R. Kelly-Konzert in Hamburg: Absage wegen Missbrauchsvorwürfen?

Hamburg - Eigentlich soll R. Kelly (52) am 14. April in der Alsterdorfer Sporthalle in Hamburg eines von zwei Konzerten in Deutschland geben. Doch gegen den Auftritt des Superstars regt sich Widerstand. Eine Petition fordert, ihm wegen Missbrauchsvorwürfen keine Bühne zu geben.

Sänger R. Kelly bei einem Auftritt.
Sänger R. Kelly bei einem Auftritt.  © dpa/AP/Invision/Frank Micelotta

Gegen R. Kelly gab es in den vergangenen Jahren viele Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, eine strafrechtliche Verurteilung gibt es allerdings nicht.

Dem US-Sänger gelang währenddessen ein kommerzieller Erfolg nach dem anderen.

Nun scheint sich das Blatt zu wenden, seitdem in der sechsteiligen Fernsehdokumentation "Surviving R. Kelly" Betroffene, seine Ex-Frau, Ex-Freundinnen, ehemalige Mitarbeiter und Weggefährten von R. Kelly auspacken.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Von Freiheitsberaubung, Körperverletzung und sexuellem Missbrauch ist die Rede.

Demnach soll R. Kelly seit den 1990er-Jahren auch gezielt minderjährige Mädchen unter seinen Konzertbesucherinnen ausgesucht haben, um mit ihnen Sex zu haben.

Aktivisten fordern am Sitz des Konzerns Sony Music in New York, dass dessen Label RCA seine Zusammenarbeit mit dem Sänger beendet.
Aktivisten fordern am Sitz des Konzerns Sony Music in New York, dass dessen Label RCA seine Zusammenarbeit mit dem Sänger beendet.

Bereits im Sommer 2017 sorgte ein "Buzzfeed"-Bericht über einen mutmaßlichen "Sex-Kult" Kellys für Aufsehen (TAG24 berichtete).

Der schlimmste Vorwurf: Wie Sklavinnen müssten die Frauen dem Superstar für sexuelle Handlungen aller Art zur Verfügung stehen.

Das Label RCA, das Sony Music gehört, hat jetzt auf die schweren Anschuldigungen reagiert und dem dreifachen Grammy-Gewinner die Zusammenarbeit gekündigt. Mehrere US-Radiosender haben seine Musik aus dem Programm verbannt.

Unter dem Hashtag #MuteRKelly sammelt sich die Protestbewegung gegen R. Kelly.

Inzwischen gibt es mit #RKellystummschalten einen deutschen Ableger, der mit einer Petition die zwei Konzerte am 12. April in Ludwigsburg und am 14. April in Hamburg verhindern will.

Mehr als 3.500 Menschen haben bereits unterschrieben.
Die Alsterdorfer Sporthalle wird vielseitig genutzt.
Die Alsterdorfer Sporthalle wird vielseitig genutzt.  © dpa/Axel Heimken

Prominente Unterstützung kommt vom Hamburger Rapper Samy Deluxe (41), der seine Fans zum Unterschreiben aufruft.

"Hamburg ist eine sehr politische Stadt mit hohem Political-Correctness-Anspruch", schreibt Samy in seiner Instagram-Story. Das habe bereits dazu geführt, dass viele Reggae-Künstler wegen ihrer homophoben Texte nicht in der Stadt spielen durften. Angesichts der Missbrauchsvorwürfe gegen R. Kelly sollte die Sache also klar sein.

Der Ticketverkauf geht aber weiter; bisher sieht alles so aus, als ob die Auftritte wie wie geplant stattfinden. Wie die taz berichtet, sollen die Veranstalter nicht auf die Frage reagiert haben, ob es Überlegungen gäbe, die Konzerte abzusagen.

Letzte Hoffnung: Die Alsterdorfer Sporthalle wird vom Bezirksamt Hamburg-Nord betrieben. Möglich, dass der zunehmende öffentliche Druck und die Vorwürfe gegen R. Kelly dort zu einem Umdenken führen.

Update, 21.08 Uhr:

Die Resonanz auf die Petition ist groß. Inzwischen haben sie mehr als 18.000 Menschen unterschrieben. Vom Veranstalter gibt es weiterhin keine Neuigkeiten.

Update, 25. Januar, 16.40 Uhr:

Das Bezirksamt Hamburg-Nord hat den Vertrag mit dem Veranstalter für das Konzert in der Sporthalle abgeschlossen. Damit sei die Behörde vertraglich gebunden, sagte ein Sprecher dazu.

Sie sehe derzeit auch keine rechtliche Handhabe, den Vertrag einseitig zu kündigen. "Es obliegt dem deutschen Veranstalter die Wertung, ob es opportun erscheint, das Konzert wie geplant am 14. April stattfinden zu lassen", hieß es weiter.

In die Hamburger Sporthalle passen dem Bezirksamt zufolge bis zu 7000 Besucher. Der Veranstalter der beiden Konzerte in Deutschland war bis Freitagnachmittag nicht zu erreichen.

Update, 28. Januar, 6.15 Uhr:

Fast 35.000 Menschen haben sich bis jetzt der Petition angeschlossen.

Titelfoto: dpa/AP/Invision/Frank Micelotta

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