Real vor der Zerschlagung: Verdi sieht Tausende Existenzen gefährdet

Düsseldorf – Um die angeschlagene SB-Warenhauskette Real ist es zuletzt still geworden. Doch für die rund 34.000 Mitarbeiter rückt die Stunde der Wahrheit näher.

Unmittelbar vor dem Abschluss des Verkaufs der SB-Warenhauskette Real an den Finanzinvestor SCP hat die Gewerkschaft Verdi vor einer "Existenzgefährdung für tausende Menschen" durch den Deal gewarnt.
Unmittelbar vor dem Abschluss des Verkaufs der SB-Warenhauskette Real an den Finanzinvestor SCP hat die Gewerkschaft Verdi vor einer "Existenzgefährdung für tausende Menschen" durch den Deal gewarnt.  © Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Am Donnerstag (25.6.) soll die bisher noch zum Metro-Konzern gehörende Kette in den Besitz des russischen Finanzinvestors SCP übergehen. Es ist eine entscheidende Etappe auf dem Weg zur Zerschlagung des Unternehmens.

Die Gewerkschaft Verdi sieht in der Übernahme denn auch eine "Existenzgefährdung für tausende Menschen", wie Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger der Deutschen Presse-Agentur sagte. 

"Mit dem Real-Verkauf werden die 34.000 Beschäftigten zum Spielball der Finanz- und Immobilieninvestoren SCP", warnte die Gewerkschafterin.

SCP betonte zwar erst kürzlich, alle rund 34.000 Mitarbeiter würden mit ihren bestehenden Verträgen zu den bestehenden Konditionen übernommen. Der Finanzinvestor macht allerdings kein Hehl daraus, dass er die Zerschlagung der seit Jahren kriselnden Handelskette plant.

SCP hat bereits angekündigt, 141 der zuletzt noch rund 270 Real-Märkte an Kaufland und Edeka verkaufen zu wollen - 88 an Kaufland, 53 an Edeka. Die Mitarbeiter sollen übernommen werden, wie SCP betonte. 

Zukunft von mehr als 100-Real-Filialen noch offen

Etwa 30 Real-Märkten droht die Schließung (Archivbild).
Etwa 30 Real-Märkten droht die Schließung (Archivbild).  © Rolf Vennenbernd/dpa

Der Vorsitzende des Verwaltungsrats von SCP Retail Investments, Patrick Kaudewitz, betonte: "Wir werden so für fast die Hälfte der Real-Märkte und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Klarheit und Planbarkeit schaffen können." 

Die ersten Märkte sollen ab dem vierten Quartal an die neuen Besitzer übergeben werden. Der gesamte Prozess werde sich über einen Zeitraum von rund 18 Monaten erstrecken.

Auch der zuletzt kräftig gewachsene Online-Marktplatz real.de soll eine neue Heimat unter dem Dach der Schwarz-Gruppe - dem Mutterkonzern von Lidl und Kaufland - finden und unter dem Namen Kaufland weitergeführt werden (TAG24 berichtete). 

Die Schwarz-Gruppe, die mit ihren Sparten Lidl und Kaufland weltweit mehr als 12.000 Filialen betreibt und einen Umsatz von mehr als 100 Milliarden Euro erreicht, ist bislang im E-Commerce nur wenig präsent. Dabei hatte der Online-Handel mit Lebensmitteln in der Corona-Krise einen Boom erlebt.

Was die restlichen mehr als 100 Real-Filialen angeht, so ist ihr Schicksal noch offen. Als mögliche Kaufinteressenten gelten unter anderem Rewe und Globus. Auch eine Aufteilung einzelner Märkte in kleinere Flächen zur besseren Verwertung schloss der Finanzinvestor nicht aus. Rund 30 Märkte müssten allerdings voraussichtlich mangels Perspektiven geschlossen werden, hieß es bereits bei der Unterzeichnung des Kaufvertrages im Frühjahr.

Titelfoto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

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