17-Jähriger programmiert Impf-Seite und verhilft so Tausenden zu einem Termin

Ostfildern - Julian Ambrozy - diesen Namen kann man sich merken, denn aus diesem jungen Mann könnte mal ein ganz Großer werden. Mit gerade einmal 17 Jahren hat er eine Homepage programmiert und damit mehr als zwei Millionen Menschen zu Impfterminen verholfen. TAG24 hat ihn interviewt.

Julian Ambrozy (17) sitzt vor einem Computer. Der Schüler hat die Seite impfterminübersicht.de programmiert.
Julian Ambrozy (17) sitzt vor einem Computer. Der Schüler hat die Seite impfterminübersicht.de programmiert.  © privat

Der Schüler programmierte die Internetseite impfterminübersicht.de, auf der freie Impftermine gegen das Coronavirus in einer Übersicht angezeigt werden.

User können unter anderem auswählen, in welchem Bundesland sie einen Impftermin suchen, ob nur Impfzentren mit freien Terminen oder nach Entfernung sortiert angezeigt werden. Außerdem kann ein Alarmton eingeschaltet werden, wenn ein neuer Termin frei wird.

Nach eigener Angabe hat Julian Ambrozy, der eigentlich Elftklässler ist, über die Seite im letzten Monat 2,3 Millionen Impftermine vermittelt.

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"Ich hätte nicht gedacht, dass so viele die Seite nutzen. Am Anfang waren es 50 Leute, aber dann auch mal Null am Tag", sagt Ambrozy, der die Seite um Ostern online geschaltet hat.

Doch nicht nur für Menschen, die auf der Suche nach einem Impftermin sind, sondern auch für Arztpraxen, die auf der Suche nach Impfwilligen sind, ist die Seite ein Glücksgriff, denn sie bringt beide zusammen.

"Mich hat es gefreut, dass die Leute die Seite nutzen und einen Termin bekommen", sagt der Schüler, der nächstes Jahr das Abitur macht. Seine Eltern sind mächtig stolz auf ihn. "Sonst habe ich Spiele programmiert, damit konnten sie weniger anfangen", erklärt der junge Mann aus Ostfildern in der Nähe von Stuttgart.

Seine ersten Programmier-Erfahrungen machte er mit elf Jahren, anschließend ließ ihn das Thema nicht mehr los und er fuchste sich in die Thematik ein: Spiele entwickeln, Webseiten programmieren und dann Apps.

Schüler will seinem Opa einen Impftermin vereinbaren

Eine Spritze wird aus einer Ampulle aufgezogen. Impftermine sind in Baden-Württemberg aktuell rar. (Symbolbild)
Eine Spritze wird aus einer Ampulle aufgezogen. Impftermine sind in Baden-Württemberg aktuell rar. (Symbolbild)  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Als der 79-jährige Opa des Schülers über die Hotline und über die 116117.de-Seite keinen Impftermin bekam, versuchte er ihm zu helfen und kam genauso wenig durch. "Ich hatte Lust auszuprobieren, ob es wirklich so einfach zu programmieren ist."

Innerhalb drei Stunden entwickelte er ein Programm, das fünf Impfzentren abfragte, zunächst nur um dem Opa einen Termin zu sichern. Den hatte er bereits am nächsten Tag.

"Es ist ja toll, wenn ich ein Programm habe, aber ich kann nicht händisch jedem einen Termin buchen", erklärt der 17-Jährige seinen nächsten Schritt.

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Nachdem der Termin für den Opa relativ einfach zu bekommen war, beschloss er anderen auch seine Methode zur Verfügung zu stellen und zog das Programm auf die Seite impfterminübersicht.de. Dafür brauchte er rund 60 Stunden. Die App fürs Smartphone kostete auch noch ein wenig Zeit.

Wie funktioniert das Ganze? Wer klassisch über die 116117.de einen Impftermin in einem Impfzentrum anfragt, läuft oft ins Leere, denn es wird nicht angezeigt, ob es überhaupt freie Termine gibt. "Ein Termin in einem Impfzentrum anfragen, das macht mein Programm automatisch alle drei Minuten", erklärt der Schüler. Dem User werden dann freie Termine in Impfzentren angezeigt, die er dann gezielt buchen kann und damit steigt die Chance auf einen Termin immens.

Auch wenn mit seiner Seite viele einen Impftermin ergattert haben, kritisiert Ambrozy: "Drei bis vier Stunden für einen Impftermin sind immer noch zu viel" und würde sich von der Politik weniger Bürokratie und einfachere Prozesse wünschen.

Jobangebote habe er reihenweise bekommen. Mit seiner Schulausbildung und seinem Nebenjob, bei dem er eine App für ein Computerspiel programmiert, ist er allerdings voll ausgelastet. Nach dem Abitur will er erstmal studieren. "Ich werde bestimmt in die Richtung Informatik gehen, was genau, das wird die Zukunft zeigen".

Klingt relativ einfach! Doch funktioniert das Ganze auch? Wir haben unseren Redakteur David Frey in den Selbstversuch geschickt. Das sind seine Erfahrungen.

TAG24-Redakteur David Frey macht den Test: Ergattert er einen Impftermin?

Auf der Seite werden verfügbare Termine angezeigt.
Auf der Seite werden verfügbare Termine angezeigt.  © Screenshot: impfterminübersicht.de

Auf der sehr übersichtlichen Seite fand ich mich schnell zurecht und begann zunächst damit, die Impfzentren in meiner Umgebung als Favoriten zu markieren.

Die Seite aktualisiert sich automatisch alle zehn Sekunden im Hintergrund, sodass ich sie nicht die ganze Zeit aktiv auf dem Bildschirmfenster geöffnet haben musste. Sobald es "Ping" machte, eilte ich über zwei Klicks auf die Seite des Impfterminservices und versuchte zunächst, einen Vermittlungscode für das Impfzentrum zu ergattern - dies schlug einige Male fehl, doch irgendwann klappte es.

Mit diesem Zugangscode konnte ich dann beim nächsten "Ping" dieses Impfzentrums versuchen, mir einen frei gewordenen Termin bzw. ein Terminpaar (Erst- und Zweitimpfung) zu sichern. Viermal gelang mir die Auswahl eines Terminpaars bei zwei verschiedenen Impfzentren, doch nach der Eingabe meiner persönlichen Daten wies mich das System darauf hin, dass die Termine doch nicht mehr verfügbar seien - jemand anderes hatte wohl seine Eingaben schneller getätigt als ich. Beim fünften Mal klappte es dann aber und ich erhielt per E-Mail die Bestätigung der Terminbuchung vom Impfzentrum mit allen weiteren wichtigen Informationen.

Insgesamt hat mir impfterminübersicht.de sehr gefallen und ich schätze, dass es insgesamt etwa 40 Stunden gedauert hat, bis ich meinen Termin hatte. Davon war ich jedoch höchstens drei Stunden aktiv auf der Seite, den Rest erledigte der Automatismus im Hintergrund.

Titelfoto: privat

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