Hitlergruß und rassistische Beleidigungen: Bulgarien gegen England mehrfach unterbrochen!

Sofia - Eigentlich war es, aus englischer Sicht, ein großes Fußballfest im bulgarischen Sofia. Die "Three Lions" schossen die Bulgaren vor eigener Kulisse mit 6:0 ab und sich den Frust von der Seele nach der Pleite gegen die Tschechen am Freitag (1:2). Doch das, was sich auf den Rängen abspielte, wirft einen ganz dunklen Schatten auf die Partie.

War in vielerlei Hinsicht Mann des Spiels: Raheem Sterling. Hier im Duell gegen Bulgariens Kamen Hadzhiev.
War in vielerlei Hinsicht Mann des Spiels: Raheem Sterling. Hier im Duell gegen Bulgariens Kamen Hadzhiev.  © Vadim Ghirda/AP/dpa

Spätestens nach 32 Minuten waren die sportlichen Messen eigentlich gelesen. Nach dem frühen Führungstreffer von Man Uniteds Marcus Rashford (7.) sorgte Ross Barkley nach etwas über einer halben Stunde dank seines Doppelpacks (20., 32.) für klare Verhältnisse. Mit dem Pausenpfiff beseitigte Raheem Sterling mit dem 4:0 so gut wie alle Zweifel.

Doch so sicher die Führung bereits zur Halbzeit war, so unsicher ist gewesen, ob das Spiel tatsächlich die vollen 90 Minuten laufen würde. Grund hierfür waren vermehrte rassistsiche Äußerungen von den Fans auf den Rängen!

Der kroatische Schiedsrichter Ivan Bebek unterbrach die Partie im ersten Durchgang bereits zwei Mal. In der 28. Minute ging Englands Spielführer Harry Kane (25) zum Unparteiischen, nachdem ihm sein dunkelhäutiger Mitspieler Tyrone Mings auf die wiederholten Affenlaute, insbesondere gegen ManCity-Stürmer Raheem Sterling (24), aufmerksam machte.

Der Kroate unterbrach die Partie folglich. Nach wenigen Minuten und einer Durchsage des Stadionsprechers wurde die Partie letztlich fortgesetzt. Nachdem die Chaoten auf den Rängen sich nicht belehren ließen, folgte in Minute 43 eine erneute Spielunterbrechung.

Sterling antwortet sportlich auf Rassismus-Eklat

Kein Kommentar.
Kein Kommentar.  © Screenshot/Twitter @yetzup

Und so war es nach erneutem Wiederanpfiff ebenjener Raheem Sterling, der in der 45. Minute die 4:0-Pausenführung für die Engländer erzielte. Ausgerechnet Sterling. Bis dahin wurde der 24-Jährige bei nahezu jedem Ballkontakt beschimpft und ausgepfiffen. Einige Zuschauer zeigten gänzlich unverfröhnt den Hitlergruß.

Unterstützung bekam Sterling von den Fans der "Three Lions". Diese stimmten infolge des beschämenden Verhaltens der Bulgaren ihre Nationalhymne "God Save The Queen" an, um ihre Einheit zu repräsentieren.

Sterling wurde in der 73. Minute gegen den Dortmunder Jadon Sancho (19) ausgewechselt, nachdem er vier Minuten zuvor mit seinem zweiten Treffer am Abend noch das 5:0 erzielte. Harry Kane machte in Minute 85 dann das halbe Dutzend voll. Auch wenn das Ergebnis ein Grund zum Feiern war, war die Stimmung nach den Spiel etwas bedrückt.

Der englische Verband "FA" reagierte auf Twitter im Anschluss mit Empörung über das Verhalten der bulgarischen Fans und rief die UEFA auf den Plan, sich mit den Vorfällen eingehend zu beschäftigen.

Ex-Stuttgarter Balakov leugnet Vorfälle

Bulgarien-Trainer Krassimir Balakov hat seine eigene Sicht der Dinge.
Bulgarien-Trainer Krassimir Balakov hat seine eigene Sicht der Dinge.  ©  Sebastian Kahnert dpa/lbn

Indes stellte sich der ehemalige Bundesliga-Akteur des VfB Stuttgart, Krassimir Balakov, vor seine Landsleute. Der bulgarische Nationaltrainer stritt gemeinsam mit seinem Verband bereits vor der Partie ab, dass man in dem Balkan-Staat ein Rassismus-Problem habe, viel eher hätte man auf der Insel mit so etwas zu kämpfen.

Und auch nach dem Spiel äußerte er sich diesbezüglich: "Ich habe keine Beschimpfungen gehört, das inakzeptable Verhalten kam nur von Englands Fans, die unsere bulgarische Nationalhymne ausgepfiffen haben und dann unsere Fans beleidigt haben", so der 236-malige Bundesliga-Spieler.

Sein Kapitän Ivelin Popov war allerdings nicht seiner Meinung. Popov suchte noch in der Halbzeit das Gespräch mit den bulgarischen Fans und forderte sie auf, dieses Verhalten zu unterlassen.

Sterling selbst reagierte via Twitter auf die Aussagen des Bulgaren-Coaches, schrieb: "Hmmm.... da bin ich mir nicht sicher Chef" und verlinkte dessen Aussage unter dem Post.

In der EM-Quali-Gruppe A liegen die Engländer nun mit 15 Punkten aus sechs Spielen an der Spitze. Gruppenzweiter sind die Tschechen. Bulgarien liegt gemeinsam mit Montenegro mit je drei Zählern auf den letzten beiden Rängen vier und fünf.

Update 13.42 Uhr: Inzwischen hat sich auch Bulgariens Regierungschef Boiko Borissow zu Wort gemeldet und den Rücktritt des Präsidenten des bulgarischen Fußballverbandes, Borisslaw Michailow, gefordert.

"Es ist unzulässig, dass Bulgarien, das einer der tolerantesten Staaten der Welt ist, wo Menschen unterschiedlicher Ethnien und Religionen in Frieden leben, mit Rassismus und Fremdenhass verbunden wird", so sein Statement via Facebook.

Bis es soweit ist und Michailow zurücktritt, will der Regierungschef sowohl finanzielle Mittel für den Verband kürzen, als auch sämtliche Beziehungen zwischen der Politik und Fußball auf Eis legen.

Inzwischen hat auch Michailow reagiert: Er möchte seinen Posten behalten und ist der Meinung, der Staat habe kein Recht ihn zu einem Rücktritt zu drängen, wie ein Verbandssprecher mitteilte.

Update 16.08 Uhr: Jetzt ging es ganz schnell! Borisslaw Michailow hat am frühen Dienstag-Nachmittag seinen Rücktritt eingereicht. Dieser soll am Freitag den Mitgliedern des Exekutivkomitees bei einer Tagung vorgelegt werden.

Schiedsrichter Bebek im Gespräch mit Harry Kane und dem vierten Offiziellen. Kurz darauf unterbricht der Unparteiische die Partie.
Schiedsrichter Bebek im Gespräch mit Harry Kane und dem vierten Offiziellen. Kurz darauf unterbricht der Unparteiische die Partie.  © Nick Potts/PA Wire/dpa

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