Rattenjagd! Waffeneinsatz in der Kanalisation

Toni Seiler (25) kontrolliert die unterirdische Selbstschussanlage nahe des Rundkinos.
Toni Seiler (25) kontrolliert die unterirdische Selbstschussanlage nahe des Rundkinos.

Von Tom Schmidtgen

Dresden - Igitt! Mehr als zwei Millionen Ratten hausen im Untergrund von Dresden. Zwar bekommen nur wenige die Nager wirklich zu Gesicht. Doch sie sind da, leben bevorzugt unter Hotels und Gastwirtschaften, aber auch in ganz normalen Kanälen. Jetzt erprobt die Stadt eine neue Methode zur Rattenbekämpfung.

Mit 130 Stundenkilometern prasseln 14 Bolzen von oben auf den Nager ein. Das Tier hat keine Chance. Die Ratte wird zerschmettert.

Mithilfe von Bewegungs- und Temperatursensoren erfasst die „Anticimex SMART“ ein Tier und löst wie eine Art Selbstschussanlage sofort aus. In den ersten vier Testwochen immerhin 58 Mal, also etwa zwei Schuss und Treffer pro Tag.

Die Selbstschussanlage lässt Ratten keine Überlebenschance.
Die Selbstschussanlage lässt Ratten keine Überlebenschance.

„Wir hoffen, mit der neuen Technik Geld einzusparen“, erklärt Frank Lieber (56), der für über 1000 Kilometer Kanalisation bei der Stadtentwässerung zuständig ist.

Bisher wurden nämlich nur Giftköder ausgelegt. Das kostet jährlich gut 25.000 Euro.

Die Selbstschussanlagen (Ringstraße, Calvinstraße, Trompeterstraße, Pfotenhauerstraße) testet die Stadtentwässerung bis März in unterirdischen Abwasserrohren (20 bis 30 Zentimeter Durchmesser), dann wird entschieden.

Experte Lieber: „Voraussichtlich werden wir diese vier Geräte für je 1200 Euro pro Monat mieten.“

Herr über Dresdens Kanalnetz: Frank Lieber (56) hofft auf einen Erfolg der neuen Anlage.
Herr über Dresdens Kanalnetz: Frank Lieber (56) hofft auf einen Erfolg der neuen Anlage.

Ein GPS-Gerät sendet übrigens jeden ausgelösten Schuss sofort an die Rechner der Mitarbeiter.

Die Anlage spannt sich danach selbstständig neu.

Lieber: „Bei Giftködern wissen wir dagegen nie genau wie viele Tiere sterben.“

Die tote Ratte wird nach der Exekution übrigens weggespült und landet in der Kläranlage. Wenn nicht? „Ratten sind Kannibalen ...“

Fotos: Steffen Füssel


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