Nach Wahlpleite: Darum unterstützt die CDU Strobl bei Neuauflage von Grün-Schwarz

Stuttgart - Trotz des Ärgers über die historische Pleite bei der Landtagswahl hat die CDU-Basis den Kurs der Parteispitze um Thomas Strobl (61) hin zu einer Neuauflage der grün-schwarzen Koalition klar gestützt.

Innenminister Thomas Strobl (61, CDU).
Innenminister Thomas Strobl (61, CDU).  © Sebastian Gollnow/dpa

Wie die Deutsche Presse-Agentur am Montagabend von Teilnehmern erfuhr, stimmten nach einer Aussprache alle Kreischefs dafür, dass das Team um Landeschef Strobl die Sondierung mit den Grünen führt.

Es müsse jetzt vor allem darum gehen, geschlossen in die Verhandlungen mit den Grünen um Ministerpräsident Winfried Kretschmann (72) zu gehen, hieß es dem Vernehmen nach von vielen Teilnehmern.

Zu dem Sondierungsteam gehören zudem noch Generalsekretär Manuel Hagel und Fraktionschef Wolfgang Reinhart und Fraktionsvize Nicole Razavi.

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Allerdings forderten auch eine Reihe von Kreisvorsitzenden, dass die Südwest-CDU perspektivisch einen personellen Neuanfang brauche.

Unter anderem die Kreisverbände Göppingen, Stuttgart, Konstanz und Lörrach hätten sich in diese Richtung geäußert.

"Wenn wir so weitermachen, können wir nicht Volkspartei bleiben", hatte Willi Streit, Vorsitzender des Kreisverbands Konstanz, schon vor der Konferenz dem Südkurier gesagt. Man habe einen Brief an Landesverband und die Landtagsfraktion geschrieben, dass es so nicht weitergehe.

Im Land gebe es zu wenig überzeugendes Spitzenpersonal. Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann (56) habe für sich die Konsequenzen gezogen, nun brauche es auch neue Gesichter an der Landesspitze. Streit nannte im Südkurier die Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (45) und Thorsten Frei (47) als Kandidaten.

Heftige Kritik an Ex-Landesvater Mappus

Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (54, CDU).
Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (54, CDU).  © Marijan Murat/dpa

In der Konferenz habe Streit seine Kritik wiederholt, aber auch Strobls Leistung als Innenminister gelobt und sich für eine Neuauflage von Grün-Schwarz ausgesprochen, hieß es von Teilnehmern.

Insgesamt gab es großen Diskussionsbedarf über die Frage, wie es zu dem Absturz auf nur noch 24,1 Prozent kommen konnte und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.

Strobl wird auch deshalb gestützt, weil er als Vertrauensmann von Ministerpräsident Kretschmann gilt. Die CDU will unbedingt verhindern, neben der AfD in der Opposition zu landen. Die Grünen erwägen allerdings neben Grün-Schwarz auch ein Ampel-Bündnis mit SPD und FDP.

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Heftige Kritik gab es an Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus (54), der die CDU am Wochenende dazu aufgefordert hatte, in die Opposition zu gehen. Dass ausgerechnet Mappus sich über den Zustand der CDU auslasse, sei "ungeheuerlich", sagte Agrarminister Peter Hauk (60), der auch Bezirkschef in Nordbaden ist, Teilnehmern zufolge.

Gerade Mappus sei doch für den "Niedergang" mitverantwortlich. Auch andere Teilnehmer beschwerten sich demnach darüber, dass nun wieder "Heckenschützen" unterwegs seien.

Mappus hatte der Pforzheimer Zeitung gesagt: "Wir sind aktuell keine Volkspartei mehr." Die CDU müsse raus aus der Landesregierung. "Noch weitere fünf Jahre als Juniorpartner der Grünen, dann kommen wir dahin, wo heute die SPD ist."

Mappus nahm auch Strobl ins Visier: "Der CDU-Landesvorsitzende und Innenminister schafft es in seiner Heimatstadt noch nicht mal mehr ins Parlament", sagte er über den Heilbronner. "Die CDU hat in diesem Land in erheblichem Maße den Kontakt zu den Menschen verloren."

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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