Schlachthof-Skandal: Landratsamt trennt sich von Kontrolleuren

Böblingen - Nach dem Skandal um mutmaßliche Tierschutzverstöße in einem Schlachthof in Gärtringen will sich das Landratsamt Böblingen von den dort eingesetzten amtlichen Kontrolleuren trennen.

In diesem Schlachthof kam es zu den mutmaßlichen Tierschutzverstößen.
In diesem Schlachthof kam es zu den mutmaßlichen Tierschutzverstößen.  © Sebastian Gollnow/dpa

Es handle sich um zwei amtliche Tierärzte und zwei Assistenten, sagte ein Sprecher des Landratsamts am Donnerstag auf Anfrage. Landrat Roland Bernhard erklärte, Verfehlungen seien zwar menschlich, dürften aber im sensiblen Bereich des Tierschutzes "nicht toleriert" werden.

Für einen "glaubwürdigen Neustart des Schlachthofes" brauche man unbefangenes Kontrollpersonal.

Der Landkreis hat nach eigenen Angaben im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen den Schlachthof inzwischen mehr als 500 Stunden Video-Rohmaterial ausgewertet.

Man habe die Frage klären wollen, ob amtliche Tierärzte der Veterinäraufsichtsbehörde Dienstpflichten verletzt hätten.

Einer amtlichen Tierärztin hätten bei vier Schlachtvorgängen Verstöße nachgewiesen werden können, hieß es. Mögliche Verfehlungen der Schlachter seien nicht untersucht worden, hierzu ermittle die Staatsanwaltschaft.

Der Schlachthof wird von einer Genossenschaft betrieben und dürfte noch mindestens bis Mitte 2021 geschlossen bleiben. Das Landratsamt teilte mit, man arbeite gemeinsam mit der Genossenschaft an einem Konzept für einen Neustart, noch in diesem Jahr wolle man konkrete Pläne vorstellen. Bei der Neuauswahl des Kontrollpersonals werde auf eine "intensive Schulung" geachtet.

Der Verein "Soko Tierschutz" hatte Ende August Bildmaterial aus dem Schlachthof veröffentlicht.

Er hatte Mitarbeitern unter anderem vorgeworfen, Schweine geschlagen und getreten sowie Elektroschocker eingesetzt und die Tiere unprofessionell betäubt zu haben. Vor diesem Hintergrund machte die Aufsichtsbehörde den Schlachthof vorläufig dicht.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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