Sanierte "Gorch Fock" bei erster Probefahrt mit Defekt

Bremen - Es ist ein Anfang! Das Marineschulschiff "Gorch Fock" ist nach fast sechs Jahren Generalüberholung erstmals wieder aus eigener Kraft auf Fahrt gegangen.

Die "Gorch Fock" verlässt die Lürssen-Werft. Das Schulschiff der Bundesmarine soll eine zweitägige Testfahrt auf der Weser und der Nordsee absolvieren.
Die "Gorch Fock" verlässt die Lürssen-Werft. Das Schulschiff der Bundesmarine soll eine zweitägige Testfahrt auf der Weser und der Nordsee absolvieren.  © Markus Hibbeler/dpa

Der Großsegler der Bundeswehr legte am Mittwoch bei der Bremer Lürssen-Werft ab. Nach einer zweitägigen Probefahrt auf der Weser und der Nordsee wurde die "Gorch Fock" am Donnerstag in Wilhelmshaven erwartet.

Am dortigen Marinearsenal soll die Endausrüstung des Dreimasters erfolgen, bevor die Truppe ihn am 30. September offiziell wieder zurückerhält. In seinen Heimathafen Kiel soll das Schiff am 4. Oktober zurückkehren.

"Wir sind unglaublich stolz darauf, dieses besondere Schiff nun auf die Zielgerade gebracht zu haben und in wenigen Wochen unserem Kunden zu übergeben", sagte Lürssen-Geschäftsführer Tim Wagner.

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Auf der Fahrt auf der Weser wurde die "Gorch Fock" noch eng von zwei Schleppern begleitet. Auf beiden Ufern verfolgten Schaulustige die erste Fahrt des 63 Jahre alten Schiffes. "Wir freuen uns auf die erste Seefahrt im Rahmen der Werftprobefahrt und die ersten richtigen Eindrücke auf dem 'neuen' Schiff", sagte Kapitän Nils Brandt.

In der teuren und verwickelten Geschichte der Sanierung seit Dezember 2015 ist die Lürssen-Werft der zweite Hauptauftragnehmer. Sie arbeitet seit Oktober 2019 an dem Schiff, auf dem die Marine ihren Offiziersnachwuchs ausbildet.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen undurchsichtigen Nebengeschäften

Unter Planen liegt das Segelschulschiff "Gorch Fock" in der Lürssen-Werft.
Unter Planen liegt das Segelschulschiff "Gorch Fock" in der Lürssen-Werft.  © Sina Schuldt/dpa

Der erste Auftragnehmer, die Elsflether Werft, hatte Insolvenz anmelden müssen. Unter ihrer Regie war es zu den enormen Kostensprüngen gekommen, von geplant 10 Millionen auf 135 Millionen Euro.

Der Bundesrechnungshof warf der Marine eine schlechte Vorbereitung der Sanierung vor. Zeitweise brachte der Problemfall "Gorch Fock" auch die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Bedrängnis.

Die Führung der Elsflether Werft ging außerdem undurchsichtigen Nebengeschäften nach. Geld der Marine verschwand. Damit beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft Osnabrück. Ein Ende der Ermittlungen sei noch nicht abzusehen, sagte ein Sprecher.

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Auch bei Lürssen stand die Instandsetzung "unter schwierigen Vorzeichen", wie Geschäftsführer Wagner sagte. Bauunterlagen waren unvollständig, an den Schiffbauarbeiten bis dahin musste viel abgeändert werden.

"Heute blicken wir auf ein Schiff mit neuen Masten und Rahen, einem komplett neuen Rohrsystem, neuer Isolierung und neuem Innen- und Außenanstrich", sagte Projektleiter Sascha Eilers.

100 Kilometer Kabel wurden gezogen, Antriebsanlage und Generatoren wurden instandgesetzt, die Inneneinrichtung ist größtenteils neu.

Update, 19.15 Uhr: Defektes Ventil überschattet erste Fahrt der "Gorch Fock"

Kurz nach der Abfahrt musste die "Gorch Fock" allerdings von zwei Schleppern in Schlepp genommen werden. Die Besatzung hatte ein defektes Regelventil entdeckt, das für die Frischwasserversorgung des Antriebsdieselmotors sorgt.

Um das Ventil während der Probefahrt zu wechseln, wurde die Maschine vorerst gestoppt und die begleitenden Schlepper übernahmen.

"Für genau solche Vorgänge werden im Schiffbau Werftprobefahrten durchgeführt", teilte ein Werftsprecher mit. Nach der Reparatur sollte das Schiff die Fahrt aus eigener Kraft fortsetzen.

Titelfoto: Markus Hibbeler/dpa

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