Nach Tod von George Floyd: Mehr Deutsche wehren sich gegen eigene Diskriminierung

Mannheim - Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd und den Debatten über Rassismus trauen sich nach Angaben des Antidiskriminierungsbüros in Mannheim mehr Menschen auch in Deutschland, gegen die selbst erlebte rassistische Diskriminierung vorzugehen.

Mannheim: In schwarz gekleidete Teilnehmer mit Mundschutz nahmen am Samstag an einer Versammlung unter dem Motto "Nein zu Rassismus! Black lives matter" teil und hielten Protestschilder in die Höhe.
Mannheim: In schwarz gekleidete Teilnehmer mit Mundschutz nahmen am Samstag an einer Versammlung unter dem Motto "Nein zu Rassismus! Black lives matter" teil und hielten Protestschilder in die Höhe.  © Uwe Anspach/dpa

"Es melden sich definitiv mehr Menschen bei uns wegen Benachteiligung", sagte die Leiterin der Stelle, Tina Koch. 

"Das Thema Rassismus ist so präsent, dass Menschen merken, sie sind nicht allein, und sie die Hürde aus Scham und Angst, die Erfahrungen wieder durchleben zu müssen, leichter überspringen können." Sie meldeten sich telefonisch, per Mail oder mit einem anonymen Formular bei der Beratungsstelle.

Bundesweit hatten sich am Wochenende in vielen deutschen Städten Zehntausende an Kundgebungen gegen Rassismus beteiligt. Auslöser war der Tod George Floyds bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai in der US-amerikanischen Stadt Minneapolis.

In der Hälfte der etwa 15 Fälle, die die Beratungsstelle bislang monatlich erreichen, ist Rassismus mit im Spiel. Die häufigsten Diskriminierungen aufgrund von Hautfarbe oder zugeschriebener ethnischer Herkunft betreffen das Arbeitsleben. 

Eine weitere betroffene Gruppe sind Schüler. Auch um Mietsachen mit rassistischem Hintergrund kümmern sich die Beraterinnen. In Einzelfällen gebe es auch Meldungen, wonach die Polizei Angriffe auf schwarze Menschen nicht ernst genug nehme, sagte Koch.

Vom Gründungsjahr 2018 auf 2019 habe sich die Zahl der gemeldeten Diskriminierungsfälle verdoppelt; auch in der ersten Hälfte dieses Jahres registriert Koch erneut doppelt so viele Fälle wie im Vergleichzeitraum 2019. 

Das Antidiskriminierungsbüro wird von der Stadt Mannheim und dem Land gefördert. Die fünf Beraterinnen bieten den Betroffenen ein offenes Ohr und zeigen Möglichkeiten zu reagieren auf, von Vermittlungsgesprächen über Beschwerdebriefe bis hin zu Klagen. Es gibt acht Beratungsstellen im Südwesten.

Titelfoto: Uwe Anspach/dpa

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