Nach Hochwasser-Katastrophe: Bevölkerungs-Schutz braucht Nachwuchs!

Bruchsal/Stuttgart - Für den Bevölkerungsschutz in Baden-Württemberg suchen Land und Verbände neuen Nachwuchs.

Innenstaatssekretär Wilfried Klenk (62, CDU) befürchtet ein Nachwuchsproblem beim Bevölkerungsschutz.
Innenstaatssekretär Wilfried Klenk (62, CDU) befürchtet ein Nachwuchsproblem beim Bevölkerungsschutz.  © Bernd Weissbrod/dpa

Eine Kampagne samt Imagefilm und einem sogenannten Werbemobil soll dabei helfen.

"Das Unwettergeschehen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat uns in den letzten Tagen sehr deutlich vor Augen geführt, wie sehr wir auf einen leistungsfähigen Bevölkerungsschutz angewiesen sind", sagte Innenstaatssekretär Wilfried Klenk (62, CDU) am Freitag in der Landesfeuerwehrschule Bruchsal (Landkreis Karlsruhe) beim Start der Aktion, an der auch zahlreiche Verbände wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und das Technische Hilfswerk (THW) beteiligt sind.

Das Werbemobil soll auf Tour durch Baden-Württemberg gehen. Organisationen im Bevölkerungsschutz können es ausleihen.

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Dort können Interessierte etwa mit sogenannten VR-Brillen und 3D-Effekten einen virtuellen Brand löschen. Es gibt nach Angaben des Innenministeriums Reaktions- und Geschicklichkeitstests, lebensrettende Maßnahmen können ausprobiert werden.

Ein "Helf-O-Mat" informiere mit wenigen Klicks über Einsatzmöglichkeiten im Bevölkerungsschutz.

Noch ist der Bevölkerungsschutz in Baden-Württemberg nach Einschätzung Klenks und verschiedener Verbände gut aufgestellt. Es deutet sich aber ein aufkommendes Nachwuchsproblem an.

Nachwuchsmangel in den Städten stärker als auf dem Land

Vaihingen an der Enz im März: Ein Mann und eine Frau simulieren in einem Container mithilfe von VR-Brillen das Löschen eines Feuers. Das Projekt soll mehr Nachwuchs für den Bevölkerungsschutz gewinnen.
Vaihingen an der Enz im März: Ein Mann und eine Frau simulieren in einem Container mithilfe von VR-Brillen das Löschen eines Feuers. Das Projekt soll mehr Nachwuchs für den Bevölkerungsschutz gewinnen.  © Leif Piechowski/Lichtgut/dpa

So ist etwa die Zahl der Ehrenamtlichen im Sanitätsdienst des DRK von 2004 bis 2020 von rund 30.400 auf 28.400 gesunken, sagte Udo Bangerter, Sprecher des Landesverbands Baden-Württemberg. Die Zahl der Ortsvereine sei von 693 um knapp ein Zehntel auf 625 zurückgegangen. "Das zeigt einen schleichenden Prozess."

Noch könnten alle Bereitschaften etwa für Fußballspiele besetzt werden. "Aber der Sockel dafür schmilzt, und die Ehrenamtlichen werden älter."

Regional sei der Nachwuchsmangel unterschiedlich stark ausgeprägt, erklärte der DRK-Sprecher. Das hänge unter anderem mit dem jeweiligen Engagement der Verantwortlichen vor Ort ab. Allgemein sehe es auf dem Land etwas besser aus als in den großen Städten.

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Laut Georgia Pfleiderer, Referatsleiterin Ehrenamt und Ausbildung beim THW-Landesverband Baden-Württemberg, ist die Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren sowohl bundesweit als auch im Südwesten stabil geblieben: rund 10.000 allein in Baden-Württemberg, darunter 2000 Jugendliche.

"Nichtsdestotrotz ist die Nachwuchsgewinnung wichtig, um Fluktuationen abzufangen und um damit konstant und verlässlich mit unseren Kompetenzen zum Schutz der Bevölkerung beizutragen", erklärte Pfleiderer. Der Verband fürchte, dass nicht alle THW-Angehörigen nach Corona "wieder den Weg in die Ortsverbände finden, da für lange Zeit die Dienste in den Ortsverbänden ausgesetzt waren".

An der Kampagne beteiligen sich laut Ministerium zudem die Feuerwehr, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Bergwacht Schwarzwald, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), der Bundesverband Rettungshunde, die Johanniter-Unfall-Hilfe und der Malteser Hilfsdienst.

Titelfoto: Leif Piechowski/Lichtgut/dpa

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