Cartoonist Ralph Ruthe prangert Sexismus in der westlichen Gesellschaft an

Bilder wie diese sieht der Bielefelder Cartoonist mittlerweile mit anderen Augen.
Bilder wie diese sieht der Bielefelder Cartoonist mittlerweile mit anderen Augen.

Bielefeld - Seitdem der Bielefelder Cartoonist Ralph Ruthe (45) Vater ist, habe sich nicht sehr viel verändert, sagt er. Eine Sache gibt es dann aber doch, die er in dem einen Jahr, die seine Zwillinge schon auf der Welt sind, bemerkt hat.

Emmi und Lilli heißen seine beiden Mädchen, die er "unendlich und für immer" liebt, wie er auf Facebook schreibt. "Was ich nicht so sehr erwartet habe ist, wie sehr sich der Blickwinkel als weiße männliche Hete verändert."

Seitdem seine Kinder da sind, geht er nämlich mit dem heiklen Thema Sexismus anders um: "Man guckt nicht mehr einfach nur so auf das Heck des LkW auf der Autobahn vor einem, wo sich eine halbnackte Frau in Unterwäsche sexy über Autoreifen räkelt und denkt 'Die sieht ja geil aus'."

Zwar tue er das immer noch gelegentlich, "[a]ber eben nicht mehr nur und viel kürzer als früher". Gleichzeitig fragt er sich: "Werden meine Töchter so etwas sehen und denken, dass Sie auch immer schlank und sexy sein müssen?"

Viel mehr scheint ihn allerdings die Frage zu bewegen, welche Rolle er dabei in Zukunft eventuell spielen wird: "Was werde ich ihnen sagen, wenn sie mich fragen, warum da nicht ein Mann auf den Autoreifen liegt? Wie werde ich ihnen erklären, dass Mädchen und Jungs in unserer Gesellschaft nicht gleichgestellt sind?

Ralph Ruthe wurde vor fast einem Jahr Vater von zwei Zwillings-Mädchen.
Ralph Ruthe wurde vor fast einem Jahr Vater von zwei Zwillings-Mädchen.

Was werde ich ihnen sagen, warum die Hauptdarsteller in den meisten Kinderbüchern männlich sind? Was werde ich ihnen sagen, warum die meisten der Figuren in MEINEN Videos männlich sind?"

Die letzte Frage scheint leicht zu beantworten zu sein: Immerhin synchronisiert er seine Charaktere selbst. Trotzdem will er sich nicht rausreden. Denn er sieht immer noch große Diskrepanzen zwischen Männern und Frauen - und das "in unserer ach so gleichberechtigten westlichen Gesellschaft".

Um AfD-Anhängern direkt den Wind aus den Segeln zu nehmen, stellt er klar, dass es Sexismus auch schon VOR der Flüchtlingswelle kam. Schon davor seien "Mädchen mitten in Deutschland jeden Tag sexistischen Sprüchen und körperlichen Übergriffen ausgesetzt" gewesen.

Er prangert an, dass Frauen und Mädchen das in der Öffentlichkeit genauso passieren kann wie "in ihrer eigenen Familie". Seit er seine beiden Mädchen hat, versucht er, seinen Blick zu ändern.

Deshalb wendet er sich mit einer Bitte an seine männlichen Leser, die Väter von Jungs sind: "erzieht eure Kinder bitte so, dass sie meine Töchter als andere Person sehen. Nicht als ein Objekt, das später mal auf einem Stapel Autoreifen liegt. Damit wäre schon ein riesengroßer Schritt in die richtige Richtung getan."

Von seinen Fans wird der 45-Jährige für diese Worte gefeiert. "Danke, dank, danke! Deine Damen können sich glücklich schätzen! Mit Dir als Mann und Papa" ist nur eines der positiven Feedbacks.


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