Basteln und Backen statt Feiern: Stille Weihnachten in Seniorenheimen

Halle (Saale) - Corona bedeutet für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen nicht nur ein hohes Gesundheitsrisiko, sondern auch zusätzliche soziale Isolierung. Für Senioren, die normalerweise mit ihren Angehörigen zu Hause feiern, könnten die Festtage diesmal eine bedrückend stille Zeit werden.

Manche Pflegeheimbewohner werden über Weihnachten allein bleiben. (Archivbild)
Manche Pflegeheimbewohner werden über Weihnachten allein bleiben. (Archivbild)  © Sven Hoppe/dpa

Dennoch, der zweite Lockdown ist bislang nicht so hart wie der Erste im Frühjahr. Während damals eine komplette Kontaktsperre bestand, können derzeit die Angehörigen ihre Lieben noch in den Heimen besuchen, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Aber der Kontakt zur Außenwelt bleibt vorerst ein schmaler Grat. Zerstreuung und Unterhaltung von außerhalb wird in den Heimen je nach Situation geboten.

"Die Vereinsamung unserer älteren Menschen nimmt immer mehr zu, denn in der Pandemiezeit sind die Möglichkeiten, etwas zu unternehmen, begrenzt", sagt die Vorsitzende des Kreisseniorenbeirates im Altmarkkreis Salzwedel, Christa Schindler.

"Besonders im ländlichen Raum sollten Senioren Unterstützung erhalten. Aber hier passiert genau das Gegenteil. Der ländliche Raum scheint in den Planungen gar nicht mehr zu existieren."

Es sei beispielsweise versucht worden, die Digitalisierung in den Heimen voranzubringen. Die Senioren sollten die Möglichkeit bekommen über Skype mit ihren Angehörigen zu telefonieren und so in Kontakt zu bleiben. Aber jetzt sind diese ganzen Maßnahmen auch abgesagt worden.

Spezielle Besucherzimmer für Angehörige

Es dürfen Besucher empfangen werden, oft jedoch nur unter speziellen Vorkehrungen. (Archivbild)
Es dürfen Besucher empfangen werden, oft jedoch nur unter speziellen Vorkehrungen. (Archivbild)  © Jonas Güttler/dpa

Im Bernburger "Haus am Rosenhang" wird mit den alten Menschen regelmäßig gebastelt. Im Dezember plant das Heim einen Weihnachtsmarkt mit einer kleinen Feuershow. Ob das so stattfinden kann, hänge natürlich von der aktuellen Situation und den aktuellen gesetzlichen Vorgaben ab, hieß es.

Ebenso hätten schon Künstler vor dem Heim die Bewohner unterhalten. Videotelefonie per Internet sei auch möglich. Dennoch, Besuche sind für die Heimbewohner natürlich noch wichtiger, aber es gebe aufgrund der Pandemie Einschränkungen.

Für Besucher seien gesonderte Besucherzimmer eingerichtet worden. Im Heim werden die Menschen getröstet, dass es bald wieder besser sein werde. Wegen der Ansteckungsgefahr dürfen derzeit die Heimbewohner von ihren Angehörigen auch nicht mit nach Hause genommen werden.

Allerdings haben viele Heimbewohner keine Angehörigen mehr. Hier bieten Ergotherapeuten entsprechende Beschäftigungen: Basteln, Backen und Kochen sind beliebt.

Auch im Cura Seniorenheimzentrum Halle können die Angehörigen noch ihre Verwandten im Heim besuchen. Wenn draußen gesungen werde, schauen die alten Menschen durch die Fensterscheiben zu. Viele sind ja auch bettlägerig. Die Seniorenbetreuer basteln mit denjenigen, mit denen das noch geht. Weihnachtsfeiern seien auch geplant.

Basteln und Backen mit Bewohnern

Das Kursana Domizil in Wittenberg plant trotz aller Ungewissheiten Weihnachtsfeiern. Die für November geplanten Veranstaltungen, wie Weihnachtsmärkte, mussten leider abgesagt werden, hieß es von der Unternehmenskommunikation der Korian Deutschland AG (München).

Leider müssen die Bewohner in diesem Jahr auf wohnbereichsübergreifende Weihnachtsfeiern mit ihren Angehörigen verzichten. Aber kleine Feiern auf den Wohnbereichen soll es geben.

Zudem werde alles weihnachtlich dekoriert und mit den Bewohnern gebastelt, die Weihnachtsbäckerei laufe auf Hochtouren. Im Außenbereich gebe es Adventssingen oder Besuche des Kindergartens. Die Bewohner können vom Balkon oder den gekippten Fenstern das Geschehen verfolgen.

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt gab es Ende 2019 rund 129.700 Pflegebedürftige, davon wurden rund 29.100 in Pflegeheimen betreut.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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