"Arbeiten mit unserer Nase": Badens Obstbrenner feiern Jubiläum

Freiburg - Aus der Brennanlage tröpfelt klares Destillat in einen Edelstahleimer.

Schallstadt: Flaschen mit verschiedenen Spirituosen, wie Schwarzwälder Kirschwasser oder Zwetschgenwasser, stehen auf einem Tisch zum Verkauf.
Schallstadt: Flaschen mit verschiedenen Spirituosen, wie Schwarzwälder Kirschwasser oder Zwetschgenwasser, stehen auf einem Tisch zum Verkauf.  © Philipp von Ditfurth/dpa

Frank Küchlin ist mit dem Resultat zufrieden, das Aroma für den hochprozentigen Pflaumenbrand stimmt.

"Wir arbeiten mit unseren Nasen und unseren Sinnen", sagt der Hofbesitzer aus dem südbadischen Schallstadt-Wolfenweiler. Der Brenner blickt auf die Temperaturanzeiger der Anlage. "Ein Grad mehr oder weniger, das ist nicht ausschlaggebend."

So wie Küchlin stehen Tausende Schnapsbrenner im Badischen nach der Obsternte an ihren Destillationsanlagen. Rund ein Viertel des badischen Obstes landet in Brennkesseln.

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Jeder hat seine eigenen Kniffe und Rezepte. Das Schwarzwälder Kirschwasser ist das klassische Aushängeschild. Doch die Palette hat sich erweitert, inzwischen sind auch Whisky oder Gin im Angebot.

Brenner zwischen Heidelberg im Norden und dem Bodensee im Süden besinnen sich in diesen Tagen auf ihre Geschichte.

Der Verband Badischer Klein- und Obstbrenner e.V. feiert an diesem Samstag (4. September) sein 75. Jubiläum. Er wurde 1946 genehmigt, nach dem Zweiten Weltkrieg, in der damaligen französischen Besatzungszone.

Die Branchenvertretung mit Sitz in Appenweier (Ortenaukreis) habe rund 7000 Mitglieder und sei damit die größte in Deutschland, berichtet Küchlin, der als einer der beiden stellvertretenden Vorsitzenden amtiert. Künftig werde der Verband als "Badens Brenner" auftreten.

Wolfgang Schäuble: "Schnapsbrenner sind Experten für Nachhaltigkeit"

CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble (78) hob in der Jubiläums-Festschrift die Bedeutung der Brenner für den Landschaftsschutz hervor.
CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble (78) hob in der Jubiläums-Festschrift die Bedeutung der Brenner für den Landschaftsschutz hervor.  © Kay Nietfeld/dpa

Es geht auch darum, sich deutlicher als bisher in der Öffentlichkeit darzustellen. Die Namensänderung muss noch in der Satzung und beim Registergericht verankert werden. Daran werde zurzeit gearbeitet, bestätigte Verbandsgeschaftsführer Klaus Lindenmann der dpa.

Die Kunst, einen guten Schnaps zu brennen, sei "weiterhin ein Geheimnis, das mit Erfahrung, Geduld und Verantwortung" zu tun habe, merkt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (78, CDU) in einem Grußwort in der Jubiläums-Festschrift an.

Der CDU-Politiker mit Wahlkreis im badischen Offenburg hebt die Bedeutung der Brenner für den Landschaftsschutz hervor - die Region präsentiert sich nach außen gerne als ein großer Garten.

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"Schnapsbrenner sind Experten für Nachhaltigkeit, und die Pflege unserer Streuobstwiesen ist ein unverzichtbarer Beitrag zum Erhalt unserer heimischen Kulturlandschaft", resümiert Schäuble.

Der Verband organisiert hauptsächlich Mitglieder, die einen anderen Haupterwerb haben, beispielsweise den Weinbau oder die Landwirtschaft. Das Brennereigeschäft ist traditionell staatlich kontrolliert und deshalb mit viel Bürokratie verbunden, um die sich der Verband auch kümmert.

"Wenn ich destilliere, muss ich das vorher anmelden beim Hauptzollamt Stuttgart", erzählt Frank Küchlin. Es geht dabei um die fällige Branntweinsteuer und das Einhalten von Mengenbegrenzungen. "Es kommt eine Brenngenehmigung zurück, da steht drauf, wann ich destillieren darf, das Datum, die Uhrzeit."

Pannen können tödlich enden

Tödliche Panne: Vor fünf Jahren starb ein Brenner aus Durbach (Ortenaukreis) an einer Rauchvergiftung. (Symbolbild)
Tödliche Panne: Vor fünf Jahren starb ein Brenner aus Durbach (Ortenaukreis) an einer Rauchvergiftung. (Symbolbild)  © Fabian Sommer/dpa

Ein Zollbeamter komme für Stichproben vorbei. "Der Alkohol muss solange da stehen, bis der Brennvorgang rum ist", meint der 53-Jährige mit Blick auf die Kontrollen.

Produkte wie Schwarzwälder Kirschwasser oder Schwarzwälder Williamsbirne sind nach EU-Recht geschützt. Dafür müssen die Hersteller auch aber strengere Anforderungen erfüllen. "Wir sind sehr froh, dass das geschützt ist", resümiert Küchlin, damit werde "ehrliches Handwerk" abgesichert.

Küchlin, der einen Wein- und Obstbaubetrieb mit 30 Hektar Fläche im der Gegend südlich von Freiburg betreibt, spricht auch über Schattenseiten des Gewerbes. Die Brennerei sei nicht ungefährlich, auch er habe schon einmal einen Unfall in den Brennstube gehabt. "Alkoholdampf ist entzündlich."

Pannen können tödlich enden: Vor fünf Jahren starb ein 67 Jahre alter Brenner aus Durbach im Ortenaukreis an einer Rauchvergiftung.

"Man darf nicht in Routine verfallen", lautet die Devise des umtriebigen Brenners, der schon in Singapur und Namibia beim Aufbau lokaler Produktionsstätten half. Für die Brennerei seien vollreife Früchte ganz besonders wichtig.

Auf seinem Hof wird beispielsweise gewartet, bis die Pflaumen vom Baum fallen. Das kann sich über Wochen hinziehen. "Das ist eine Mordsarbeit", sagt er. "Die erste Grundlage für ein gutes Destillat ist die Obstauswahl."

Titelfoto: Philipp von Ditfurth/dpa

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