Regierung vergeudet Millionen, weil sie eine kleine Änderung nicht hinbekommt

Berlin - Leerflüge sind den Grünen schon lange ein Dorn im Auge: Sie sind teuer und verursachen unnötigen Schadstoffausstoß. Eine Anfrage zeigt nun: die Verschwendung ist größer, als von vielen vermutet!

Der ehemalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor dem Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" im Jahr 2015. Im Moment der Aufnahme übrigens überraschenderweise kaputt.
Der ehemalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor dem Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" im Jahr 2015. Im Moment der Aufnahme übrigens überraschenderweise kaputt.  © Soeren Stache/dpa

Wenn ein Minister eine Reise tut, dann meist in einem Flugzeug der Flugbereitschaft. Vorausgesetzt, es handelt sich ausnahmsweise um eine einsatztaugliche Maschine.

Nun ist es so, dass sich die wichtigsten Politiker meist in Berlin aufhalten – und natürlich auch von der Hauptstadt aus ihre Dienstreisen starten. Und hier beginnt das Problem: Die Flugbereitschaft ist nämlich gar nicht in der Hauptstadt stationiert und auch nicht in deren Nähe.

Gute 500 km entfernt, am Flughafen Köln/Bonn, befindet sich die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung. Das hat zur Folge, dass vor jedem (!) Flug von Berlin aus zunächst Crew und Maschine in die Hauptstadt geschickt werden. Häufig wohl auch mit entsprechendem Vorlauf, der Pünktlichkeit und Sicherheit wegen.

Ein Pilot der Flugbereitschaft neben einer Global 5000 der Bundesregierung.
Ein Pilot der Flugbereitschaft neben einer Global 5000 der Bundesregierung.  © Jochen Lübke/dpa

Wie genau sieht ein solcher Leer- oder Bereitstellungsflug aus?

Hier eine fiktive Reise als Beispiel: Ein Minister muss nach New York fliegen.

1. Flieger mit Crew startet in Köln/Bonn, um den Minister in Berlin einzusammeln (eventuell wird eine Übernachtung für die Mannschaft nötig)

2. Flieger mit Minister und Crew startet in Berlin, Ziel: New York

3. Nach dem Termin startet das Flugzeug in New York, Ziel: Berlin

4. Der Minister wurde abgesetzt, die Crew muss noch weiter nach Köln/Bonn (eventuell wird erneut eine Übernachtung nötig)

5. Landung in Köln/Bonn, wo die Maschine gewartet wird. Kurze Zeit später fliegt sie dann wieder nach Berlin, um den nächsten Politiker einzusammeln.

Um wie viele Flüge handelt es sich?

Genau das wollte der Grünen-Politiker Tobias Lindner (37) wissen und stellte eine Kleine Anfrage an die Regierung. Heraus kam nun: Alleine im Jahr 2018 gab es mehr als 800 "Bereitstellungsflüge", die nur stattfanden, um die Besetzung von Köln/Bonn nach Berlin und zurück zu bringen. Das sind mehr als 15 Flüge jede Woche, die man sich komplett sparen könnte!

Welche Kosten entstehen dabei?

Die Seite "express.de" berichtete bereits 2012 über die gigantischen Kosten: "Allein in den letzten zehn Jahren wurden 19,3 Millionen Euro verpulvert – nur für Flüge ohne Fluggäste wohlgemerkt." Man kann davon ausgehen, dass die Kosten sich inzwischen nochmals ganz gewaltig gesteigert haben. Weiter heißt es auf der Seite: "Kosten pro Flugstunde beim A 340: 17.866 Euro" – das ist schon nahe dran am aktuellen (Brutto-)Jahresgehalt eines Mindestlohn-Verdieners. Für eine einzige Stunde sinnloses Herumfliegen!

Dazu kommen noch zusätzliche Kosten, wie beispielsweise die Unterbringung der Crew am Einsatzort Berlin. Dies kostet 23.000 Euro jeden Monat!

Auch Kanzlerin Angela Merkel musste bereits auf Ersatzflugzeuge ausweichen, weil die "Konrad Adenauer" nicht einsatzfähig war.
Auch Kanzlerin Angela Merkel musste bereits auf Ersatzflugzeuge ausweichen, weil die "Konrad Adenauer" nicht einsatzfähig war.  © Michael Kappeler/dpa

Wie hoch ist der Schadstoffausstoß dieser Leerflüge?

Die veröffentlichten Zahlen bieten ein schockierendes Bild: in den vergangenen drei Jahren seien mir leeren Quatsch-Flügen CO2-Emissionen von jeweils rund 4000 Tonnen verursacht worden! Kein gutes Vorbild für alle Menschen, die jeden Tag versuchen, Umwelt und Natur mit mühsamem Verzicht zu schützen.

Warum wird die Flugbereitschaft nicht einfach nach Berlin verlagert?

Generell ist das wohl geplant. Aber auch dieses Vorhaben der Bundesregierung zieht sich bereits seit Jahren hin: Denn man wartet auf die Fertigstellung des Berliner Großflughafens BER.

Was passiert nun?

Zunächst vermutlich gar nichts. Der Grünen-Politiker Lindner machte der Regierung den Vorschlag, doch wenigstens zu prüfen, ob nicht einige Hallen der insolventen Airlines Germania oder Air Berlin vorübergehend nutzbar wären. So könnte man wenigstens einen Teil der Maschinen und damit auch Mannschaften nach Berlin verlegen.

Tobias Lindner (37, Grüne) stellte die brisante Anfrage.
Tobias Lindner (37, Grüne) stellte die brisante Anfrage.  © Kay Nietfeld/dpa

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