So reagieren Bauern auf Niedrigpreise in Discountern

Bei Facebook zeigt ein französischer Bauer, was er von den niedrigen Milchpreisen in Discountern hält.
Bei Facebook zeigt ein französischer Bauer, was er von den niedrigen Milchpreisen in Discountern hält.

Von Matthias Kernstock

Berlin - Nur 55 Cent für einen Liter im Supermarkt! Der Milchpreis hat den niedrigsten Stand seit sechs Jahren erreicht. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland gibt es Proteste. Ein Bild bei Facebook zeigt das ganze Ausmaß: Ein riesiger Misthaufen vor einer Lidl-Filiale, der von einem Bauern auf dem Parkplatz abgeladen wurde.

Das Foto ist in Frankreich entstanden, wo sich die Bauern gerade gegen die drastisch sinkenden Lebensmittelpreise zur Wehr setzen. Doch auch bei uns herrscht dicke Luft!

Der Weltmarktpreis für Milch erreichte im Juli den tiefsten Stand seit sechs Jahren, wie die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) am Donnerstag mitteilte. Bauern in ganz Deutschland kämpfen gegen die Niedrigpreise in Discountern. Dort wird Milch so billig angeboten, dass viele Landwirte um ihre Existenz bangen müssen. Schuld ist das derzeitige Überangebot an Milch.

Die Annahmepreise für Bauernmilch in Molkereien sinken. "Die Milchpreise seien mit durchschnittlich 27 Cent pro Liter für Bauern deutlich zu niedrig", erklärte ein Sprecher des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM). Landwirte fordern etwa 50 Cent pro Liter Milch für die Erzeuger, um kostendeckend produzieren zu können.

Noch vor einem Jahr bekamen die Bauern 40 Cent je Kilo bezahlt, heute erhalten sie 27 Cent.

Der rapide fallende Milchpreis bringt Tausende Bauern in Existenznot.
Der rapide fallende Milchpreis bringt Tausende Bauern in Existenznot.

Schon vor sechs Jahren sank der Preis für Milch auf 23 Cent. Der Staat sprang ein, verteilte Notkredite. Damals führten Molkereien die "fairen Preise" ein, Landwirte konnten wieder höhere Verkaufspreise erzielen.

Der Deutsche Bauernverband begründet den aktuellen Niedrigstand mit dem Importstopp Russlands. Die westlichen Sanktionen gegen Russland seien der Hauptgrund für die fallenden Preise. Das russische Einfuhrverbot für Lebensmittel aus der EU ist teuer. Die deutsche Landwirtschaft kostet das nach Angaben des Bauernverbands rund eine Milliarde Euro im Jahr.

"Lidl senkt den Milchpreis noch weiter. Das ist die Antwort der Bauern darauf", schrieb eine Seite von wütenden Bauern im sozialen Netzwerk am Dienstag.

Fotos: facebook, imago


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