Lach-Yoga gegen den Corona-Blues: Schafft Ihr es, nicht zu lachen?

Reutlingen - Na, heute schon gelacht? Nein? Dann wird es Zeit, meint zumindest Carmen Goglin (55) von der Lachschule Reutlingen. Sie hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht, Leute mit ihrem Lachen anzustecken und berichtet davon im Interview mit TAG24.

Ein humorvolles Foto: Carmen Goglin (55) nutzt jede Gelegenheit um ihr Lachen in die Welt zu tragen. Hier mit einem Smiley-Regenschirm vor der Reutlinger Stadthalle.
Ein humorvolles Foto: Carmen Goglin (55) nutzt jede Gelegenheit um ihr Lachen in die Welt zu tragen. Hier mit einem Smiley-Regenschirm vor der Reutlinger Stadthalle.  © Markus Gausz

In Zeiten von Corona ist so manchem sicher das Lachen vergangen. Doch das sei genau der falsche Ansatz meint Lach-Yoga-Lehrerin Carmen Goglin, denn Lachen sei gesund.

"Lachen aktiviert die Selbstheilungskräfte, wir werden besser mit Sauerstoff versorgt, Endorphine werden ausgeschüttet und die Organe durch die Muskeln, die beim Lachen angespannt werden, massiert", sagt die Lach-Trainerin.

Doch was genau wird darunter verstanden? "Lach-Yoga ist Lachen ohne Grund", erklärt Goglin. Es gehe darum ohne Witz oder Grund einfach loszulachen - von innen heraus.

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Mit ihren Videos sorgt sie jedenfalls für jede Menge Lacher im Netz. Auf Instagram folgen ihr über 16.000 Abonnenten, über 12.000 auf YouTube.

Dass ihre Videos so berühmt werden, hat Goglin nicht für möglich gehalten. Zum Durchbruch im Netz verhalf ihr eine Parodie des Deutschrappers Finch Asozial, von der die Trainerin zunächst geschockt gewesen sei. Sie überlegte sogar rechtliche Schritte einzuleiten.

Doch dann erkannte sie das Potenzial: "Es öffnete mir eine Tür und meine Mission ist das Lachen in die Welt zu tragen und so konnte ich mehr Menschen erreichen", sagt Goglin, die inzwischen ganz froh über die neue Reichweite ist. Sogar Oliver Pocher (42) hat sie entdeckt und in einem Video mit ihr gelacht.

Lachen ist gut für Körper und Seele und half Goglin aus Depression

Die Lach-Yoga-Trainerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zum Lachen zu bringen.
Die Lach-Yoga-Trainerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen zum Lachen zu bringen.  © Orhidea Briegel

Bereits seit etwa drei Jahren postet sie verschiedene Lach-Videos. Am besten gefällt ihr dabei das "Gorilla-Lachen", das über 75.000 Aufrufe auf YouTube hat, weil "man sich einfach mal zum Affen machen kann, was man sich ja sonst nicht erlaubt", sagt die Trainerin. Bei der Übung klopft man sich wie ein Gorilla auf die Brust und lacht herzlich dabei.

Insbesondere im Schwabenländle würde man ja manchmal sprichwörtlich zum Lachen in den Keller gehen, meint die gebürtige Sächsin, die sich nach etwa 20 Jahren in Baden-Württemberg heimisch fühlt.

Dabei hat sie ein ernstes Thema auf den Pfad des Lachens gebracht. Carmen Goglin litt an einer Depression und hatte bereits drei Jahre Therapie hinter sich. "Die Lebensfreude kam nicht zurück, die Energie fehlte", sagt Ehefrau und Mutter zweier erwachsener Kinder und zweier Enkel rückblickend über die Zeit.

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Goglin machte sich auf die Suche nach etwas, das ihr helfen könnte und stieß auf das Wochenendseminar Lach-Yoga, denn gelacht habe sie immer gerne.

"Es war Liebe auf den ersten Blick" oder besser auf den ersten Lacher. Denn nachdem sie die Hemmschwelle verlor und das Lachen der anderen sie ansteckte, ließ sie die Freude nicht mehr los.

Sie absolvierte 2014 in Österreich bei einem indischen Lach-Guru zwei Ausbildungen zur Lach-Yoga-Trainerin und gibt heute aufgrund der Corona-Pandemie nur Online-Trainings, doch die sind gefragter denn je.

Lachen ist auch im beruflichen Umfeld sehr wichtig

Carmen Goglin berät Unternehmen in Personalfragen: Auch hier darf ihrer Meinung nach, das Lachen nicht fehlen.
Carmen Goglin berät Unternehmen in Personalfragen: Auch hier darf ihrer Meinung nach, das Lachen nicht fehlen.  © Orhidea Briegel

Auf die Frage, wie oft sie denn inzwischen lache, antwortet Goglin, die hauptberuflich als Personal-Coach arbeitet: "Besser wäre die Frage, wann nicht. Ich kann aber auch ernst sein, manchmal ist mir auch nicht zum Lachen zumute".

Denn in ihrem Job als selbstständiger Personalcoach kann sie natürlich sehr ernst sein. Doch auch hier gilt für sie: Lachen motiviert.

Oft komme sie als Interimsmanagerin in Abteilungen, bei denen die Stimmung durch Personalengpässe oder Probleme nicht gut ist.

Daher hält sie es hier für wichtig auch gemeinsam zu lachen:

"Wenn man gelacht hat, ist man wieder positiver, entspannter, das Gehirn ist durchblutet und kann besser denken und mit Abstand zum Problem findet man eine bessere Lösung".

Menschen, die unter der aktuellen Krise leiden, empfiehlt die Lach-Trainerin in sich hinein zu spüren und zu schauen, was ihnen guttut, beispielsweise eine schöne Musik hören oder ein Buch lesen und gut für sich zu sorgen. "Wir können die Situation nicht ändern, wir können nur das Beste daraus machen und wenn man bereit ist, einfach lachen". Durch das Lachen würde man auch eine Distanz zur Krise bekommen.

"Dann Lacht´s gut", sagt die Lach-Trainerin und verabschiedet sich.

Diese Frau steckt einen geradezu an mit ihrem Lachen. Konntet Ihr widerstehen?

Titelfoto: Orhidea Briegel

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