Nach Spionage-Skandal: Real schaltet Gesichts-Erkennung ab

Bei Real soll es in Zukunft keine Überwachung zu Werbezwecken mehr geben.
Bei Real soll es in Zukunft keine Überwachung zu Werbezwecken mehr geben.  © DPA

Bielefeld - Es war ein handfester Skandal: Der Bielefelder Datenschutz-Verein Digitalcourage deckte kürzlich auf, dass Kunden bei Real und der Deutschen Post ausspioniert werden (TAG24 berichtete).

Insgesamt sollen 40 Supermärkte und 100 Filialen der Post die Gesichtserkennungs-Software zu Werbezwecken genutzt haben. Nachdem die Datenschützer den Skandal aufdeckten, öffentlich machten und Strafanzeige erstatteten, scheint sich zumindest bei Real was getan zu haben.

Denn wie der Verein jetzt verkündete, hat sich die Kette dem Druck gebeugt und die Gesichtserkennung eingestellt.

"real,- hat heute entschieden, diesen Test mit sofortiger Wirkung zu beenden. Hintergrund dieser Entscheidung ist die in den vergangenen Tagen öffentlich geführte Diskussion, die den Eindruck erweckte, in real,- Märkten würden im Kassenbereich ohne Wissen der Kunden Daten erhoben. […]

Der Kundennutzen vom Einsatz technologischer Weiterentwicklungen muss jederzeit für Kunden nachvollziehbar sein. Das war im vorliegenden Fall nicht gewährleistet", heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

"Ich gehe davon aus, dass die Rechtsabteilung von Real unsere Strafanzeige genau angesehen und die Substanz dahinter erkannt hat. [...] Wir haben ähnliches mit Digitalcourage schon einmal erreicht. 2004 hat Metro ihre damaligen Payback-Karten zurückgezogen, wobei Real zu Metro gehört.

Nachdem wir den versteckten Chip in der Kundenkarte aufgedeckt haben, wurde auch dieser Rückzug mit fehlender Kundenakzeptanz begründet, aber das ist einfach nur PR-Taktik," erklärt "padeluun", Gründungsvorstand von Digitalcourage.

Dank der Hilfe von Unterstützern der Organisation konnte der Erfolg in Sachen Datenschutz gefeiert werden. "Innerhalb weniger Tage haben engagierte Menschen uns Filialen mit aufgerüsteten Bildschirmen von Real genannt."

Jetzt hoffen die Datenschützer darauf, dass bald auch die Deutsche Post nachzieht und die Überwachung der Kunden einstellt. Digitalcourage will auf jeden Fall an der Sache dran bleiben.

Titelfoto: DPA


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