Terrorverdacht? Polizei-Razzia in Kfz-Werkstatt

Lübeck - Wegen des Verdachts der "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" haben Spezialkräfte der Polizei am Dienstagmorgen in Lübeck-Genin einen Gebäudekomplex durchsucht und mögliche Beweismittel beschlagnahmt.

Einsatzkräfte der Polizei durchsuchten eine Kfz-Werkstatt in Lübeck.
Einsatzkräfte der Polizei durchsuchten eine Kfz-Werkstatt in Lübeck.  © Rainer Jensen/dpa

"Wir hatten Waffen vermutet, aber keine gefunden", sagte die Sprecherin der für solche Delikte in Schleswig-Holstein zuständigen Flensburger Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwältin Stephanie Gropp. Festnahmen habe es nicht gegeben.

Ob die Sicherheitsbehörden von der Möglichkeit eines Terroranschlags ausgingen, ließ Gropp aus ermittlungstaktischen Gründen offen: "Es war kein konkretes Anschlagsziel bekannt."

Um 5.30 Uhr begann die Polizeiaktion mit der Durchsuchung des Gebäudekomplexes in Lübeck-Genin. Es handelt sich um ein Hofgelände mit Wohnungen und Geschäftsräumen. Beteiligt an der Razzia waren laut Gropp mehrere Einheiten der Polizei, darunter das SEK und der Bereitschaftsdienst der Polizei in Eutin. Die Leitung der Aktion hatte das Landeskriminalamt.

Mit Sturmhauben geschützte Sicherheitskräfte trugen aus dem Gebäudekomplex in einem Sack und einem Karton beschlagnahmte Unterlagen. "Wir müssen die Materialien noch auswerten und werden dann den Sachverhalt voraussichtlich besser bewerten können", sagte Gropp. Das Ermittlungsverfahren sei "noch nicht sehr alt".

Keinen Zusammenhang zu Festnahme von Syrer in Berlin

Die Polizisten trugen Beweismittel heraus.
Die Polizisten trugen Beweismittel heraus.  © Rainer Jensen/dpa

Nach einem Hinweis hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnet und Anhaltspunkte für den Straftatbestand mit dem etwas sperrigen Titel "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat" gesehen.

Ob der Hinweis von einer Sicherheitsbehörde oder von einem Tippgeber stammte, wollte Gropp aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen.

Nach ihren Angaben gibt es keinen Zusammenhang mit dem Fall des am Dienstag in Berlin festgenommenen Syrers. Der 26-Jährige soll Chemikalien zum Bau von Bomben gekauft haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte.

Laut Berliner Generalstaatsanwaltschaft soll der Syrer seit dem Frühjahr in einer Messenger-Gruppe, die der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) nahesteht, Anleitungen zum Bau von Waffen und zum Herstellen von Sprengstoff ausgetauscht haben.

Auf dem Hof in Lübeck-Genin befindet sich eine Kfz-Werkstatt mit Autohandel. Neben Angaben in deutscher Sprache sind an der Eingangstür auch Worte in arabischer Schrift. Gegen 9 Uhr sei die Razzia beendet worden, sagte Gropp.

Update, 16.04 Uhr: Innenminister äußert sich

Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) sagte, "unsere Sicherheitsbehörden gingen einem Hinweis nach, dass sich dort Personen in den Besitz von Schusswaffen gebracht haben sollen, um damit möglicherweise schwere Straftaten zu verüben. (...) Für uns alle ist es wichtig zu wissen, dass es keine Hinweise auf ein Anschlagsszenario oder gar -ziel in Schleswig-Holstein oder im Bund gibt".

Es sei aber richtig, dass Polizei und Staatsanwaltschaften jedem noch so kleinen Hinweis nachgingen, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.

"Die Gefahr terroristischer Anschläge in ganz Deutschland ist unverändert abstrakt hoch, das gilt auch für Schleswig-Holstein", sagte Grote.

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