Spezielle Schätze: Brautkleid aus Fallschirmseide und Stahlhelm-Siebe für das Haus der Geschichte

Düsseldorf - Ein Brautkleid aus Fallschirmseide oder zwei zu Sieben umfunktionierte Stahlhelme sind besondere Schätze einer Sammlung, die jetzt das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen erworben hat.

Die über 2000 Objekte umfassende Sammlung von Alltagsgegenständen aus den 40er und 50er Jahren wurde von dem Pfarrer Werner Abresch (79) aus Wesel aufgebaut.
Die über 2000 Objekte umfassende Sammlung von Alltagsgegenständen aus den 40er und 50er Jahren wurde von dem Pfarrer Werner Abresch (79) aus Wesel aufgebaut.  © Roland Weihrauch/dpa

Die über 2000 Objekte umfassende Sammlung von Alltagsgegenständen aus den 40er und 50er Jahren wurde über Jahrzehnte von dem Pfarrer Werner Abresch (79) aus Wesel aufgebaut. Sie sei absolut einzigartig, sagte Gabriele Uelsberg (66), Mitglied im Präsidium der Stiftung Haus der Geschichte NRW, am Donnerstag in Düsseldorf.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden Kriegs- und Rüstungsmaterialien oft zu Gebrauchsgegenständen umfunktioniert. So fand Abresch Zünderdosen von Bomben, die in Kaffeemühlen oder Salzstreuer umgewandelt worden waren. Granathülsen wurden zu Vasen, Gasmasken zu Kochgeräten.

Oft sind die Objekte mit sehr persönlichen Geschichten verbunden. So stellte ein Mann in Kriegsgefangenschaft ein hölzernes Fotoalbum her – mit einem aus Rasierklinge und Zahnbürste improvisierten Furnierschneider.

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Haus der Geschichte NRW soll 2028 in Düsseldorf öffnen

Inge Abresch, Gattin des Sammlungsgründers, zeigt ein Brautkleid aus Fallschirmseide. Das Haus der Geschichte NRW hat die besonderen Schätze angekauft.
Inge Abresch, Gattin des Sammlungsgründers, zeigt ein Brautkleid aus Fallschirmseide. Das Haus der Geschichte NRW hat die besonderen Schätze angekauft.  © Roland Weihrauch/dpa

Nach Einschätzung von Uelsberg war Abresch seiner Zeit voraus: Er habe seine Kollektion weniger als eine Ansammlung von Kostbarkeiten betrachtet als viel mehr als einen Fundus, um Gespräche zu initiieren. "Es war ihm nie allein wichtig, den Gegenstand zu besitzen, es ging ihm um die Geschichte dahinter", sagt seine Frau Inge Abresch.

Das Hochzeitskleid aus Fallschirmseide kam dadurch zustande, dass ein deutscher Soldat den Stoff 1943 aus Frankreich an seine Braut im Sudetenland schickte.

Diese ließ daraus das Kleid schneidern, doch der Soldat fiel noch vor der Hochzeit. 1949 später heiratete die Frau - jetzt in NRW lebend - einen anderen Mann, aber in dem Brautkleid aus Fallschirmseide.

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Das Haus der Geschichte NRW soll 2028 in Düsseldorf öffnen. Das Museum wird im Behrensbau am Rheinufer neben der Staatskanzlei untergebracht, von 1946 bis 1953 Sitz der ersten Landesregierung.

Titelfoto: Roland Weihrauch/dpa

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