Empörung über "Stammbaum-Forschung" nach Krawallen: Innenminister Strobl stärkt Polizei den Rücken

Stuttgart - Nach der Krawallnacht durchforstet die Polizei den Stammbaum der Tatverdächtigen, erntet dafür viel Kritik - aber auch Lob (TAG24 berichtete). Jetzt hat sich Innenminister Thomas Strobl (60, CDU) zu Wort gemeldet - und den Ermittlern den Rücken gestärkt.

Innenminister und CDU-Bundesvize Thomas Strobl.
Innenminister und CDU-Bundesvize Thomas Strobl.  © Sebastian Gollnow/dpa

In einer Mitteilung, die sein Ministerium am Sonntagnachmittag verschickte, wird der 60-Jährige folgendermaßen zitiert: "Die Feststellung der Lebens- und Familienverhältnisse ist ein Teil der polizeilichen Ermittlungen, das ist eine Selbstverständlichkeit in einem Strafverfahren."

Insofern stehe Strobl auch in diesem Punkt zur Arbeit und hinter der Polizei. Und weiter: "Die Ausschreitungen in Stuttgart lassen ein bislang unbekanntes Gewalt- und Eskalationspotential der Beteiligten erkennen." 

Daran richteten sich auch die Maßnahmen zur justiziellen und polizeilichen Aufarbeitung aus und deswegen würden alle Umstände in die Bewertung einbezogen, "die für die Sanktionierung, aber auch die Prävention von Bedeutung sind". 

Die Stuttgarter Polizei ermittele im Strafverfahren auch zu den Lebens- und Familienverhältnissen der identifizierten Tatverdächtigen.

"Deshalb wird in einzelnen Fällen die Nationalität der Eltern von Tatverdächtigen durch Anfragen beim Standesamt erhoben, um zu klären, ob ein Migrationshintergrund gegeben ist", so Strobl. 

Dieser liege dann vor, wenn es sich bei einem Elternteil um eine Nichtdeutsche oder einen Nichtdeutschen handele. "Der Begriff 'Stammbaumforschung' ist da fehl am Platze", stellt der Innenminister klar. "Unsere Polizei arbeitet professionell und korrekt."

Informationen sollen auch öffentlicher Diskussion dienen

21. Juni: Einsatzkräfte der Polizei stehen am Abend nach den Ausschreitungen in der Nacht auf dem Schlossplatz.
21. Juni: Einsatzkräfte der Polizei stehen am Abend nach den Ausschreitungen in der Nacht auf dem Schlossplatz.  © Marijan Murat/dpa

Zusätzlich zu der strafrechtlichen Aufarbeitung unter Einbeziehung aller persönlichen Umstände der Tatverdächtigen gehe es auch darum, geplante Präventionsmaßnahmen an der jeweiligen Zielgruppe orientiert maßgeschneidert umzusetzen.

Und: "Nicht zuletzt sollen für eine breite öffentliche Diskussion gegebenenfalls eindeutige und verlässliche Informationen zu den Tatverdächtigen kommuniziert werden können. Dazu kann freilich auch die Herkunft bei Tatverdächtigen gehören."

Wie berichtet hatten in der Nacht auf den 21. Juni Hunderte junge Männer in der Stuttgarter Innenstadt randaliert, Geschäfte geplündert und die Polizei attackiert.

Die Mehrheit der Randalierer hatte einen Migrationshintergrund.

Auf Videos war zu sehen, wie etwa "Allahu Akbar" skandiert wurde oder Polizeibeamte als "Hurensöhne" beschimpft wurden.

Auf Twitter hatte das Vorgehen der Polizei am Sonntag den Hashtag #Stammbaumforschung trenden lassen (TAG24 berichtete).

Update 19.13 Uhr: Polizeipräsident sprach nicht von Stammbaumforschung

Der 16-minütige Tonschnitt der Gemeinderatssitzung zeigt, dass der Polizeipräsident im Zusammenhang mit den identifizierten Tatverdächtigen nicht von "Stammbaumforschung" gesprochen hat, teilt die Polizei mit.

Ein Mitarbeiter der Stadt habe sich den Mitschnitt angehört und zu keinem Zeitpunkt sei die Rede von Stammbaumforschung, er spreche nur von bundesweiten Recherchen bei Standesämtern, der der Migrationshintergrund bei elf Verdächtigen noch nicht klar sei. 

Titelfoto: Montage: Marijan Murat/dpa, Sebastian Gollnow/dpa

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