Unregelmäßigkeiten bei Corona-Schnelltests in Tübingen

Tübingen - Bei der Abnahme von Corona-Schnelltests im Zuge des bundesweit viel beachteten Modellprojekts "Öffnen mit Sicherheit" in Tübingen ist es zu Unregelmäßigkeiten gekommen.

Ein Mann lässt in einer Teststation einen Corona-Schnelltest bei sich machen. Gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg wird in Tübingen das Modellprojekt "Öffnen mit Sicherheit" durchgeführt.
Ein Mann lässt in einer Teststation einen Corona-Schnelltest bei sich machen. Gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg wird in Tübingen das Modellprojekt "Öffnen mit Sicherheit" durchgeführt.  © Sebastian Gollnow/dpa

Von an rund 2000 Menschen durchgeführten Tests wurden 25 Menschen in die Isolation geschickt, obwohl sie möglicherweise gar nicht positiv waren. Dies teilte der Betreiber von zwei Schnelltestständen, die Kern Medical GmbH (KME), am Montag mit.

KME hatte seine Schnelltests bei einer weitaus niedrigeren Temperatur getestet und ausgewertet als vorgeschrieben. Laut Hersteller Abbott müssen die Schnelltests bei Zimmertemperatur zwischen 15 Grad und 20 Grad durchgeführt und ausgewertet werden.

Zudem müssen die Kits selbst 30 Minuten vor dem Gebrauch ebenfalls mindestens 15 Grad erreicht haben. Dies sei in Tübingen nicht der Fall gewesen, sagte KME-Gesundheitsmanager Florian Vek.

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"Wir gestalten unsere Teststationen gerade um, damit die korrekte Temperatur zur Auswertung der Tests gewährleistet ist" sagte Vek.

Ins Rollen gebracht hatte den Fall der Tübinger Unternehmer Martin Konold, dem am Samstag in der Innenstadt die Schnelltestkits bei einer Außentemperatur von vier Grad auf einer Bank liegend aufgefallen waren.

Er hatte seine Beobachtung mit einem Tweet öffentlich gemacht. Angeheuert wurde KME durch die Stadt Tübingen. Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne) wollte sich zu dem Vorfall nicht äußern. "Kein Kommentar", sagte er auf Anfrage.

KME-Gesundheitsmanager Vek sagte dazu: "Der Vorfall ist der Tatsache geschuldet, dass das schnell gehen musste. Weder wir noch die Stadt Tübingen haben im Rahmen des Aufbaus der Stationen die Temperaturvorgaben berücksichtigt."

Update: 18 Uhr

Tübingen will Modellprojekt trotz Fehlern fortsetzen

Trotz der jüngsten Unregelmäßigkeiten bei der Abnahme von Corona-Schnelltests gibt die Stadt Tübingen grünes Licht für eine Fortsetzung seines Modellprojekts.

Es gelte noch viele Probleme zu lösen, heißt es nach Angaben der Stadt in einem Zwischenbericht von Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne), der Pandemiebeauftragten Lisa Federle und dem Infektiologen Peter Kremsner an das Sozialministerium.

Das Zwischenfazit des Projekts "Öffnen mit Sicherheit" sei dennoch positiv und es werde empfohlen, das Test-Modell weiterzuführen. Die Projektphase soll bis zum 4. April gehen.

Im Laufe der vergangenen Woche seien an den Teststationen des Deutschen Roten Kreuzes und privater Partner 29.473 Tests durchgeführt worden, 75 davon waren positiv - allerdings nur zunächst.

Denn es habe sich gezeigt, dass einige Stationen im Freien eine relativ hohe Zahl an Menschen in die Quarantäne geschickt hätten, obwohl sie möglicherweise gar nicht positiv waren, teilte die Stadt mit. Die niedrigen Außentemperaturen hätten einen Einfluss auf die Zuverlässigkeit der Tests.

Bislang hätten sich rund 40 positive Schnelltests als falsch erwiesen. Die Stadt geht von insgesamt knapp 30 Infektionsfällen aus, die sich im PCR-Test schließlich auch bestätigen werden.

Unter 1000 getesteten Menschen werde damit ein Infizierter entdeckt, sagte Federle. "Es zeigt sich wieder, dass man mit präventiven Tests die Menschen findet, die andere anstecken, ohne es selbst zu wissen." Die Ausbreitung des Virus werde durch das Modellprojekt erheblich gebremst.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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