Vier Monate nach Eröffnung: Das ist aus dem Trinkraum für Alkoholiker geworden

Mannheim - Das Café Anker ist vier Monate nach seiner Eröffnung für viele Alkoholsüchtige in Mannheim ein Ort der Akzeptanz und des Austausches geworden.

Ein Anker steht vor dem Café Anker, einem alternativen Aufenthaltsort für Alkoholsüchtige.
Ein Anker steht vor dem Café Anker, einem alternativen Aufenthaltsort für Alkoholsüchtige.  © Uwe Anspach/dpa

"Das Café wird supergut angenommen", sagt Mitarbeiterin Manuela Morsch vom Caritasverband, der gemeinsam mit dem Drogenverein das Projekt betreibt.

Täglich kommen um die 50 Besucher zu dem Containerbau samt großem Vorplatz auf städtischem Gelände. "Da die Möglichkeiten wegen Corona natürlich sehr eingeschränkt sind, nehmen viele Menschen das Angebot dankbar an."

Wer schon morgens seine Dosis Alkohol braucht, kann sie sich im Café Anker genehmigen. "Das ist ein diskriminierungsfreier Schutzraum, wie die Leute ihn sonst nicht erleben", sagt Morsch.

Mit der Erlaubnis, Wein und Bier zu trinken, erreiche man auch Menschen, die alle anderen Hilfsangebote nicht wahrnehmen könnten.

Die Nachbarn im Stadtteil Jungbusch kämen mit dem Café und seiner Klientel - vom Punk bis zum mehrfach abhängigen Senior - besser zurecht als erwartet. In Karlsruhe entstand bereits vor mehr als zwei Jahren der erste von der Diakonie betriebene Alkoholkonsumraum im Südwesten.

Männer zwischen 30 und 60 kommen am häufigsten

Eine Mitarbeiterin steht bei der Eröffnung des Café Anker im August an einem Radio. Wer schon morgens seine Dosis Alkohol braucht, kann sie sich im Café Anker genehmigen.
Eine Mitarbeiterin steht bei der Eröffnung des Café Anker im August an einem Radio. Wer schon morgens seine Dosis Alkohol braucht, kann sie sich im Café Anker genehmigen.  © Uwe Anspach/dpa

Die Stadt Mannheim fördert das Projekt mit 414.000 Euro jährlich. Nach 18 Monaten wird geprüft, inwiefern es die gesundheits- und sozial- und ordnungspolitischen Ziele erreicht.

Die Stadt wollte mit dem Vorhaben auch die Trinkerszene auf öffentlichen Plätzen eindämmen. Der Gemeinderat soll dann entscheiden, ob der Trinkerraum länger als zwei Jahre fortgeführt wird.

Die am stärksten vertretene Altersgruppe sind die 30- bis 60-Jährigen. Die mehrheitlich männlichen Besucher nehmen gerne die Sozialsprechstunde eines Anwalts in Anspruch. Ein solch niedrigschwelliges Angebot ist auch für die medizinische Beratung in der Planung, wie Morsch erklärt.

Wegen Corona wird den Besuchern Fieber gemessen. Vor wenigen Wochen war ein – wie sich später herausstelle - positiv auf Corona getesteter Besucher im Café Anker. Bei einer freiwilligen "Massentestung" wurden 46 Abstriche genommen. Die bereits vorliegenden Ergebnisse seien alle negativ, sagte Morsch.

Im Container, wo Tee, alkoholfreie Kaltgetränke und Snacks günstig zu kaufen sind, dürfen derzeit coronabedingt nur zehn statt wie sonst 50 Plätze besetzt sein. Die Angst vor dem Virus ist nach Worten von Morsch bei den fünf hauptamtlichen Sozialarbeitern sowie bei den Besuchern gering. Letztere schweiße die Situation zusammen. Sie seien vorwiegend der Meinung: "Uns bringen andere Dinge um als Corona."

Titelfoto: Uwe Anspach/dpa

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