Nach Rassismus-Skandal: Zentralrat kritisiert Schubladen-Denken

Die Stadt Lasi, 20 Kilometer vor der Grenze Moldawiens, gilt als Schule des Taschendiebstahls. Von dort sollen sich vor allem Roma nach Deutschland aufmachen. (Symbolbild)
Die Stadt Lasi, 20 Kilometer vor der Grenze Moldawiens, gilt als Schule des Taschendiebstahls. Von dort sollen sich vor allem Roma nach Deutschland aufmachen. (Symbolbild)  © dpa (Symbolbild)

Berlin - Der Tag der offnen Tür im Bundesinnenministerium am vergangenen Wochenende wird überschattet von einem Rassismus-Vorwurf bei der Bundespolizei. Ein Beamte soll bei einem Vortrag Roma als "Verbrecher" bezeichnet haben, wie TAG24 berichtete.

So soll der Beamte bei einem Vortrag mit dem Titel "Vorsicht Langfinger! Wie Taschendiebe tricksen und Sie Ihnen die kriminelle Tour erfolgreich vermiesen können!" die mutmaßlichen Äußerungen getätigt haben. Roma seien als "Verbrecher-Clans organisiert" und ziehen als "kriminelle Großfamilien durch Europa", wie es aus einer Mitteilung des Zentralrats hervorgeht.

Der Bundespolizist gilt als "absoluter Fachmann" aus dem Gebiet des Taschendiebstahls, wie die B.Z. berichtet. Er ist als langjähriger Ermittler in einer Anti-Taschendiebstahl-Einheit der Berliner Bundespolizei tätig.

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der Sinti und Roma, bei einer Symposiumeröffnung in Karlsruhe.
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats der Sinti und Roma, bei einer Symposiumeröffnung in Karlsruhe.  © dpa (Symbolbild)

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates, verurteilt die Äußerungen des Polizisten als "unerträglich und gleichzeitig als einen Spiegel des noch immer tiefverwurzelten antiziganistischen Denkens in einigen deutschen Polizeibehörden".

Er sei schockiert darüber, wie ein "derart rassistischer Vortrag" im Bundesinnenministerium gehalten werden konnte, schließlich beschädige er "nicht nur die Polizei in Deutschland", sondern das generelle Ansehen von demokratischen Gehörden, die dem Rechtsstaat verpflichtet sind.

Am Donnerstagabend folgte eine gemeinsame Pressemitteilung von Bundespolizei und Zentralrat.

Kollege des beschuldigten Beamten können die Kritik nicht nachvollziehen. (Symbolbild)
Kollege des beschuldigten Beamten können die Kritik nicht nachvollziehen. (Symbolbild)  © dpa (Symbolbild)

Der Präsident der Behörde, Dieter Romann, erklärte, "dass selbstverständlich die Staatsbürgerschaft eines jeden Bürgers nicht dadurch in Frage gestellt werden darf, in dem die Abstammung zum Kriterium der polizeilichen Arbeit gemacht wird."

Währenddessen schütteln erfahrene Ermittler den Kopf. "Der Kollege hat nur berichtet, womit er bei seiner täglichen Arbeit konfrontiert wird. Das kann man nun mal nicht minderheitenfreundlich verpacken", so ein LKA-Beamter zur B.Z..

Schließlich sei es Fakt, dass die meisten festgenommenen Taschendiebe aus Rumänien stammen.


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