Unternehmerin ordert Millionen Schutzmasken: Land verweigert Annahme

Düsseldorf – Modedesignerin Ayse Kök (44) wollte in der Corona-Krise Atemschutzmasken für NRW beschaffen. Das Land verweigerte jedoch deren Annahme.

Ayse Kök steht in ihrem Geschäft in Düsseldorf.
Ayse Kök steht in ihrem Geschäft in Düsseldorf.  © Marcel Kusch/dpa

Die Düsseldorferin hatte dazu ihre guten Kontakte zu einer chinesischen Produzentin genutzt.

Inzwischen ist ihre Euphorie verflogen: "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und mich mehrfach übergeben." 

Die Masken seien da, aber das Land wolle sie plötzlich nicht mehr. Stundenlang habe am Dienstag der Lastwagen mit der ersten Ladung Masken vor dem vereinbarten Anlieferungsort gewartet. 

Doch das Land habe die Annahme verweigert - der Laster sei mitsamt der lange ersehnten Fracht umgekehrt.

Um sechs Stunden habe sie am Montag den Liefertermin verpasst, sagt Kök. Aber das sei nicht ihre Schuld gewesen, schließlich habe China zwei Mal die Zollformalitäten geändert - auch zum Schutz der deutschen Käufer vor unseriösen Anbietern. Sechs Stunden Verspätung seien da vergleichsweise glimpflich, das habe auch die Lufthansa der Landesregierung mitgeteilt und um Verständnis gebeten.

Doch als die Ware endlich in der Luft und auf dem Weg nach Deutschland gewesen sei, habe sie einen Anruf aus dem NRW-Gesundheitsministerium erhalten. Der Mitarbeiter habe sie mehrfach aufgefordert, sofort vom Vertrag zurückzutreten. "Ich habe mich erpresst gefühlt. Das ist doch wirklich Schikane", sagt Kök.

Gegenseitige Vorwürfe, dann ein Vergleich

Die Unternehmerin soll nun 2,4 Millionen Masken liefern (Symbolbild).
Die Unternehmerin soll nun 2,4 Millionen Masken liefern (Symbolbild).  © Ole Spata/dpa

Ihr Problem: Sie hat kaum Eigenkapital und das Land geht nicht in Vorkasse. Mit der Rate für die erste Teillieferung muss sie die nächste finanzieren - und so weiter. 

Platzt der Plan, ist ihre Firma insolvent. "Das wusste der Mitarbeiter im Ministerium auch ganz genau."

Ursprünglich habe sie 26 Millionen Masken liefern wollen, aber der Investor sei abgesprungen. Man habe sich deshalb auf 8,4 Millionen Masken geeinigt und den ursprünglichen ersten Liefertermin vom 20. auf den 27. April verschoben. 

Mindestens zwei Tage davon seien aber auf das Konto des Ministeriums gegangen, dass sich so lange Zeit für eine Antwort gelassen habe, sagt Kök.

Das NRW-Gesundheitsministerium verweist auf nicht eingehaltene Liefertermine. Auch bei der fälligen Teillieferung "rechnen wir aktuell mit Lieferverzögerungen", schreibt ein Sprecher und räumt erst auf weitere Nachfrage ein, dass die Ware zwar da war, aber zurückgewiesen wurde. Man bemühe sich nun um eine "einvernehmliche Lösung".

Kök hat ihren Anwalt eingeschaltet und die Presse informiert. Anwalt Markus Kreuzkamp wird deutlich: "Prinzipienreiterei" dürfte angesichts der Tatsache, dass es um Menschenleben gehe und ein gravierender Mangel an Schutzausrüstung in den medizinischen Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen bestehe, wohl fehl am Platze sein, schreibt er.

Dann sei doch noch mal Bewegung in die Sache gekommen, sagt Kök. Man habe sich auf einen Vergleich geeinigt: Insgesamt soll sie nur noch 2,4 Millionen Masken liefern. An diesem Mittwoch werde sie die Masken erneut anliefern lassen. "Mal sehen", sagt Kök. Sie sei vorsichtig optimistisch. Andererseits: "Ich habe Angst bekommen vor NRW."

Titelfoto: Marcel Kusch/dpa

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