Schon vier Tote in dieser Saison! Ist das Klettern in der Sächsischen Schweiz noch sicher?

Rathen - Mit dem abgestürzten Kletterer (†34) am Gansfelsen (TAG24 berichtete) verloren seit März schon vier Menschen ihr Leben in der Sächsischen Schweiz. Zudem wurden mutwillig Sicherungsringe und Wegemarkierungen zerstört. Und bröckelnde Felsteile mussten sogar gesperrt werden. Ist das Klettern im Elbsandsteingebirge noch sicher?

Auf dem Gipfel Johanniswacht: Klettern in der Sächsischen Schweiz ist beliebt.
Auf dem Gipfel Johanniswacht: Klettern in der Sächsischen Schweiz ist beliebt.  © Mike Jäger

Ja, es gebe mehr Tote als im Vorjahr, bestätigt Wido Woicik (54), Bergwacht-Einsatzleiter und Sicherheitsexperte des Sächsischen Bergsteigerbundes (SBB).

"Schwankungen der Opferzahlen sind aber normal. Der diesjährige Anstieg liegt an den günstigen Witterungsbedingungen, da dann auch mehr geklettert wird."

24 Sicherungsringe und 450 Markierungen auf Wegen wurden 2019 zerstört. Die Polizei konnte bislang aber keine Täter ausfindig machen. Offenbar wollen die Zerstörer damit den Urzustand des Gebirges herstellen, der breiten Masse den Zugang zu Felsen erschweren.

"Diese Taten sind ärgerlich. Mit den Unglücksfällen haben sie aber nichts zu tun", so Woicik, der selbst für den SBB Sicherungsringe installiert. "Dennoch kann die Sabotage an Ringen für Kletterer lebensgefährlich werden."

Sein Tipp: Meist sieht man zerstörte Ringe von unten. Vorm Einstieg sollten Kletterer danach Ausschau halten, entsprechende Routen meiden.

Was bröckelnde Felsen wie die nicht mehr begehbare Basteiaussicht oder die im Juli gesperrte Felssäule der "Steinschleuder" angeht: "Das ist normal im Erosionsgebirge, gab's schon immer und im selben Maße auch in den Alpen", so der Experte.

Woiciks Fazit: "Klettern ist nicht unsicherer geworden. Hobby- und Profibergsteiger sollten sich nicht verunsichern lassen."

Schon vier Menschen kamen in diesem Jahr ums Leben.
Schon vier Menschen kamen in diesem Jahr ums Leben.  © Marko Förster
Nachdem sich eine acht Meter hohe Säule am Gipfel der Steinschleuder verschoben hatte, wurde das Klettern dort untersagt
Nachdem sich eine acht Meter hohe Säule am Gipfel der Steinschleuder verschoben hatte, wurde das Klettern dort untersagt  © Wido Woicik
Ein Sicherheitsrisiko: 24 Ringe wurden in diesem Jahr mutwillig beschädigt.
Ein Sicherheitsrisiko: 24 Ringe wurden in diesem Jahr mutwillig beschädigt.  ©  SBB
Kletterer und Sicherheitsexperte Wido Woicik (54) installiert für den Sächsischen Bergsteigerbund Sicherungsringe.
Kletterer und Sicherheitsexperte Wido Woicik (54) installiert für den Sächsischen Bergsteigerbund Sicherungsringe.  © Maik Börner

Titelfoto: Maik Börner, Marko Förster, Mike Jäger

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