Oder-Katastrophe: Polen setzt hohe Belohnung aus! Giftige Algen als Ursache?

Warschau/Berlin - Im Rahmen ihrer Ermittlungen zu möglichen Ursachen für das Fischsterben in der Oder hat die polnische Staatsanwaltschaft bislang 228 Zeugen angehört.

Arbeiter bereinigen die Oder nahe dem polnischen Widuchowa mit einem flexiblen Damm von Fischkadavern.
Arbeiter bereinigen die Oder nahe dem polnischen Widuchowa mit einem flexiblen Damm von Fischkadavern.  © Marcin Bielecki/PAP/dpa

Die Ermittler hätten zusammen mit Zeugen zudem zwölf Ortsbesichtigungen an unterschiedlichen Flussabschnitten vorgenommen, sagte Vize-Generalstaatsanwalt Krzysztof Sierak (56) am Mittwoch. "Aus den bisherigen Aktivitäten geht nicht hervor, was die Ursache für das massive Fischsterben war."

Das Fischsterben an der Oder beunruhigt seit Tagen die Menschen, die in Polen und Deutschland an dem Fluss leben. Bislang ist noch unklar, was die Umweltkatastrophe verursacht hat.

Polens Regierung geht davon aus, dass eine große Menge Chemie-Abfälle in den Fluss eingeleitet wurde. Die polnische Polizei hat für Hinweise auf den Täter eine Belohnung von umgerechnet 210.000 Euro ausgesetzt.

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Unterdessen haben Forscher weiter eine giftige Algenart im Blick, die sich im Fluss rasant entwickelt hat.

Mittlerweile sei die Mikroalge mit dem Namen Prymnesium parvum identifiziert worden, sagte der Gewässerökologe Christian Wolter der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. "Die Art ist bekannt dafür, dass es gelegentlich zu Fischsterben kommt".

Berliner Gewässerökologe glaubt nicht an einen Unfall

Der Berliner Gewässerökologe Christian Wolter sieht einen klaren Zusammenhang zwischen einer Salzeinleitung und der Algenentwicklung in der Oder. (Archivfoto)
Der Berliner Gewässerökologe Christian Wolter sieht einen klaren Zusammenhang zwischen einer Salzeinleitung und der Algenentwicklung in der Oder. (Archivfoto)  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Unklar sei nach wie vor, ob das Toxin der Alge der Grund für das Fischsterben in der Oder sei. Ob sie in diesem Fall Giftstoffe produziert hat, müsse noch nachgewiesen werden, betonte der Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

Er sprach von einer massiven Algenblüte mit 200 Mikrogramm pro Liter und mehr als 100.000 Zellen pro Milliliter Wasser. Für den Menschen sei das Toxin der Alge aber ungefährlich.

Eigentlich lebe die Algenart im Brackwasser, beschrieb Wolter. Das entsteht typischerweise an Flussmündungen, wo sich Süß- und Salzwasser vermischen.

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Doch in einem salzhaltigen Milieu könne sie gut wachsen, sagte der Gewässerökologe. Zudem brauche die Alge hohe PH-Werte. "Als Brackwasserart würde sie ansonsten in der Oder keine Massenentwicklung bilden".

Für den Fachmann besteht damit ein klarer Zusammenhang zwischen einer Salzeinleitung und der Algenentwicklung. Er persönlich glaube nicht an einen Unfall, sagte Wolter. Zunächst hatten mehrere Medien über die Alge berichtet, darunter der "rbb" und "t-online".

Titelfoto: Marcin Bielecki/PAP/dpa

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