So schludern Sachsens Landkreise bei der Datensicherheit

Dresden - Schludriger Umgang mit Passwörtern oder Wasserleitungen in Serverräumen: Mit der IT-Sicherheit steht es bei Sachsens Landkreisverwaltungen nicht zum Besten. Das rügt der Landesrechnungshof im Jahresbericht.

Rechnungshofdirektorin Isolde Haag (57) hat die IT-Prüfung vorgenommen.
Rechnungshofdirektorin Isolde Haag (57) hat die IT-Prüfung vorgenommen.  © Ove Landgraf

Erst im November gab es in der Dresdner Stadtverwaltung einen massiven IT-Ausfall - ganze Ämter waren lahmgelegt. Wie steht's mit der IT-Sicherheit in den zehn sächsischen Landkreisen? Das hat der Rechnungshof untersucht.

"Die Verwaltungen sind auf Notfälle nicht ausreichend vorbereitet", so das Fazit von Rechnungshofpräsident Karl-Heinz Binus (64).

"Es gab keinen einzigen Serverraum ohne Mängel." Rechnungshofdirektorin Isolde Haag (57): "Häufig fehlten Konzepte zur Zugangsberechtigung." Dabei sei das ein sicherheitsrelevanter Bereich. "In einem Serverraum lief unmittelbar über dem Server ein Wasserrohr." Einen Abfluss gab es nicht.

In einer Verwaltung gab es einen Feuchtefühler - der aber nicht Alarm schlägt. "Dies wäre vergleichbar mit einem Rauchmelder, der nur den Zeitpunkt der Branderkennung dokumentiert, aber keinen Alarm auslöst", heißt es im Bericht.

Dem nicht genug: Teils wurden Serverräume auch noch als Abstell- und Lagerraum für Verpackungsmaterial genutzt - Brandgefahr inklusive.

Ein Kreis hat gar keine Regelung zum Passwortgebrauch, in vier weiteren Kreisen gab es große Mängel. "Passwörter waren nicht ausreichend komplex, auch der Wechsel wurde nicht erzwungen", so Haag. Oder es konnten beliebig oft falsche Passwörter ohne Sperrung eingegeben werden. Bei möglichen Zufallstreffern ein erhebliches Risiko.

Immerhin: Einige Verwaltungen hätten nun reagiert. Und das neue sächsische Informationssicherheitsgesetz soll die Mängel abstellen, so das Innenministerium.

Wieso ist der Rechnungshof noch immer nicht in Döbeln?

Das neue Domizil des Rechnungshofes in Döbeln muss noch saniert werden.
Das neue Domizil des Rechnungshofes in Döbeln muss noch saniert werden.  © Klaus Jedlicka

Noch hat der Landesrechnungshof mit insgesamt 255 Mitarbeitern seinen Sitz in Leipzig. Doch die Prüfer müssen ins ungeliebte Döbeln umziehen, beschloss der Landtag schon 2011 mit CDU/FDP-Mehrheit.

Das Ganze ist Teil des umstrittenen Standortkonzepts ("Behördenmonopoly"). Eine Klage des Rechnungshofs scheiterte 2014. Doch der Umzug verzögert sich: Ursprünglich sollten die Prüfer bis zum Jahreswechsel 2019/2020 die Kisten packen.

Noch sind die Bauarbeiten nicht komplett ausgeschrieben worden, so das Finanzministerium. "Nach baulicher Fertigstellung ist die Übergabe an den Rechnungshof im 1. Halbjahr 2021 und der Umzug nach Mitte 2021 geplant", erklärt Sprecherin Sandra Jäschke. Beziehen soll der Rechnungshof ein ehemaliges Kasernengebäude von 1870.

Für die neue Nutzung soll das Bestandsgebäude umfassend saniert werden, alle baulichen und technischen Ausbauten seien komplett erneuerungsbedürftig. Zudem sind ein eingeschossiger Neubau, neue Zufahrten und Stellplätze geplant.

Gesamtbaukosten: rund 20 Millionen Euro. Was der Umzug koste, sei noch unklar.

Rechnungshofpräsident Karl-Heinz Binus (64) mit dem Jahresbericht.
Rechnungshofpräsident Karl-Heinz Binus (64) mit dem Jahresbericht.  © Ove Landgraf

WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0