Wieso zeigte die ARD unsere Bundeskanzlerin mit Kopftuch?

Die ARD reagierte auf den Merkel-Beitrag nach heftigen Diskussionen im Netz.
Die ARD reagierte auf den Merkel-Beitrag nach heftigen Diskussionen im Netz.

Von Matthias Kernstock

Berlin - Darf man die Bundeskanzlerin so zeigen? Nachdem die ARD in der Sendung "Bericht aus Berlin" Angela Merkel (61, CDU) mit Kopftuch gezeigt hat, entfacht im Netz ein Sturm der Entrüstug. Nun hat "Das Erste" Stellung genommen.

Die ARD wollte einen Beitrag über Flüchtlinge besonders provokativ anmoderieren, fertigte dafür eine Fotomontage der Bundeskanzlerin mit Kopftuch an. Doch die Macher des "Bericht aus Berlin" griffen noch tiefer in die Photoshop-Kiste. Im Hintergrund wurde das Berliner Regierungsviertel mit vielen Minaretten gezeigt.

Kurz nach Ausstrahlung der Sendung kamen heftige Reaktionen im Netz. Einige bezeichneten die Fotomontage als "realistischen und treffenden Grafik" und bedankten sich beim Ersten. Andere fanden Worte wie "grotesk", "absolut erbärmlich" und "Skandal".

Aber auch Medien kommentierten den ARD-Beitrag. "Eine Provokation, die man der häufig biederen ARD wohl eher nicht zugetraut hätte", schreibt der "Focus" am Dienstag.

Die ARD zeigte Angela Merkel mit Kopftuch - eine Fotomontage.
Die ARD zeigte Angela Merkel mit Kopftuch - eine Fotomontage.

Die ARD reagierte inzwischen auf die Kritik bei Facebook.

" (...) Die Grafik stand in direktem Zusammenhang mit der Moderation von Rainald Becker zu einem Bericht, in dem es um die Werte unserer Gesellschaft ging. Er sprach von den Errungenschaften unserer westlichen Gesellschaft: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Gleichstellung. Diese Freiheiten spiegeln sich in Form dieser Grafik wider. Natürlich war es auch das Ziel, mit dieser Grafik Aufmerksamkeit zu schaffen und zu polarisieren (...)."

Dass der „Bericht aus Berlin“ möglicherweise auch Rechtspopulisten in die Hände spielt, könnte auch ARD-intern noch Thema werden. Der stellvertretende ARD-Chefredakteur Andreas Cichowicz bezeichnet die Fotomontage zwar als „zugespitzt, aber zulässig“.

Dennoch müsse diskutiert werden, ob solche oder ähnliche Grafiken künftig noch einmal verwendet würden, so Cichowicz weiter.

Fotos: ARD Mediathek, Facebook.com


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0