Erzgebirge: Hier teilt Corona eine Stadt

Bärenstein/Weipert - Seit 30 Jahren wachsen Bärenstein (2400 Einwohner) und Vejprty (deutsch Weipert) zusammen. 

Hier kommt niemand durch: Tschechien hat seine Grenze zwischen Vejprty und Bärenstein mit massiven Betonklötzen gesichert.
Hier kommt niemand durch: Tschechien hat seine Grenze zwischen Vejprty und Bärenstein mit massiven Betonklötzen gesichert.  © Bernd März

Seit Sonnabend, 0 Uhr, ist die Gemeinschaft im Erzgebirge jäh unterbrochen - die Tschechen schlossen wegen Corona die Grenze (TAG24 berichtete). Gemeinderätin Sylvina Schmidt (60) glaubt: "So ähnlich müssen sich die Menschen nach dem Krieg an der deutsch-deutschen Grenze gefühlt haben."

Die Gemeinden pflegen einen regen Austausch. Sogar eine "Gemeinsame Mitte" (Marktplatz) gibt es. Jetzt verhindern Grenzschützer fast jeden Übertritt. Ein Tschechischkursus in der "Mitte" wurde abgesagt. Schlimmer noch: Rund ein Dutzend tschechischer Kinder besuchen Bärensteiner Kindergarten, Hort oder Schule. Vorbei. 

"Jetzt sind die Eltern auf der anderen Seite auf sich gestellt", bedauert Sylvina Schmidt. "Wir kaufen sonst in Tschechien ein, tanken, gehen essen - und umgekehrt. Das geht nicht mehr, eine ungewohnte Situation."

Corona trennt die Menschen. Gemeinderat Thomas Thumm (42, AfD) unterstützt die Grenzschließung, hofft nur, "dass der massive Einschnitt nicht ein Jahr dauert".

Bis Samstag war die Grenze bei Bärenstein rund um die Uhr offen, die Menschen pendelten unablässig.
Bis Samstag war die Grenze bei Bärenstein rund um die Uhr offen, die Menschen pendelten unablässig.  © Bernd März

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