Neue Protest-Welle soll Friedel54 doch noch retten

Stadtentwicklungssenatorin Kathrin Lompscher kündigte einen weiteren Vermittlungsversuch an.
Stadtentwicklungssenatorin Kathrin Lompscher kündigte einen weiteren Vermittlungsversuch an.

Berlin - Der Kiezladen Friedel54 in Berlin-Neukölln soll nach langem Tauziehen am 29. Juni geräumt werden.

Den Termin teilte Matthias Sandig, Sprecher des Laden-Kollektivs, am Dienstag unter Hinweis auf eine Ankündigung des Gerichtsvollziehers auf Facebook mit.

Seit 2015 wehrt sich der Laden mit allen Mittel gegen eine Kündigung des Mietvertrages. So haben Ende April etwas tausend linke Demonstranten gegen die Räumung des Kiezladens protestiert.

Stadtentwicklungssenatorin Kathrin Lompscher (55, Linke) und der Neuköllner Stadtbaurat Jochen Biedermann bedauerten die Entwicklung. "Eine Eskalation schadet allen Beteiligten", sagte Biedermann auf Anfrage.

Eine Sprecherin des Kammergerichts Berlin bestätigte den Räumungstermin.

Eskalation statt Stillschweigen. Proteste sollen das eigentlich besiegelte Schicksal abwenden.
Eskalation statt Stillschweigen. Proteste sollen das eigentlich besiegelte Schicksal abwenden.

Hintergrund sei ein Vergleich zwischen den beiden Streitparteien vom 20. Oktober 2016. Damals habe sich der Trägerverein des Kiezladens - vertreten durch zwei Vorstände - freiwillig verpflichtet, zum 1. April aus den Räumen auszuziehen.

Der Verein will nun aber laut Sander erneut gegen die Räumung mobil machen. "Berlin erwartet auf jeden Fall ein heißer Juni", erklärte der Sprecher. "Wir werden nun erst recht lautstark und entschlossen dagegen protestieren, dass eine Luxemburger Briefkastenfirma einen alteingesessenen und unkommerziellen sozialen Raum in Neukölln räumen lässt."

Ursprünglich hatten die Bewohner das Haus an der Friedelstraße 54 im vergangenen Jahr von dem damaligen Besitzer übernehmen wollen - ihnen drohten massive Mieterhöhungen.

Kurz vor Abschluss der Verhandlungen verkaufte der Wiener Immobilieninvestor das Anwesen dann aber überraschend doch an einen anderen kommerziellen Nutzer, der nun die Kündigung des Kiezladens durchsetzen will.


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