Explosionen bei Lebensmittelfirmen: Suche nach Motiv und Täter läuft

Heidelberg/München - Nach Explosionen von Postsendungen in der Lidl-Zentrale und bei einem Getränkehersteller in Baden-Württemberg untersuchen die Ermittler Spuren an den Tatorten.

Rettungskräfte am Mittwoch vor dem Verwaltungsgebäude von Lidl in Neckarsulm. Zuvor kam es zu einer Explosion.
Rettungskräfte am Mittwoch vor dem Verwaltungsgebäude von Lidl in Neckarsulm. Zuvor kam es zu einer Explosion.  © 7aktuell.de | Hessenauer

Wer hinter den explosiven Sendungen steckt, sei noch ebenso unklar wie das Motiv, sagte am Freitagmorgen ein LKA-Sprecher auf Anfrage. Nachdem auch in München ein verdächtiges Paket entdeckt wurde, gehen die Ermittler von einem Zusammenhang aus.

Das Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg und die Staatsanwaltschaft Heidelberg haben die Ermittlungen übernommen.

Alle Sendungen waren an Lebensmittelunternehmen adressiert. Am Dienstag hatte ein Mitarbeiter eines Getränkeherstellers in Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) ein Knalltrauma erlitten, als er in der Warenannahme ein Paket angenommen hatte (TAG24 berichtete).

Drei Verletzte gab es am Mittwoch, als es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Landkreis Heilbronn) zu einer Explosion kam (TAG24 berichtete).

Noch rechtzeitig entschärft werden konnte in der Nacht zum Donnerstag eine Postsendung in einem Paketverteilzentrum beim Flughafen München.

Die Sendung war an ein Lebensmittelunternehmen in Bayern adressiert.

Eine am Donnerstag eingerichtete Sonderkommission des Landeskriminalamts sowie der Polizeipräsidien Heilbronn, Mannheim und Ulm mit über 100 Beamtinnen und Beamten ermittelt auf Hochtouren.

Update, 10.48 Uhr: Dritte Bombe war wohl an Hipp adressiert

Das dritte Paket soll laut Bild-Zeitung an den bayerischen Babynahrungshersteller Hipp adressiert worden sein.

Entsprechende Information der "Bild"-Zeitung wurde der dpa aus Ermittlerkreisen bestätigt. Die Sendung war in der Nacht zum Donnerstag an einem Postverteilzentrum am Münchner Flughafen identifiziert worden. Offenbar war sie gemeinsam mit dem Brief und dem Paket für den Getränkehersteller in Eppelheim und die Lidl-Zentrale in Neckarsulm an einer Postannahmestelle abgegeben worden. Das Motiv liege völlig im Dunkeln.

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Update, 12.01 Uhr: Landespolizeipräsidentin geht von Serientäter bei Postsendungen aus

Die Polizei geht bei nach den Explosionen der Postsendungen von einer Serientat aus. "Es ist ein Zusammenhang anzunehmen zwischen diesen drei Päckchen", sagte die baden-württembergische Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz am Freitag in Stuttgart. Details zu möglichen Verdächtigen, Bekennerschreiben oder weiteren Ermittlungen machte sie nicht.

Auch Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) zeigte sich überzeugt: "Ich habe schon nach dem zweiten Fall eine Vermutung gehabt und habe sie nach dem dritten Fall auch", sagte er. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren.

Update, 12.14 Uhr: Lebensmittelverband warnt Mitglieder nach Explosionen

Nach den Explosionen in Firmen der Lebensmittelbranche ruft der Branchenverband seine Mitglieder zu erhöhter Wachsamkeit auf. "Wir haben sie informiert, auf was bei der Paketannahme geachtet werden muss", sagte ein Sprecher des Lebensmittelverbands der Deutschen Presse-Agentur.

Die Poststellen sollen Sendungen aussortieren, wenn sie keinen bekannten Absender haben, Unebenheiten aufweisen oder ungewöhnlich schwer sind. Die Branche sei sehr emotionaler Kritik ausgesetzt, der an Hass grenze. Dieser äußere sich in sozialen Medien, E-Mails oder Drohanrufen. Da werde auf die Lebensmittelindustrie "eingedroschen". Das sei in dieser Woche wieder sehr akut gewesen.

Aber man vertraue auf die Ermittlungsarbeit der Polizei. "In der Vergangenheit wurden Briefbombenattentäter fast immer dingfest gefasst", so der Verband. Er vertritt die Interessen von etwa 500 Mitgliedern vom Erzeuger über den Handel bis hin zu Gastronomie und Transportfirmen.

Update, 18.45 Uhr: Hipp-Paket soll in Ulm aufgegeben worden sein

Wie die Polizei nun mitteilte, weist eine Spur darauf hin, dass eines der Pakete in Ulm aufgegeben worden sein soll. Dabei soll es sich um das Paket an Hipp handeln, wie die swp berichtete. Demnach sollen alle Verletzte aus dem Krankenhaus entlassen worden sein.

Titelfoto: 7aktuell.de | Hessenauer

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