Dieser Mann ist schuld, dass heute Feiertag ist

In unmittelbarer Elbnähe Richtung Heidenau steht die Tetzelsäule. Hier soll 
der Dominikanermönch gepredigt haben.
In unmittelbarer Elbnähe Richtung Heidenau steht die Tetzelsäule. Hier soll der Dominikanermönch gepredigt haben.  © Thomas Türpe

Sachsen - Martin Luther bescherte ihm einen Platz in der Weltgeschichte. Johann Tetzel aus Pirna wurde zu einer Schlüsselfigur der Reformation und soll der Auslöser für Luthers 95 Thesen gewesen sein.

Luther wurde letztendlich berühmt, Tetzel nur berüchtigt...

Seit rund 550 Jahren ranken sich viele Mythen und Vorurteile um diesen Johann Tetzel. Selbst sein genaues Geburtsdatum ist unbekannt, er wurde wohl um 1465 im sächsischen Pirna geboren. 

Ihm wird der berühmte Slogan zugeschrieben: "Wenn die Münze im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt". Als Agent des Ablassgewerbes vertrieb der Dominikanermönch eine hochmoderne Vollkaskoversicherung für das Jenseits.

Ablass, also der kirchliche Erlass von Sünden gegen Geld oder andere Leistungen, hatte es das ganze Mittelalter hindurch gegeben. Zahlen musste jeder, der das Fegefeuer vermeiden wollte. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen wollte, der konnte auch gleich noch seine verstorbenen Verwandten und Freunde freikaufen. 

Aus der Geschichte der Reformation 
ist Johann Tetzel kaum wegzudenken. Mit seiner Ablasskampagne soll er Luther zu 
seinen 95 Thesen provoziert haben.
Aus der Geschichte der Reformation ist Johann Tetzel kaum wegzudenken. Mit seiner Ablasskampagne soll er Luther zu seinen 95 Thesen provoziert haben.

In marktschreierischer Art und Weise soll Tetzel nahe der Elbe in Richtung Heidenau bei Pirna für den Ablass gepredigt haben. Noch heute steht an diesem Ort eine Tetzelsäule. 

Findige Ablassprediger, wie Johann Tetzel verwendeten in ihrem Einzugsgebiet auch Kästen zum Sammeln der Erlöse aus dem Ablassverkauf (Tetzelkasten).

Martin Luther war das ein Dorn im Auge. Der schändliche Ablasshandel wurde von ihm angeprangert. Seine Vorstellungen von sündigen Menschen, die sich eigentlich einem Leben in Demut widmen sollten, um von Sünden freigesprochen zu werden, wurden geradezu verhöhnt.

Seine 95 Thesen sind die Reaktion auf den Ablasshandel von Johann Tetzel. Das war der Beginn der Reformation Ende Oktober 1517. Daraufhin begannen schon bald die Diskussionen um den Ablass einer verdorbenen Kirche im ausgehenden Mittelalter, die mit wilden Versprechungen den Leuten das Geld aus der Tasche zog.

Nur zwei Jahre später, am 11. August 1519 starb Tetzel an der Pest. Begraben wurde er in der Dominikanerkirche in Leipzig. Sie wurde 1968 vom SED-Regime gesprengt.

Kleiner Tipp: Am Montag (31.10.) findet im Rahmen einer Führung von 11 bis 12.30 Uhr die Besichtigung des Geburtshauses des Ablasspredigers statt. Karten für 6/3 Euro gibt’s im Touristservice Pirna.

Geburtshaus des berühmten Dominikanermönchs Johannes Tetzel in der 
Schmiedestraße 19 in Pirna.
Geburtshaus des berühmten Dominikanermönchs Johannes Tetzel in der Schmiedestraße 19 in Pirna.  © Thomas Türpe

Der Thesenanschlag am 31. Oktober 1517

Luthers Thesenanschlag von 1517 wurde zum Symbol für die Erneuerung der 
katholischen Kirche.
Luthers Thesenanschlag von 1517 wurde zum Symbol für die Erneuerung der katholischen Kirche.  © Archiv

Die Reformation hat Europa tief geprägt, seine Geschichte, Kultur und Religion. Alljährlich wird zum 31. Oktober dem Thesenanschlag Martin Luthers vor fast 500 Jahren an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg gedacht.

Luthers Anliegen war die Wiederherstellung (Reformation) einer dem Evangelium gemäßeren Kirche. Zentrale Voraussetzung dafür war seine Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche.

Der Protest des deutschen Mönchs führte zu einer Spaltung der Christenheit. Als Ergebnis entstand die heutige weltweite evangelische Kirche.