"Rambo 5: Last Blood": Stallone sinnt in brutalem Action-Gemetzel auf Rache!

Dresden - Brutales Action-Fest! In "Rambo: Last Blood" von Regisseur Adrian Grunberg ("Get the Gringo") geht es ordentlich zur Sache. Kein Wunder, dass der fünfte Teil der Kultreihe erst ab 18 Jahren freigegeben ist.

John Rambo (Sylvester Stallone) meldet sich freiwillig als Sturmhelfer und rettet einem Mädchen durch seinen beherzten Einsatz das Leben.
John Rambo (Sylvester Stallone) meldet sich freiwillig als Sturmhelfer und rettet einem Mädchen durch seinen beherzten Einsatz das Leben.  © PR/Lionsgate

Schon der Vorgänger war hinsichtlich der Kampfszenen und Finishing Moves heftig. "Last Blood" setzt in dieser Hinsicht aber sogar noch einen drauf.

Danach sieht es im ersten Drittel des Filmes überhaupt nicht aus. Zwar wird zu Beginn die Urgewalt eines Sturmes gezeigt, in dem Rambo (Sylvester Stallone) ein Teenager-Mädchen vor dem sicheren Tod bewahrt, aber dennoch niedergeschlagen ist, weil er ihre Eltern nicht retten konnte.

Doch anschließend kehrt er auf seine Ranch zurück, wo er mittlerweile Farmer ist und sich mit seiner Gehilfin und guten Freundin Maria Beltran (Adriana Barraza) in Ruhe um alles kümmert - auch um die Pferde.

Dabei hilft ihnen Marias Enkelin Gabrielle (Yvette Monreal). Allerdings nicht mehr lange. Denn sie will studieren gehen. Trotz seines in dieser Phase entspannten Lebens ist John natürlich weiterhin auf alle Unwägbarkeiten vorbereitet. So hat er unterhalb der Farm ein riesiges Tunnelsystem aufgebaut und hält es instand.

In der Folge rückt die unschuldige Gabrielle in den Mittelpunkt: Als sie einen Anruf ihrer langjährigen Freundin Jezel (Fenessa Pineda) bekommt, ändert sich für die 17-Jährige alles. Denn Jezel hat herausgefunden, wo Gabs Vater in Mexiko lebt. Er ließ Gab und ihre Mutter vor vielen Jahren in der Stunde der Not im Stich und kam nie wieder.

"Rambo: Last Blood" ist der härteste Film der Reihe

Sie führen den Ring der Menschenhändler an: Hugo (l., Sergio Peris-Mencheta) und Victor Martinez (M., Oscar Jaenada) sind für Rambo harte Gegner.
Sie führen den Ring der Menschenhändler an: Hugo (l., Sergio Peris-Mencheta) und Victor Martinez (M., Oscar Jaenada) sind für Rambo harte Gegner.  © PR/Universum Film GmbH

Obwohl Rambo und Maria sie nicht gehen lassen wollen, haut Gabrielle ab und fährt über die Grenze nach Mexiko. Ihr Vater weist sie dort überdeutlich ab.

Also lässt sie sich niedergeschlagen von Jezel in einen Club schleifen, wo ihr ein Mann K.-o.-Tropfen in den Drink schüttet. Als sie aufwacht, ist sie von einem brutalen Menschenhändlerring entführt worden, der sie für viel Geld als Prostituierte verkaufen will.

Jezel ruft bei Maria an und sagt ihr, dass Gabrielle verschwunden ist. Die gibt es an Rambo weiter, der sich wutentbrannt nach Mexiko aufmacht.

Von da an entwickelt sich ein Action-Film für Erwachsene, der brachialer nicht sein könnte. Wenn Rambo etwa einen mexikanischen Gangster für eine Information mit Messerstichen traktiert, ihm dann langsam einen Knochen bricht und das Blut in Strömen läuft, hält die Kamera voll drauf.

Ob die Darstellung wirklich so explizit sein müsste oder das schon jenseits der Grenze zur Gewaltverherrlichung ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Anschließend wird es in dieser Hinsicht übrigens nicht besser, dafür aber stellenweise unfreiwillig komisch.

Denn die Spezialeffekte sind gerade während des großen Finales auf so schlechtem Niveau, dass man teilweise ungläubig auflachen muss. Wenn ein Pfeil sich in den Körperteil eines Gegners bohrt, ist sofort zu erkennen, dass es sich hier um einen (extrem billigen) Computereffekt handelt. So stehen die CGI-Effekte in krassem Kontrast zu den mitreißend choreografierten Kämpfen.

