Ukrainer statt Berliner: Familienbetrieb zeigt Flagge

Holzgerlingen - Die Inhaber der Bäckerei Wanner, Lilian Kienzle (36) und ihr Bruder Alexander Wanner (33), verkaufen "Ukrainer", solidarisieren sich mit dem ukrainischen Volk und sammeln damit Spenden. TAG24 hat sie interviewt.

Anstatt Berliner gibt es in der Bäckerei Wanner "Ukrainer" zu kaufen. Der Erlös wird gespendet.
Anstatt Berliner gibt es in der Bäckerei Wanner "Ukrainer" zu kaufen. Der Erlös wird gespendet.  © Bäckerei Wanner

Als die gewöhnlichen Berliner mit dem weißen Zuckerguss plötzlich in Gelb-Blau in der Auslage erstrahlten, wunderte sich der ein oder andere Kunde.

Dass die Ukrainer so beliebt werden und teilweise schon am Mittag ausverkauft waren, damit hat die Familienbäckerei sicher nicht gerechnet. "Zur Kaffeezeit gab es keine Ukrainer mehr", sagt Kienzle.

Denn die Kunden können mit den Berlinern nicht nur Flagge zur Ukraine bekennen, sondern spenden auch noch einen Teil des Erlöses.

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Seit 1812 gibt es die Bäckerei im baden-württembergischen Holzgerlingen und sie hat in dieser Zeit schon zwei Weltkriege überlebt. Geprägt hat das auch den Großvater der Geschwister, der selbst den Zweiten Weltkrieg erlebt und seinen Enkeln vermittelt hat, dass die Freiheit Europas das Wichtigste sei.

Umso betroffener waren die Geschwister, die die Holzgerlinger Bäckerei in siebter Generation führen, über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. "Man ist da fassungslos. Wir wollten unser Mitgefühl bekunden."

In einer Besprechung noch am 24. Februar, dem Tag des Kriegsbeginns, entwickelten sie die Idee und schon zwei Tage später lagen die "Ukrainer" in allen elf Filialen der Bäckerei Wanner.

Ukrainer-Aktion wird von vielen Bäckern deutschlandweit nachgeahmt

Lilian Kienzle (36) und ihr Bruder Alexander Wanner (33), Inhaber der Bäckerei Wanner, hatten die Idee der Hilfsaktion, bei der rund 5000 Euro zusammengekommen sind.
Lilian Kienzle (36) und ihr Bruder Alexander Wanner (33), Inhaber der Bäckerei Wanner, hatten die Idee der Hilfsaktion, bei der rund 5000 Euro zusammengekommen sind.  © Bäckerei Wanner

Ein normaler Berliner kostet 1,90 Euro. Für den Ukrainer müssen Kunden 2,50 Euro hinlegen. Davon gehen 50 Cent vom Kunden als Spende an das "Aktionsbündnis Katastrophenhilfe: Krieg in der Ukraine". Weitere 50 Cent legt die Bäckerei obendrauf, sodass pro verkauftem Berliner ein Euro gespendet wird. Inzwischen seien schon rund 5000 Euro zusammengekommen.

Die Mitarbeiter tragen die Aktion "voller Stolz nach außen". Auch Bäckerei-Kollegen aus Berlin und NRW riefen Kienzle an, ob sie die Aktion nachahmen dürfen.

Die Inhaber freuten sich über den Austausch und stimmten zu. "Mittlerweile ist es kein Alleinstellungsmerkmal mehr, aber es geht ja darum, dass was dabei rumkommt", sagt Kienzle.

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Positives Feedback von Menschen aus der Ukraine habe sie auch erhalten. "Wir können ihnen vermitteln, wir stehen an eurer Seite, wir haben die gleichen Werte", sagt die 36-Jährige.

Kienzle denkt schon über die nächste Hilfsaktion nach. "Am liebsten würde ich selbst hinfahren." Noch bis Anfang April gibt es die Ukrainer-Aktion und dann bleibt es spannend, was sie sich noch einfallen lassen. Ukrainer sind nun auch genügend vorrätig, damit Kunden selbst zur Kaffeezeit nicht leer ausgehen.

Update 19. April, 7 Uhr: 10.000 Euro Spenden

Wie Lilian Kienzle mitteilt, hat die Bäckerei bis zum 2. April insgesamt 10.000 Euro durch ihre Aktion gesammelt. "Diese haben wir heute an das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe von Caritas, Unicef und dem Deutschen Roten Kreuz überwiesen. Wenn man das ganze Ausmaß dieser Tragödie betrachtet, sind 10.000 € vermutlich ein Tropfen auf den heißen Stein. ABER: jeder Tropfen hilft und wird gebraucht – auch heute noch – fast zwei Monate nach Beginn dieses Krieges", sagt Kienzle.

Titelfoto: Bäckerei Wanner

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