Darum nutzt dieser OB-Kandidat Tinder im Wahlkampf

Konstanz - 41 Jahre jung, dunkle Locken, politisch interessiert und einfallsreich: Luigi Pantisano will als einer von fünf Kandidaten am Sonntag (27.9.) Rathauschef in Konstanz werden und dazu hat er sich etwas Unorthodoxes einfallen lassen.

"Möchtest du mit mir wählen gehen?" ist einer der Tinder-Sprüche, mit denen der OB-Kandidat die Wähler überzeugen will. (Symbolbild)
"Möchtest du mit mir wählen gehen?" ist einer der Tinder-Sprüche, mit denen der OB-Kandidat die Wähler überzeugen will. (Symbolbild)  © Johannes Schmitt-Tegge/dpa

Um junge Wähler anzusprechen, ist er seit Ende Juli in der Dating-App Tinder angemeldet: einer Partnersuchbörse, die Menschen über ihr Smartphone nutzen können, und bei der potenzielle Partner mit der Hand weggewischt werden können.

"Man musste sich im Zuge von Corona und dem Lockdown überlegen, wie erreichen wir die Bürger", sagt Pantisano, der sich als unabhängiger und überparteilicher Kandidat bewirbt im Wahlkampf unter anderem von den Grünen und der Linken unterstützt wird. 

Die Grüne Jugend in Konstanz habe ihm empfohlen, Tinder zu versuchen, weil viele junge Leute ein Smartphone nutzten.

Also stellte die Grüne Jugend Pantisanos Foto in die App ein, aber nicht ein Aktuelles des 41-Jährigen, sondern ein bearbeitetes, verjüngtes Bild. Im Tinder-Profil ist Pantisano 24 Jahre alt. 

In der Plattform wirbt er mit dem Satz: "Möchtest du mit mir wählen gehen?" – in Anspielung auf den Spruch "Willst du mit mir gehen?" Zuerst hatte die "Stuttgarter Zeitung" (Donnerstag) berichtet.

Die Grüne Jugend brachte den Konstanzer OB-Kandidaten auf die kreative Idee

Dieser Mann nutzt Tinder im Wahlkampf: Konstanzer OB-Kandidat Luigi Pantisano (41).
Dieser Mann nutzt Tinder im Wahlkampf: Konstanzer OB-Kandidat Luigi Pantisano (41).  © Christoph Musiol/Luigi Pantisano/dpa

Die Grüne Jugend in Konstanz habe im vergangenen Wahlkampf gute Erfahrungen mit Tinder gemacht, erzählt Pantisano. 

Mit dem Vorschlag, sein Profil in dieser Partnerbörse einzustellen, sei er einverstanden gewesen unter der Voraussetzung, dass klar deutlich wird, dass das nicht sein echtes Profil sei. "Und das ist auch passiert", sagt Pantisano.

Bisher habe er eigentlich nur positive Rückmeldungen erhalten. Junge Menschen, an die sich die ungewöhnliche Aktion richtet, befragten ihn nach politischen Themen und zum Wahlkampf. 

Eine Anmache sei nicht darunter gewesen. "Ich bin glücklich verheiratet und habe zwei kleine Kinder", betont Pantisano, der als Sohn italienischer Eltern in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) geboren wurde. Er selbst nutze Tinder nicht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Politiker, Tinder für ihre Zwecke nutzen. Der Kampf um Wählerstimmen findet nicht mehr nur auf Plakaten und Wochenmärkten statt - längst hat er sich auf Smartphones, Desktops und Tablets verlagert. Tinder nutzte beispielsweise Carl Cevin-Key Coste, der für die FDP bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg kandidierte. Lässig an einem Geländer lehnend, lächelte der Jurastudent durch seine runde Brille der potenziellen Wählerin entgegen. 

"Moin ich bin Carl und Dein Kandidat für die Hamburger Bürgerschaftswahl. (...) Swipe nach rechts oder schreib mir auf Insta und lass uns über die Zukunft von Hamburg reden!", hieß es im Profil des Landesvorsitzenden der Jungen Liberalen Hamburg.

Glaubt man Dating-Plattformen wie Tinder, sank das generelle Interesse an Partnersuche während Corona nicht. Im April berichtete Tinder beispielsweise im Vergleich zum Beginn des sogenannten Lockdowns von einem Nachrichtenzuwachs um 62 Prozent.

Titelfoto: Christoph Musiol/Luigi Pantisano/dpa

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