Herbstmeister RB Leipzig: Wieso Halstenberg Nagelsmann dennoch angeschrien hat

Leipzig - Vor zehn Jahren und sieben Monaten wurde RasenBallsport Leipzig gegründet und erwarb das Startrecht des SSV Markranstädt in der fünftklassigen Oberliga NOFV-Süd. Vier Aufstiege später und in der vierten Bundesliga-Saison in Folge haben die Sachsen seit Samstagabend den ersten - wenn auch bedeutungslosen - Titel in der Tasche.

Trainer Julian Nagelsmann (32) freute sich nicht nur über die Herbstmeisterschaft. Mit dem achten Ligaspiel in Folge mit mindestens drei eigenen Treffern stellte seine Mannschaft auch einen neuen Bundesliga-Rekord auf.
Trainer Julian Nagelsmann (32) freute sich nicht nur über die Herbstmeisterschaft. Mit dem achten Ligaspiel in Folge mit mindestens drei eigenen Treffern stellte seine Mannschaft auch einen neuen Bundesliga-Rekord auf.  © Picture Point/R. Petzsche

Schon im ersten Durchgang hatte RB Leipzig im Duell der aktuell formstärksten Teams gegen den FC Augsburg (3:1) die Nase chancenmäßig vorn, konnte diese aber nicht in Tore ummünzen. Im Gegenteil: Florian Niederlechner erzielte sogar die 1:0-Halbzeitführung.

Sollten die Roten Bullen ausgerechnet daheim die Herbstmeisterschaft noch verspielen? Nö, denn auch diesmal drehten sie nach dem Seitenwechsel noch mal ordentlich auf.

Wie schon am Dienstag beim 3:3 beim BVB erzielte RB auch gegen Martin Schmidts FCA noch drei Tore, ging nach Halbzeitrückstand am Ende als 3:1-Sieger und auch als Herbstmeister vom Platz.

Den unterlegenen Bayern regte ein vermeintliches Foulspiel an Ruben Vargas (21) wenige Augenblicke vor dem richtungsweisenden 1:1-Ausgleich so richtig auf. Zwar überprüfte Video-Assistent Sascha Stegemann die Situation, konnte aber kein Vergehen erkennen und gab dem Hauptschiedsrichter Daniel Siebert das Go.

"Man kann diskutieren, ob es Foul war", sagte RB-Coach Julian Nagelsmann nach dem gelungenen Jahresabschluss. Allerdings sei es kein klares Foul nach Prüfung und somit auch "keine klare Fehlentscheidung" gewesen.

Für Torjäger Niederlechner hingegen war es ein klares Foul an seinem Mitspieler. Bei derartigen Schlussfolgerungen verstehe er dann den Videobeweis nicht.

Julian Nagelsmann: "Der Halste hat mich angeschrien!"

Marcel Halstenberg (28) war auch beim Stand von 3:1 noch voll erhitzt, schrie seinen Coach sogar an, damit der schnell den Ball rausrückte.
Marcel Halstenberg (28) war auch beim Stand von 3:1 noch voll erhitzt, schrie seinen Coach sogar an, damit der schnell den Ball rausrückte.  © Picture Point/R. Petzsche

Symptomanisch für den Dreier nach Rückstand und dem letztlich unbedingten Willen, den fünften Heimsieg einzufahren, war für Trainer Nagelsmann eine Situation in der Nachspielzeit.

Das Spielgerät sei zu diesem Zeitpunkt ins Seitenaus gerollt, der Coach habe es aufgehoben, Marcel Halstenberg (28) rannte auf ihn zu. "Der Halste schreit mich an: 'Ball, Ball, Ball, Ball, Ball'. Ich dachte, was will er denn jetzt?! Er wollte halt noch ein Tor machen. Das gefällt mir gut", so der 32-Jährige.

Ein Comeback feierte zudem Tyler Adams, der sieben Monate nach dem 0:3 im DFB-Pokal-Finale gegen den FC Bayern erstmals wieder auf dem Platz stand. "Es war unbeschreiblich, nach meiner langen Verletzungspause endlich wieder dabei sein zu können", sagte der 20-Jährige. Erst in der 86. Minute wurde er für den späteren Torschützen zum 3:1, Yussuf Poulsen, ausgewechselt.

Die Entscheidung, ihn bei der Rückkehr direkt einen Platz in der Startelf zu schenken, sei erst am gestrigen Samstagmorgen gefallen.

"Und die war auch richtig", weiß Nagelsmann jetzt. "Er hat es sich verdient. Ich wollte einfach noch mal Spieler haben, die voll Bock haben. Tyler ist eine emotionale Maschine." Zu seiner Leistung nach der mehrmonatigen Pause sagte er nur: "Hut ab!"

Erst Weihnachtsfeier, dann ein besinnliches Fest mit den Liebsten

Mit einigen Kindern wurde nach der gelungenen Herbstmeisterschaft im Stadion noch gesungen. Später ging es zur Weihnachtsfeier ins Kunstkraftwerk weiter.
Mit einigen Kindern wurde nach der gelungenen Herbstmeisterschaft im Stadion noch gesungen. Später ging es zur Weihnachtsfeier ins Kunstkraftwerk weiter.  © Picture Point/R. Petzsche

Mit einem Sieg zum Jahresabschluss im Rücken ging es für Nagelsmanns Jungbullen zur schon länger geplanten Weihnachtsfeier ins Kunstkraftwerk.

Dort darf sich jeder zur Feier des Tages auch gern ein Bierchen mehr gönnen, gab Sportdirektor Markus Krösche allen einen Freifahrtsschein.

Der Trainer freut sich jetzt aber auch auf die Weihnachtszeit mit Frau Verena und Sohnemann Maximilian (4) fernab des Jobs. "Ich bin schon froh über ein paar Tage zum Durchschnaufen. Nach so einer Hinrunde mit jetzt 25 Spielen und sehr guten Ergebnissen ist es ratsam, den Fußball mal zur Seite zu legen und sich ein bisschen auf die Familie zu fokussieren."

Alle Fans der Roten Bullen dürften sich schon jetzt auf die Rückrunde freuen, die mit einem Heimspiel gegen Union Berlin am 18. Januar (18.30 Uhr/Sky) beginnt: Zwei Drittel aller Herbstmeister durften nach 34 Spieltagen die Schale in den Himmel recken. Für RB wäre es dann auch der erste ganz offizielle Titel der Vereinsgeschichte...

Mehr zum Thema RB Leipzig:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0