Schutzbund: Zu wenig Hilfsangebote für Opfer von Kinderpornografie

Stuttgart/Offenburg - Für Opfer von Kindesmissbrauch und Kinderpornografie gibt es aus Sicht des Kinderschutzbundes Baden-Württemberg zu wenig Beratungs- und Therapieangebote.

Für Opfer gebe es zu wenig Therapieangebote und die Präventionsarbeit müsse verbessert werden. (Symbolbild)
Für Opfer gebe es zu wenig Therapieangebote und die Präventionsarbeit müsse verbessert werden. (Symbolbild)  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Große Defizite gebe es vor allem im ländlichen Raum, erklärte Geschäftsführerin Julia Wahnschaffe. Auch seien Kinderschutzzentren und Beratungsstellen gegen sexualisierte Gewalt im Südwesten seit Jahren unterfinanziert, viele seien auf Spendengelder angewiesen. "Ein struktureller finanzieller Ausbau wäre also sehr sinnvoll."

Auch die Präventionsarbeit müsste dem Kinderschutzbund zufolge verbessert werden. "Es ist wichtig, dass überall dort, wo Kinder leben, lernen, betreut und gefördert werden, sie über ihre Rechte aufgeklärt werden und sich Erwachsene aktiv für ihren Schutz einsetzen", sagte Wahnschaffe.

Ein Ansatz hierbei seien Kinderschutzkonzepte, die mit allen handelnden Personen in den jeweiligen Einrichtungen gemeinsam erarbeitet werden.

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Das vom Sozialministerium geförderte Projekt "Kinderschutz in Baden-Württemberg" für den Bereich Vereine und Jugendarbeit in Verbänden sei ein Beispiel. Es sollte auch auf Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen ausgeweitet werden, wie Wahnschaffe sagte.

Ein weiterer wichtiger Ansatz sei die sogenannte psychosoziale Prozessbegleitung, auch Opferschutzbegleitung genannt. Dieses Angebot ist in Baden-Württemberg nach Einschätzung des Kinderschutzbundes noch viel zu unbekannt und auch zu wenig finanziert.

Update 12.25 Uhr: Polizei: Immer mehr Fälle von Kinderpornografie auf dem Schulhof

Bei Kinderporngrafie ermittelt die Polizei immer öfter auch gegen Minderjährige. Hintergrund ist, dass der Besitz und das Verbreiten solcher Bilder strafbar ist. Rund 75 Prozent der Kinderpornografie-Fälle im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg gehen auf sogenannte Schulhof-Kinderpornografie zurück, wie Kriminalhauptkommissar Volker Olbrisch am Freitag sagte.

Insgesamt hat sich im Zuständigkeitsbereich der Offenburger Polizei die Zahl von Kinderpornografie-Fällen von 2018 bis 2020 auf 195 mehr als vervierfacht. In den meisten Fällen hätten Schüler Fotos oder Videos in Chatgruppen weitergeleitet, erläuterte Olbrisch. Nur in den wenigsten Fällen gehe es um sexuellen Missbrauch an Kindern selbst.

Doch auch das Weiterleiten sei kein Kavaliersdelikt, mahnte der Leiter der Kriminaldirektion, Wolfgang Jaeger. "Das hat nichts damit zu tun, dass ich mal einen Lippenstift klaue. Es hat auch nichts damit zu tun, dass ich mal hinterm Schulhof einen Joint rauche."

Schon die Nacktaufnahme einer 13-Jährigen, die das Mädchen als vermeintlichen Liebesbeweis an ihren Freund schickt, gelte nach dem Gesetz als Kinderpornografie. Kinder und Jugendliche verbreiteten solche oder schlimmere Bilder, weil sie das cool fänden oder sich beweisen wollten, sagte Jaeger. "Die machen das auch als Mutprobe."

Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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