Rathaus vergisst Familie im geplanten Asylheim

In der Großenhainer Straße 61 und 63 plant die Stadt ein Asylheim. Doch dort wohnt noch eine vergessene Familie, die um ihre Sicherheit bangt.
In der Großenhainer Straße 61 und 63 plant die Stadt ein Asylheim. Doch dort wohnt noch eine vergessene Familie, die um ihre Sicherheit bangt.

Von Dominik Brüggemann

und Andrzej Rydzik

Dresden - Das Rathaus will die Gebäude Großenhainer Straße 61 und 63 als Asylheim mieten (MOPO berichtete). Jetzt stellt sich heraus: Eines der Häuser steht nicht leer, obwohl die Stadt das gesamte Objekt zügig mit 65 Flüchtlingen belegen will.

Eine Dresdner Familie wohnt noch in einer der Wohnungen ... Hat die Verwaltung die Mieter übersehen, als ihr das Angebot der Immobilien-Firma B[&]E GbR unterbreitet wurde?

Die Stadt will die beiden Häuser für zehn Jahre anmieten, ist bereit, eine Kaltmiete von 10 Euro pro Quadratmeter zu zahlen. Jährliche Kosten: rund 257 000 Euro.

Von der Behörde nicht einkalkuliert war offenbar, dass in dem angeblich freien Objekt noch eine Dresdner Familie lebt. Für 350 Euro kalt wohnen hier Student Tobias W., seine Frau und ihre beiden Kleinkinder auf 85 Quadratmeter.

Jetzt fürchtet Tobias W. um die Sicherheit seiner Familie: „Angst habe ich in erster Linie nicht vor den Flüchtlingen. Angst habe ich vor ständigen Protesten, vor möglichen Anschlägen von Asylgegnern.“

Die Ortsräte in Pieschen stimmten nach längerer Diskussion dem künftigen Asylheim zu.
Die Ortsräte in Pieschen stimmten nach längerer Diskussion dem künftigen Asylheim zu.

Den Umzug in eine andere Wohnung aber kann sich der Student nicht leisten.

Der Familienvater wandte sich in seiner Not an sichtlich betroffene Ortsräte: „Von der Situation war ich vollkommen überrascht - wie alle anderen“, so Stefan Engel (SPD).

Am Dienstagabend wurde OB Dirk Hilbert (44, FDP) in der öffentlichen Sitzung des Ortsbeirats damit konfrontiert.

Der OB: „Wir hatten ihren Fall in der Dienstbesprechung. Die Sozialbürgermeisterin, Frau Dr. Kaufmann, wird mit Ihnen persönlich eine Lösung suchen.“

Wie die konkrete Hilfe aussieht, wird sich noch vor der Stadtratssitzung am Donnerstag zeigen. Dann wird über das Asylheim Großenhainer Straße entscheiden.

Gegen seinen Vermieter erhebt Tobias W. schwere Vorwürfe: „Er hat uns und die Stadt hinters Licht geführt.“

Die anbietende Immobilien-Firma war gestern für die Morgenpost nicht erreichbar.

Tobias W. und seine Familie sollen im künftigen Asylheim wohnen. Er stellte den Räten und dem Oberbürgermeister seine Ängste dar.
Tobias W. und seine Familie sollen im künftigen Asylheim wohnen. Er stellte den Räten und dem Oberbürgermeister seine Ängste dar.

Fotos: Thomas Türpe


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