RB Leipzig gelingt Champions-League-Coup trotz Trikot-Panne

London - Julian Nagelsmann nannte es vorher das "spektakulärste Auswärtsspiel der Vereinsgeschichte". Gegen ein europäisches Topteam wurde es zudem eines der besten überhaupt und das trotz einer peinlichen Trikot-Panne.

Christopher Nkunku, Torschütze Timo Werner und Nordi Mukiele (v.l.n.r.) beim Jubel.
Christopher Nkunku, Torschütze Timo Werner und Nordi Mukiele (v.l.n.r.) beim Jubel.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

RB Leipzigs 1:0-Sieg am Mittwochabend bei Tottenham Hotspur war ein mittelgroßer Schritt in Richtung Viertelfinale, aber keinesfalls das sichere Ticket.

Über 3000 RB-Fans hatten sich auf den Weg in die englische Millionenmetropole gemacht, um ihr Team im ersten Achtelfinalspiel der Königsklasse zu begleiten. Sie sollten nicht enttäuscht werden.

Der spätere Siegtorschütze Timo Werner hatte schon beim Einlaufen in das rund eine Milliarde teure "New White Hard Lane"-Stadion Gänsehaut. Nachdem Konrad Laimer von Ben Davies gefoult wurde, legte sich der 23-Jährige die Kugel an den Elfmeterpunkt.

"So ein Elfmeter ist immer Fifty-Fifty", sagte Werner bei Sky. "Man muss mit seinen Nerven klarkommen und so schießen können, dass der Torwart ihn nicht hält." Durch Laimers Behandlung verging weitere Zeit, in der sich der Schütze den Kopf hätte zerbrechen können. "Da kommen schon paar Sachen, die den Pegel bisschen hochschrauben."

Er habe versucht, cool zu bleiben, spielte den Schuss schon im Kopf durch. Und haute alles rein, "als wäre es mein letzter." Mit einem satten Schuss in die linke Ecke ließ er Spurs-Keeper Hugo Lloris keine Chance.

Es war Werners insgesamt siebtes Champions-League-Tor. Alle erzielte er auswärts - das gab es vorher noch nie. Mit dem 26. Tor im 32. Pflichtspiel diese Saison verschaffte er seiner Mannschaft zudem eine gute Ausgangslage fürs Rückspiel am 10. März, ließ aber auch mehrere Hochkaräter liegen.

Nagelsmann lobt "seine Jungs"

Julian Nagelsmann (32, r.) ist der jüngste Trainer, der je ein Champions-League-Achtelfinale erreichte. Und das startete am Mittwoch äußerst positiv.
Julian Nagelsmann (32, r.) ist der jüngste Trainer, der je ein Champions-League-Achtelfinale erreichte. Und das startete am Mittwoch äußerst positiv.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Julian Nagelsmann war auch in seinem ersten K.o.-Spiel in der Königsklasse sehr zufrieden mit seinem Team. Vor allem, dass die Profis im richtigen Moment auch mal ein taktisches Foul begangen haben, war für den 32-Jährigen einer der Schlüssel. "Das haben meine Jungs gut gemacht."

Sie hätten sich auch nach der 1:0-Führung weitere Chancen herausgespielt, um einen höheren Sieg zu erreichen. Aber: "Sie haben nicht auf Teufel komm' raus die Brechstange rausgeholt", so der Coach bei Sky, der sich über einen "total verdienten Sieg" freuen durfte.

Zur vermeintlich guten Ausgangslage sagte er: "Es ist Halbzeit und es geht darum, in beiden Hälften gut zu sein. In der Kabine hab ich nicht gemerkt, dass die Jungs denken, einen Schritt weniger machen zu können."

Einen kleinen Wermutstropfen zog der Erfolg aber nach sich. Laimer hatte sich bei der Elfmetersituation an der Schulter verletzt. "Er ist auf das Schultereckgelenk gefallen, das ist bisschen blau." Er habe zwar Schmerzen, "aber ich denke nicht, dass irgendwas gebrochen ist", so der agile Mittelfeldakteur, der hofft, am Samstag gegen Schalke wieder dabei sein zu können.

Ein begeisterter Mourinho

Ein wenig wehleidig war Tottenhams Star-Trainer José Mourinho nach Abpfiff - vor allem wegen den verletzten Harry Kane und Heung-min Son schon, hatte aber für die gegnerischen Kicker lobende Worte übrig.

"Wir haben nicht die Waffen wie RB. Sie haben Nkunku, Schick und Werner, dann kommen Forsberg und Poulsen. Wir gehen da in einen Kampf, ohne die richtigen Waffen zu haben", so der 57-Jährige am Sky-Mikro. Das 1:0 sei ein "offenes Ergebnis" und daher "nicht so schlimm".

"The Special One" José Mourinho hatte sich den Champions-League-Abend sicher anders vorgestellt.
"The Special One" José Mourinho hatte sich den Champions-League-Abend sicher anders vorgestellt.  © Picture Point/Roger Petzsche

Die Trikot-Panne

Offensichtlich mit verschiedenen Trikotsätzen hatte sich der RB-Tross nach London aufgemacht.

Anders ist nicht zu erklären, dass im ersten Durchgang sieben der zehn Feldspieler ein rot-gelbes Red-Bull-Logo auf dem Trikot hatten, Lukas Klostermann, Christopher Nkunku und Timo Werner hingegen ein weißes. Der Fehler wurde (auch durch Hinweise in den sozialen Netzwerken) bemerkt und in der Halbzeit behoben. Im zweiten Durchgang liefen die Akteure einheitlich auf, nur Klostermann blieb mit seinem weißen Logo allein.

Später erklärte Nagelsmann, eine Kiste mit einem kompletten Trikotsatz sei auf dem Weg vom Hotel zum Stadion abhanden gekommen.

Verwirrung in der ersten Halbzeit: Während das Red-Bull-Logo z.B. bei Konrad Laimer bunt war (l.), war Lukas Klostermanns weiß (r.).
Verwirrung in der ersten Halbzeit: Während das Red-Bull-Logo z.B. bei Konrad Laimer bunt war (l.), war Lukas Klostermanns weiß (r.).  © Picture Point/Roger Petzsche
Über 3000 Fans begleiteten die Roten Bullen zum ersten Champions-League-Achtelfinale nach London.
Über 3000 Fans begleiteten die Roten Bullen zum ersten Champions-League-Achtelfinale nach London.  © Picture Point/Roger Petzsche

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