Rechtsextreme und Kriminelle: Cottbusser Fan-Szene im Visier vom Staatsschutz

Die Cottbusser Fanszene wird seit Januar von einer extra eingerichteten Ermittlungsgruppe des Staatsschutzes beobachtet.
Die Cottbusser Fanszene wird seit Januar von einer extra eingerichteten Ermittlungsgruppe des Staatsschutzes beobachtet.  © DPA

Cottbus – Krawallmacher und Gewalttäter mit rechter Gesinnung im Stadion: Der Staatsschutz ermittelt zu rechtsextremistischer Kriminalität innerhalb der Fan-Szene beim Fußball-Regionalligisten Energie Cottbus. Die Ermittlungsgruppe sei im Januar eingerichtet worden, teilte die Polizei am Dienstag in Cottbus mit.

"Diese gewalttätige Fan-Szene haben wir seit Jahren feststellen müssen", sagte der Leiter der Polizeidirektion Süd, Sven Bogacz. "Wir wissen, dass sich diese Szene auch rechtsextremistisch äußert." Zuerst hatten die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" und der RBB über das kriminelle Netzwerk berichtet.

FC-Energie-Präsident Michael Wahlich sagte, dass der Fußballverein '"von kriminellen Elementen, die den Fußball als Plattform nutzen", unterwandert werde.

Die Polizei bezifferte die Größe des Netzwerks auf 100 Personen, der Großteil sei polizeibekannt. "Zu vielen Sachverhalten laufen auch Ermittlungsverfahren", sagte Bogacz.

Es gebe eine deutliche Verquickung zwischen Kickboxer-Szene, Rockern, Rechtsextremisten und Gewalttätern. Die Polizei erhofft sich Hinweise von Bürgern, denen etwas bei Fußballspielen oder in der Stadt Cottbus auffällt.

Der Leiter der Polizeidirektion Süd, Sven Bogacz.
Der Leiter der Polizeidirektion Süd, Sven Bogacz.  © DPA

Heftige gewalttätige Krawalle hatte es zuletzt Ende April beim Regionalspiel SV Babelsberg gegen Energie Cottbus in Babelsberg gegeben. Cottbuser Fans stürmten den Fußballplatz – zweimal war das Spiel minutenlang unterbrochen worden (TAG24 berichtete)

Den Medienberichten zufolge gehört zu dem kriminellen Netzwerk insbesondere die rechtsextrem orientierte Gruppierung "Inferno Cottbus", die versucht, mit Gewalt Fans auf ihre Seite zu ziehen.

Der Verein habe Stadionverbote gegen die Gruppierung ausgesprochen, betonte FC-Energie-Präsident Wahlich. "Nach den Ausschreitungen in Babelsberg sind unsere Spieler beim nächsten Spiel in Trikots mit dem Schriftzug "Kein Platz für Nazis" aufgelaufen."

Wahlich sagte allerdings auch, dass es schwierig sei, Stadionverbote zu überprüfen. "Wir arbeiten aktuell an einem Ausschlussverfahren gegen zwei Mitglieder, die an Übergriffen in Babelsberg beteiligt waren." Diese müssten aber erst noch angehört werden.

Die Gruppierung "Inferno Cottbus" wird vom Verfassungsschutz Brandenburg beobachtet. Nach Angaben des Innenministeriums können auch Aktivitäten der Gruppe außerhalb des Fußballstadions dem Rechtsextremismus zugeordnet werden. Zum Beispiel seien interne Feiern wiederholt durch rechtsextremistische Symbolik und Musik geprägt gewesen.


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