Sozialverbände kritisieren Wegfall der Impfpriorisierung

Stuttgart - Sozialverbände in Baden-Württemberg haben den Wegfall der Corona-Impfpriorisierung kritisiert. Da die Terminvergabe seit dem 7. Juni für alle geöffnet ist, sehen sie gefährdete Gruppen benachteiligt.

Ein Schild weist den Weg zu einem Impfzentrum. Der Wegfall der Corona-Impfpriorisierung stößt bei Sozialverbänden in Baden-Württemberg auf Kritik. (Symbolbild)
Ein Schild weist den Weg zu einem Impfzentrum. Der Wegfall der Corona-Impfpriorisierung stößt bei Sozialverbänden in Baden-Württemberg auf Kritik. (Symbolbild)  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Die Geschäftsführerin des Landesverbands für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung (LVKM), Jutta Pagel-Steidl, wies darauf hin, dass zahlreiche Menschen aus den Prioritätengruppen 1 und 2 bislang weder geimpft seien noch einen Termin hätten.

Sie sei aber froh, dass nun auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren grundsätzlich impfberechtigt seien. Allerdings nehme sie wahr, dass die Nachfrage von gesunden Kindern und Jugendlichen sehr groß sei.

Sie befürchte, Menschen mit Behinderung und Vorerkrankung könnten das Nachsehen haben.

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Auch der nachvollziehbare Wunsch, entspannt und ohne Einschränkungen in den Sommerurlaub zu fahren, dürfe nicht dazu führen, dass Menschen mit Vorerkrankungen und Behinderungen jeglichen Alters länger als notwendig auf einen Impftermin warten müssen, sagte Pagel-Steidl.

Es gehe darum, einen schweren oder gar tödlichen Verlauf zu verhindern.

Hausärzte berichten von schwankenden Impfstoff-Liefermengen

Blick in ein Sprechzimmer einer Hausarztpraxis vom Hausarzt. Hausärzte berichten von schwankenden Impfstoff-Liefermengen, was die Planbarkeit erschwert. (Symbolbild)
Blick in ein Sprechzimmer einer Hausarztpraxis vom Hausarzt. Hausärzte berichten von schwankenden Impfstoff-Liefermengen, was die Planbarkeit erschwert. (Symbolbild)  © Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Der Vorsitzende des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg, Hans-Josef Hotz, sagte, mit der kompletten Öffnung der Impfberechtigung werde die Erwartung verknüpft, gleich einen Impftermin zu erhalten. Das werde nicht erfüllbar sein und zu Lasten der gefährdeten, besonders schützenswerten Menschen gehen.

Denn es sei klar: Die Vergabe von Impfterminen in den Impfzentren gestalte sich weiter fast aussichtslos, sagte Hotz. Hausärzte berichteten zudem von schwankenden Liefermengen, was die Planbarkeit der Impfungen erschwere und Menschen, die nicht mehr sehr mobil sind, stark benachteilige.

Bei der Lebenshilfe Baden-Württemberg sieht man parallel zum Wegfall der Impfpriorisierung am 7. Juni auch eine Verbesserung der Impfkampagne. Es sei lange Zeit sehr schwierig gewesen, an einen Impftermin zu kommen, sagte Geschäftsführerin Stephanie Dorsch.

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Dies sei insbesondere für Menschen mit Behinderung der Fall, die außerhalb von Einrichtungen lebten. Doch seit rund einem Monat gelinge der Zugang zu den Impfungen besser.

Gesundheitsministerium: Rückgang der Sterbezahlen war vorrangiges Ziel zu Beginn der Impfungen

Eine Person wird in einem Impfzentrum von einem Notfallsanitäter des Deutschen Rotes Kreuzes mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer gegen Covid-19 geimpft. (Symbolbild)
Eine Person wird in einem Impfzentrum von einem Notfallsanitäter des Deutschen Rotes Kreuzes mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer gegen Covid-19 geimpft. (Symbolbild)  © Friso Gentsch/dpa

Der Landesseniorenrat weist darauf hin, dass der größte Teil der Menschen über 60 Jahre und mit Vorerkrankungen geimpft sei. Zudem würden Hausärzte weiterhin priorisieren, da der Impfstoff rar sei.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind bislang mehr als 80 Prozent der über 60-Jährigen im Südwesten mindestens einmal geimpft und knapp 55 Prozent zweimal.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums teilte mit, die Sterbezahlen gingen zurück. Das sei das vorrangige Ziel zu Beginn der Impfungen gewesen.

Zudem priorisierten etwa die Hausärzte weiter, um so die Patienten zu schützen, die eine Impfung am dringendsten brauchen.

Das Ministerium verwies auch auf die Bemühungen von Land, Kommunen und Ärzten beim "sozialen Impfen" in benachteiligten Stadtteilen.

Titelfoto: Friso Gentsch/dpa

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