"Rambo: Last Blood" fehlt die Ausgewogenheit

Eine Entscheidung verändert ihre Welt für immer: Gabrielle (Yvette Monreal) fährt nach Mexiko, um ihren Vater zur Rede zu stellen.
Eine Entscheidung verändert ihre Welt für immer: Gabrielle (Yvette Monreal) fährt nach Mexiko, um ihren Vater zur Rede zu stellen.  © PR/Universum Film GmbH

Allgemein fällt auf, dass "Last Blood" die Ausgewogenheit fehlt. Während anfangs viel Wert auf die Geschichte gelegt wird und man erfreut feststellen kann, dass Rambo wie auch Stallones anderer Kultcharakter Rocky Balboa etwas Altersweisheit hinzugewonnen hat, werden gerade im zweiten Drittel viele Wendungen nicht vorbereitet.

So fehlt dem Film teilweise die Glaubwürdigkeit, denn es wurden beispielsweise weder Gabrielles Vater, noch ihre Freundin Jezel vorgestellt, was Gabs abrupten Aufbruch nach Mexiko zumindest zweifelhaft erscheinen lässt, wirkte sie zuvor doch reflektiert und schlau.

Weshalb Rambo es ihr und Freunden außerdem erlaubt, in seinen geheimen Tunneln eine Party zu feiern, bleibt wie auch einige weitere Szenen im späteren Verlauf nebulös.

Dazu kommt, dass die Episode im Mexiko qualitativ abfällt. Gerade Pineda überzeugt in ihrer nervigen Rolle überhaupt nicht. Auch Story, Drehbuch und Schnitt weisen in dieser Phase Schwächen auf, sodass man emotional nicht mitgeht und sich langweilt.

Hier fällt auf, wie sehr Stallone als Action-Held den Rest des Filmes trägt. Sobald er wieder im Mittelpunkt steht, ist das Niveau deutlich höher, nimmt er das Publikum mit auf eine kurzweilige Reise an die dunkelsten Orte der menschlichen Seele. Ob in den nachdenklichen oder actionreichen Sequenzen: Der 73-Jährige rockt "Last Blood" mit seiner Ausstrahlung, großen körperlichen Präsenz und seinen grimmigen Blicken.

Negative Gefühle der titelgebenden Figur in "Rambo: Last Blood" sehr gut dargestellt

Sinnt auf Rache: John Rambo (Sylvester Stallone) rüstet sich für seinen nächsten Krieg.
Sinnt auf Rache: John Rambo (Sylvester Stallone) rüstet sich für seinen nächsten Krieg.  © PR/Universum Film GmbH

Auch die Weiterentwicklung des Charakters John Rambo sorgt für Freude. Der ist bei weitem nicht mehr so wortkarg, wie noch in den ersten vier Filmen.

Er spricht hier sogar mehr, als in den vier vorangegangenen Werken zusammen. Dazu ist seine Figur noch tragischer angelegt als bisher. Den Glauben in die Menschheit hat er im hohen Alter fast komplett verloren.

Gabrielle ist daher das einzige Licht in seinem sonst trüben und von Schuldgefühlen geplagten Leben. Diese tiefschürfenden Aspekte der Geschichte überzeugen ebenso, wie der Umgang mit Trauer, Wut und vielen anderen negativen Gefühlen, die sich in Rambo über die Jahrzehnte angestaut haben.

So hat der Actioner durchaus Tiefgang - aber eben nicht über die gesamte Dauer von 101 Minuten, denn dafür schwankt das Niveau zu sehr. Grunberg gelingt es nicht, das gesamte Potenzial der Geschichte zu entfalten und sein Werk auszubalancieren.

So sorgt auch die pathetische Musikuntermalung nicht für große Stimmung. Dafür sind die detailreichen Locations, die exzellenten Kostüme und vor allem das großartige Make-up Stärken.

"Rambo: Last Blood" ist ein guter Actionfilm geworden, dem allerdings die Balance fehlt. Regisseur Grunberg erweist sich nicht als die beste Wahl. Auch die billigen Spezialeffekte überzeugen nicht. Ganz im Gegensatz zu den brachialen Kämpfen. Dazu rockt Stallone in der titelgebenden Hauptrolle, auch viele Aspekte von Rambos Geschichte sind interessant und gutklassig.

 Sylvester Stallone sinnt als John Rambo in "Last Blood" auf Rache.
Sylvester Stallone sinnt als John Rambo in "Last Blood" auf Rache.  © PR/Universum Film GmbH

Titelfoto: PR/Universum Film GmbH

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