mit solchen Dingen und schreibt Hasskommentare gegen Menschen. Die Künstlerinnen bei "Queen of Drags" bieten da natürlich genug Angriffsfläche, auf die sich unter anderem Konservative einschießen können.

Das kann mit leichter Kritik anfangen, wie "Viel zu früh am Start die Sendung. Besser ab 23 Uhr wegen dem Kinder- und Jugendschutz", steigert sich mit paradoxen Aussagen von der Sorte "Darf man sagen, dass man das ekelerregend findet oder wird man dann gleich verhaftet?" bis hin zu "Das sind Perverse! Was hat das im TV verloren? Ekelhaft!!" oder "Igitt, ich würde lieber erschossen werden, als mit so einem zu reden." Ok. Gut zu wissen...

Allerdings gibt es bei den Hasskommentaren gegen die Queer-Queens und ihre geistigen Schwestern einen gravierenden Unterschied zur sonstigen Hetze gegen Kommunalpolitiker oder Teenager in der Nachbarschaft: Diese Menschen sind ihr Leben lang gemobbt, attackiert und beleidigt worden. Diese Künstlerinnen haben ihre Rolle in der Gesellschaft gefunden und akzeptiert. Und genau so reagieren sie nun auf YouTube.

Die Drag-Queens schießen zurück

Bei der Live-Performance müssen die Queens (hier: Catherrine Leclery, r.) die Jury von ihrem Können überzeugen. (Archiv)
Bei der Live-Performance müssen die Queens (hier: Catherrine Leclery, r.) die Jury von ihrem Können überzeugen. (Archiv)  © obs/ProSieben/Martin Ehleben

Per Pressemitteilung äußerte sich Christoph Körfer, ProSieben-Sendersprecher und verantwortlich für die ProSieben-Zuschauerredaktion, zu den beleidigenden Netzreaktionen: "Man darf geschockt sein. Ungeniert pöbeln leider viele Nutzer gegen die Drag-Kultur, unsere Queens und die ganze queere Community.

Gegen diese Hasskommentare wollen ProSieben und unsere Queens mit diesem Video ein Zeichen setzen."

Körfer spricht dabei ein Youtube-Video der Queens an, in dem sie derartige Kommentare vorlesen und darauf reagieren.

Die Show-Teilnehmerinnen haben damit schon mehr als 100.000 Zugriffe auf den Beitrag erreicht. Im Video selbst sind Aria Addams (22), Vava Vilde (30) und Yoncé Banks (26) vor der Kamera zu sehen und geben ihren Senf dazu.

"Ich fasse mir manchmal einfach an den Kopf, wenn wirklich schlimme Kommentare kommen, die unter die Gürtellinie gehen", findet Aria Addams und Yoncé Banks ergänzt: "Ich finde einfach, wir sollten toleranter sein. Jeder von uns ist gut, so wie er ist. Die Perücke geht am Ende des Abends wieder ab und dann bin ich auch wieder ein Mann."

Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass der Großteil der öffentlichen Beiträge in den sozialen Medien sich nicht gegen die Casting-Teilnehmerinnen richtet oder persönlich werden.

Am Donnerstagabend kämpfen die Drag-Queens ab 20.15 Uhr auf ProSieben wieder um die Gunst der Jury. Zum Motto "Horror und Halloween" müssen sie neben Heidi Klum, Conchita Wurst und Bill Kaulitz auch Gast-Jurorin La Toya Jackson überzeugen. Das Ex-Playboy-Model ist eine der Schwestern des 2009 verstorbenen "King of Pop" Michael Jackson.

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