Schwere Zeiten: Sparkassen rechnen mit mehr Kreditausfällen

Stuttgart - Die baden-württembergischen Sparkassen stellen sich auf wirtschaftlich schwierige Zeiten ein.

Im ersten Halbjahr wurden über eine Milliarde Euro mehr an Darlehen gewährt als im Vorjahreszeitraum. (Symbolbild)
Im ersten Halbjahr wurden über eine Milliarde Euro mehr an Darlehen gewährt als im Vorjahreszeitraum. (Symbolbild)  © Marijan Murat/dpa

"Die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle wird in diesem Jahr deutlich steigen, und auch 2021 rechnen wir mit einem schwierigen Jahr für viele Sparkassenkunden", sagte Verbandspräsident Peter Schneider. 

Im ersten Halbjahr gewährten die 51 Kreditinstitute ihren Firmenkunden über eine Milliarde Euro mehr an Darlehen als im Vorjahreszeitraum.

Schneider informiert am Mittwoch (11 Uhr) über die aktuelle Entwicklung. 2019 hatten die Sparkassen Unternehmen und Selbstständigen in der ersten Jahreshälfte neue Kredite in Höhe von 6,7 Milliarden Euro zugesagt. 

2020 stiegen die Kreditzusagen an diese Gruppe im gleichen Zeitraum um rund ein Fünftel auf acht Milliarden Euro. Insgesamt stieg der gesamte Bestand an Krediten für Unternehmen und Selbstständige um 4,5 Prozent auf 66,4 Milliarden Euro.

Inklusive der Kredite an Privatkunden und an weitere Kreditnehmer hatten die Sparkassen in Baden-Württemberg Ende Juni rund 139 Milliarden Euro in ihren Büchern. Dies sind 5,9 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor – ein Plus von 4,4 Prozent.

Update 14.03 Uhr: Bilanz der Südwest-Sparkassen: Mehr Kredite und viele Krisensparer

Die Sparer bringen trotz Corona-Krise weiterhin ihr Geld zu den Sparkassen. Sparkassenpräsident Peter Schneider sagte am Mittwoch in Stuttgart, viele Menschen hätten wegen geschlossener Geschäfte und Gastronomiebetriebe während der Krise weniger Geld ausgegeben. Außerdem legten Kunden mehr Geld zurück.

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Kundeneinlagen bei den Südwestsparkassen in der ersten Hälfte dieses Jahres um 5,4 Prozent auf 150 Milliarden Euro. Die Nachfrage nach Krediten stieg trotz der Krise: 2019 hatten die Sparkassen in der ersten Jahreshälfte Immobilienkredite im Wert von 68 Milliarden Euro an Privatpersonen und Gewerbe vergeben. 2020 stiegen die Kredite für Häuser und Gebäude um 6,4 Prozent auf 72,4 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs das Kreditvolumen um 4,4 Prozent auf 139 Milliarden.

Für die Corona-Krise und ihre finanziellen Auswirkungen sehen sich die Kreditinstitute gut gerüstet. Ausreichende Reserven aus den vergangenen Jahren ermöglichten unter anderem eine Grundlage in der Krise, etwa um mehr Kredite zu vergeben. Dennoch hält der Sparkassenverband die Corona-Pandemie für eine größere Gefahr als frühere Finanzkrisen. 

"Unabhängig davon, wie sich die Pandemie weiterentwickeln wird, hat sie schon jetzt ein viel höheres Krisenpotenzial, als es zum Beispiel die Finanzkrise hatte", sagte Schneider bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz.

Titelfoto: Marijan Murat/dpa

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