In NRW: Weniger Abschiebungen - aber häufiger kritische Fälle

Düsseldorf - Trotz eines pandemiebedingt deutlichen Rückgangs der Abschiebungen an den NRW-Flughäfen haben Beobachterinnen prozentual in mehr Fällen Bedenken geäußert.

Obwohl die Zahl der Abschiebungen an den NRW-Flughäfen durch die Pandemie stark zurückgegangen ist, hat sich die Zahl der kritischen Fälle fast verdoppelt.
Obwohl die Zahl der Abschiebungen an den NRW-Flughäfen durch die Pandemie stark zurückgegangen ist, hat sich die Zahl der kritischen Fälle fast verdoppelt.  © Michael Kappeler/dpa

Waren es im Vorjahr gut acht Prozent der Fälle, die sie als bedenklich meldeten, stiegen die Quoten im vergangenen Jahr auf 14 Prozent. Das geht aus dem am Freitag vorgestellten Jahresbericht der Beobachterinnen hervor. Die Abschiebebeobachtung wird von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe wahrgenommen.

Kritische Fälle werden dem "Forum Flughäfen in Nordrhein-Westfalen" gemeldet, in dem neben der Diakonie die evangelische und katholische Kirche, Nicht-Regierungsorganisationen wie Amnesty International, das NRW-Flüchtlingsministerium, die Bundespolizei und die Zentralen Ausländerbehörden vertreten sind.

Laut dem Bericht gab es mehr problematische Fälle bei der Abschiebung von Kindern, aber auch durch die Corona-Pandemie selbst. So seien die Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln, aber auch die Maskenpflicht bei Sammelabschiebungen von bis zu 100 Menschen oft nicht eingehalten worden.

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Ein unter dreijähriges Kind, das an einer beidseitigen Nierenerkrankung litt, sollte trotz eines zeitnahen Operationstermins abgeschoben werden. Als ein Arzt sich gegen die Abschiebung des kleinen Jungen aussprach, sollten Vater und Schwester dennoch abgeschoben werden und lediglich die Mutter in Deutschland bleiben.

Erst Protest aus dem Land, in das abgeschoben werden sollte, habe zum Abbruch der Abschiebung der Familie geführt.

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa

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