Hacker-Angriff auf Uni-Klinik: Ermittlungen nach Tod einer Patientin

Düsseldorf – Der IT-Ausfall an der Düsseldorfer Uni-Klinik beruht nach Angaben der Landesregierung auf einem Hacker-Angriff mit Erpressung.

NRW-Wirtschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (66) gab am Donnerstag im Landtag Auskunft zum IT-Ausfall an der Düsseldorfer Uniklinik.
NRW-Wirtschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (66) gab am Donnerstag im Landtag Auskunft zum IT-Ausfall an der Düsseldorfer Uniklinik.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen sagte am Donnerstag im Landtag, die Täter hätten nach Kontakt zur Polizei die Erpressung zurückgezogen. 

Die Staatsanwaltschaft führt auch ein Todesermittlungsverfahren, da eine Patientin in ein Wuppertaler Krankenhaus gebracht werden musste - und starb.

Aus einem Bericht des Justizministers ging am Donnerstag hervor, dass vergangene Woche 30 Server des Klinikums verschlüsselt wurden. Auf einem Server wurde ein Erpresserschreiben hinterlassen, das allerdings an die Düsseldorfer Heinrich Heine-Uni gerichtet war. 

In dem Schreiben forderten die Erpresser zur Kontaktaufnahme auf - eine konkrete Summe nannten sie laut Bericht nicht.

Die Düsseldorfer Polizei habe dann tatsächlich Kontakt aufgenommen und den Tätern mitgeteilt, dass sie durch ihren Hackerangriff ein Krankenhaus - und nicht die Uni - betroffen sei. Damit seien Patienten erheblich gefährdet. 

Die Täter hätten daraufhin die Erpressung zurückgezogen und einen digitalen Schlüssel ausgehändigt, mit dem die Daten wieder entschlüsselt werden können.

Staatsanwaltschaft ermittelt nach Todesfall

Im Zusammenhang mit dem IT-Ausfall an der Uniklinik ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen eines Todesfalls.
Im Zusammenhang mit dem IT-Ausfall an der Uniklinik ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen eines Todesfalls.  © Roland Weihrauch/dpa

Die Ermittler haben laut Bericht daher den Verdacht, dass das Uni-Klinikum nur zufällig betroffen war. Inzwischen seien die Täter nicht mehr erreichbar.

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal führt unterdessen ein Todesermittlungsverfahren, da eine lebensbedrohlich erkrankte Patientin, die in der Nacht vom 11. auf den 12. September laut Bericht "mittels Rettungsdienst in das Universitätsklinikum Düsseldorf hätte eingeliefert werden sollen, an ein weiter entferntes Krankenhaus in Wuppertal verwiesen werden musste."

Ihre Behandlung habe erst mit einstündiger Verspätung stattfinden können. Sie starb kurze Zeit später, so der Justizminister in seinem Bericht.

Ein Sprecher der Düsseldorfer Uni-Klinik betonte am Donnerstag, dass sein Haus zu diesem Zeitpunkt bereits von der Notfallversorgung abgemeldet gewesen sei. Rettungswagen hätten die Klinik nicht mehr angefahren. Was genau in der Nacht passierte, blieb zunächst unklar. 

Die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC) prüft laut dem Bericht an den Landtag noch, ob sie die Ermittlungen übernimmt - und das Verfahren gegebenfalls um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung erweitert wird.

Hacker nutzten Sicherheitslücke in einer Software

Die Hacker klauten keine Daten, legten aber das IT-System lahm (Symbolbild).
Die Hacker klauten keine Daten, legten aber das IT-System lahm (Symbolbild).  © Sina Schuldt/dpa

Bei dem Hacker-Angriff sind nach bisherigen Erkenntnissen keine Daten gestohlen oder unwiederbringlich gelöscht worden. Das hätten Untersuchungen von IT-Experten ergeben, teilte die Klinik mit.

Die Hacker hätten eine Schwachstelle in einer Anwendung ausgenutzt. "Die Sicherheitslücke befand sich in einer marktüblichen und weltweit verbreiteten kommerziellen Zusatzsoftware. Bis zur endgültigen Schließung dieser Lücke durch die Softwarefirma war ein ausreichendes Zeitfenster gegeben, um in die Systeme einzudringen", teilte die Klinik mit. 

Die Angreifer hätten dafür gesorgt, dass nach und nach Systeme ausfielen und ein Zugriff auf gespeicherte Daten nicht mehr möglich war.

Ein Sprecher der Cyber-Ermittlungsbehörde ZAC bestätigte, dass die Hacker eine Sicherheitslücke in einer Software genutzt hätten, die bei vielen Unternehmen genutzt werde. 

Laut dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) handelte es sich um ein Programm der Firma "Citrix". Eine seit Januar bekannte Schwachstelle in VPN-Produkten der Firma werde für Cyber-Angriffe ausgenutzt. Dem BSI seien "zunehmend Vorfälle bekannt", bei denen Citrix-Systeme bereits vor der Installation der im Januar 2020 bereitgestellten Sicherheitsupdates gehackt wurden.

"Dadurch haben Angreifer auch nach Schließung der Sicherheitslücke weiterhin Zugriff auf das System und dahinterliegende Netzwerke. Diese Möglichkeit wird aktuell vermehrt ausgenutzt, um Angriffe auf betroffene Organisationen durchzuführen", teilte das BSI am Donnerstagnachmittag mit.

Rückkehr zum Normalzustand wird dauern

Die Klinik rechnet nun damit, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis Patienten wieder normal behandelt werden können. 

"Aufgrund des Umfangs des IT-Systems und der Fülle an Daten können wir noch nicht abschätzen, wann dieser Prozess abgeschlossen sein wird", sagte der Kaufmännische Direktor, Ekkehard Zimmer, am Donnerstag. "Wir sind aber zuversichtlich, dass wir in den nächsten Tagen die Zeitspanne besser abschätzen können und dann auch Schritt für Schritt wieder für unsere Patientinnen da sind."

Titelfoto: Roland Weihrauch/dpa

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