Tödliche Raserei: Kommt jetzt PS-Limit für junge Leute?

Bei diesem Raserunfall kam eine Frau unverschuldet in Bremen ums Leben.
Bei diesem Raserunfall kam eine Frau unverschuldet in Bremen ums Leben.

Dresden - Gefährden halbstarke Möchtegern-Rennfahrer die Sicherheit auf unseren Straßen? Nach Meinung der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPoIG) schon. Und deshalb fordert sie eine PS-Obergrenze.

"Das könnte junge Autofahrer vom Rasen abhalten", meint DPoIG-Bundesvorstandsmitglied Erich Rettinghaus gegenüber der Rheinischen Post.

So wäre es denkbar, dass junge Leute bis zur Vollendung des 24. Lebensjahres nur Autos mit bis zu 136 PS (100kw) fahren. Wer sich nicht dran hält, dem soll der Führerschein entzogen werden.

Und das scheint auch dringend nötig, denn auf deutschen Straßen wird schnell, oft viel zu schnell gefahren. 100 oder 150 Stundenkilometer in geschlossener Ortschaft - die Polizeiarchive sind voll von derartigen Negativ-Rekorden.

Dabei bringen sich die Chaoten nicht nur selbst in Lebensgefahr, sondern auch und gerade völlig Unbeteiligte. Bielefeld, Köln und jetzt auch Bremen sind traurige Beispiele dafür.

2005 überholte ein Fahrer auf der Kesselsdorfer Straße in Dresden mehrere Fahrzeuge, kam ins Schleudern und raste einen Jungen (15) auf dem Gehweg tot.
2005 überholte ein Fahrer auf der Kesselsdorfer Straße in Dresden mehrere Fahrzeuge, kam ins Schleudern und raste einen Jungen (15) auf dem Gehweg tot.

Erst in der Nacht zu Sonntag rasten zwei Autos mit Tempo 90 nebeneinander durch Bremen, wobei ein Fahrer einer anderen Autofahrerin (52) frontal auf ihrer Spur entgegenkam. Beim Ausweichversuch prallte sie gegen einen Baum und anschließend eine Straßenlaterne. Sie starb noch an der Unfallstelle.

"Das ist eine organisierte Form", sagt der Frankfurter Verkehrssoziologe Alfred Fuhr, der die Szene der illegalen Straßenrennen eine Weile aus der Nähe beobachtete.

Was sind das für Menschen, die oft ohne Rücksicht auf Verluste aufs Gas drücken? "Man hat es nicht mit Asozialen zu tun, sondern mit Spezialisten, die eine gewisse Begeisterung haben für Autos und Motoren, aber auch für das Katz- und Maus-Spiel mit der Polizei und den Ordnungskräften", versucht Fuhr eine Erklärung.

Schauspieler Paul Walker raste 2013 in den Tod.
Schauspieler Paul Walker raste 2013 in den Tod.

Auch Köln hat da einen traurigen Ruf. Drei Unbeteiligte sind in den vergangenen Monaten in der Stadt am Rhein durch illegale Autorennen ums Leben gekommen - das ist beispiellos in Deutschland.

Auch die Sächsische Schweiz war früher ein beliebtes Rasergebiet, vor allem die Serpentien um Hohnstein. Doch seit einem Umbau 2012 mit Rüttelstreifen ist es ruhiger geworden.

Polizeisprecher Thomas Geithner meinte gegenüber der Sächsischen Zeitung, dass seit 2013 keine illegalen Autorennen mehr festgestellt wurden.

Längst hat auch Hollywood die Faszination PS erkannt. In "The Fast and the Furious" zeigte eine ganze Filmreihe den Protagonisten Paul Walker auf der Leinwand. Er starb 2013 ausgerechnet in einem Porsche, dem vielleicht deutschesten Symbol der PS-Liebe.

Dem Polizeibericht zufolge war der Unglückswagen bis zu 149 Stundenkilometer schnell gefahren. Damit war der schwäbische Sportwagen doppelt so schnell unterwegs wie am Unfallort im kalifornischen Santa Clarita erlaubt.

Fotos: dpa; Roland Halkasch


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